Europas Kraftprobe mit Russland um das Gas am 1. April

Die EU weigert sich, russisches Gas in Rubeln zu bezahlen, und Moskau droht, den Hahn zuzudrehen. Der Energiepoker könnte Europa laut einer Rechnung im Thread teuer zu stehen kommen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Europas Kraftprobe mit Russland um das Gas am 1. April
Der 1. April, das Datum, das Europa das Fürchten lehren kann

Der 1. April 2022 ging in den europäischen Energiekalender ein. Die Europäische Union kündigte an, russisches Gas nicht in Rubeln zu bezahlen; Moskau erwiderte, es werde nicht verkaufen, wenn es nicht in seiner Währung bezahlt werde. Zwischen beiden Positionen lag ein Szenario, das ein Teilnehmer schonungslos beschrieb: Irgendjemand wird den Hahn zudrehen, und Europa wird schlagartig einen riesigen Teil seines BIP verlieren. Die Zahl, die zu Beginn der Diskussion kursierte, war ein Einbruch von 30 %. Von diesem Ausgangspunkt aus wurde der Machtkampf als Spiel mit dem Feuer inszeniert: zwei Autos frontal aufeinander zu, und mal sehen, wer zuerst ausweicht.

Wer beim Gas-Poker zuerst nachgibt

Das Bild vom Hahnenkampf setzte sich von Anfang an durch: zwei Fahrzeuge, die aufeinander zurasen, bis einer ausweicht – oder sie kollidieren und landen beide auf dem Schrottplatz. Die Frage, die über dem gesamten Gespräch schwebte, war wer die Nerven behält. Manche halten dafür, dass Moskau wieder einknicken wird, wie schon andere Male. Ihnen gegenüber steht die These, dass die EU standhalten wird, weil der Bruch mit dem russischen Lieferanten früher oder später ohnehin feststand.

Das Vertrauen in die europäische Widerstandsfähigkeit war nicht einhellig. Neben dem Optimismus, ohne russisches Gas durchhalten zu können, kam der Verdacht auf, dass das Lenkrad in Wahrheit in Washington gehalten wird und man auf der anderen Seite des Atlantiks dem Schauspiel mit Häme zusieht. Die Energieabhängigkeit wird dort als ein weiteres Stück im handels- und währungspolitischen Machtkampf zwischen Blöcken gelesen, nicht als Prinzipienfrage.

Kohle als Plan B und die Kraftwerke, die es nicht mehr gibt

Der am häufigsten geäußerte Vorschlag, das Problem zu umgehen, war die Rückkehr zur Kohle. Kohle fördern und verbrennen, wie es bis vor kaum drei Jahrzehnten geschah, als ein Teil des Strommix davon abhing und die Industrie sogar noch größer war als heute. Das Argument hat ein offensichtliches Loch: Viele der Wärmekraftwerke wurden geschlossen, abgebaut und gesprengt, und die Bergwerke, die sie versorgten, haben keine Bergleute mehr. Diesen Weg wiederzuöffnen, wird angemerkt, würde Jahre und einen enormen politischen Preis kosten.

Die optimistischste Rechnung, von einem Teilnehmer vertreten, besagt, dass man mit dem Willen, Bergwerke wieder zu öffnen und das noch nicht Abgerissene wieder aufzubauen, binnen einem Jahr aus der Klemme käme. Dagegen spricht, dass die Stromerzeugung aus Kohle längst zur Abschaltung verurteilt ist und die Bevölkerung die Anlagen ablehnen würde. Die Paradoxie, die die Lage auf den Punkt bringt: Kohle verbrennen, um Strom für Elektroautos zu erzeugen. Ein makelloser Plan.

Die Kälte zu Hause: 15 Grad und zwei Schichten an den Beinen

Während der diplomatische Machtkampf ausgefochten wurde, ging das Gespräch auf das Thermostat herunter. Die Empfehlung, die Heizung herunterzudrehen und sich warm anzuziehen, aus der deutschen Politik gekommen, löste eine Debatte darüber aus, was echte Kälte bedeutet. Ein Bereich von 12 bis 15 Grad in einer Wohnung, den ganzen Tag gehalten, in Ruhe und ohne Tätigkeit, setzt einem schließlich zu. Es ist etwas anderes, kurz von Mitte zwanzig herunterzuregeln, als bei dieser Temperatur zu leben. Zwei Schichten an den Beinen und drei am Oberkörper, so der Hinweis, reichen nicht für jeden.

Die eigene Erfahrung wurde mit der Hausstatistik abgeglichen: In einem Haus ohne Heizung liegt die Innentemperatur meist etwa zehn Grad über der durchschnittlichen Außentemperatur. Selbst in der wärmsten Stadt Spaniens bleibt das Thermometer einer Wohnung im Januar bei etwa 12 Grad. Die Feuchtigkeit kommt als weitere Unbequemlichkeit hinzu: Ohne Entfeuchter wärmt der Mantel nicht gleich gut.

Wer die Rechnung zahlt: Weltmarktpreise und asiatische Käufer

Die Auswirkungen beschränken sich nicht auf Europa. Die Preise werden weltweit steigen, weil der Energiemarkt global ist und die russische Produktion von Gas, Kohle und Öl einen Abnehmer finden oder die Förderung drosseln muss. China kann das Äquivalent der Hunderte Milliarden Euro an russischem Gas, das Europa nicht mehr kaufen würde, nicht schlagartig absorbieren. Und manche warnen, dass China und Indien bei Moskau billiger einkaufen werden, als Europa bei anderen Lieferanten zahlen wird.

Die andere Seite ist die Reaktionsfähigkeit. Man erinnert daran, dass die Pipeline Nabucco noch Kapazität hat, die Versorgung auszubauen, und dass Gas nicht in das Sanktionspaket aufgenommen wurde. Der Schluss, der sich aufdrängt: Ohne russische Kohlenwasserstoffe geht die Welt nicht unter, auch wenn die Anpassung teuer und chaotisch wird.



Während der Hahn sich zu drehen anschickt, bleibt die Frage unbeantwortet: Wer weicht zuerst aus, und zu welchem Preis? Niemand in der Diskussion wagte es, dem Ausgang ein Datum zu geben.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (62 Antworten).

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