Adeslas verlässt Muface trotz Prämienanstieg von 33,5 %
Der neue Rahmenvertrag für das spanische Beamtensystem Muface steht erneut auf der Kippe. Adeslas, eines der Versicherer, die den Staatsbediensteten in Spanien Versicherungsschutz boten, hat sich entschieden, den Vertrag zu kündigen, obwohl die Regierung die Prämien um 33,5 % angehoben hatte. Wie El País berichtete, hängt die medizinische Versorgung von 1,5 Millionen Beamten und ihren Angehörigen nun in der Luft. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten: Während einige fordern, dass diese Gruppe ohne Sonderrechte in die allgemeine Sozialversicherung integriert wird, warnen andere davor, dass das öffentliche System eine solche Last nicht bewältigen kann, ohne dass die Wartelisten weiter anschwellen. Der Konflikt zwischen Versicherern und Verwaltung offenbart eine unbequeme Wahrheit: Das Modell des administrativen Mutualismus bröckelt.
Warum verzichtet Adeslas auf einen teureren Vertrag?
Die Entscheidung von Adeslas ist kein Launenhaftigkeit. Die Erhöhung der Prämien um 33,5 % sollte die alternde Versichertengruppe und die steigenden Kosten im Gesundheitswesen kompensieren, doch die Rechnung geht nicht auf. Branchenkenner berichten, dass die Muface-Versicherten älter sind und häufiger an chronischen Krankheiten leiden, deren Behandlung jede Gewinnmarge auffrisst. Der Versicherer ist offenbar zu dem Schluss gekommen, dass der Vertrag selbst nach der Preiserhöhung defizitär bleibt.
Der Schlag ist nicht nur finanzieller Natur. Muface verwaltet die Krankenversicherung für zivile Staatsbedienstete in Spanien, eine Gruppe, die laut Branchendaten etwa 1,5 Millionen Menschen umfasst, einschließlich Haupt- und Mitversicherter. Wenn Adeslas geht und die beiden anderen Vertragspartner — Asisa und Sanitas — denselben Weg einschlagen, muss die Regierung eine Notlösung improvisieren. Die naheliegendste Option wäre, alle betroffenen Beamten in das öffentliche Gesundheitssystem einzugliedern. Die traumatischere Variante: Die Prämien noch weiter erhöhen, damit irgendeine Gesellschaft bereit ist, den Auftrag anzunehmen.
Aufprall der Narrative: Privilegien versus Wartelisten
Die Nachricht hat eine Debatte entfacht, die über das Gesundheitswesen hinausgeht. Ein Teil der Öffentlichkeit ist der Meinung, dass Beamte historisch von einem parallelen Gesundheitssystem profitiert haben, mit kürzeren Wartezeiten und direktem Zugang zu Spezialisten, und dass es Zeit sei, sie demselben Druck auszusetzen wie den Rest der Bevölkerung. «Sollen sie sehen, wie sie klarkommen», fasst eine Strömung zusammen, die das Ende des Mutualismus nicht bedauert. Andere warnen jedoch, dass die massive Integration in die Sozialversicherung nicht kostenlos sein wird: Mehr Patienten in einem bereits angespannten System bedeuten längere Wartezeiten für alle.
Das Argument der Privilegien hat Gewicht. Befürworter des Mutualismus-Modells erinnern daran, dass Beamte keine freie Wahl haben: Sie sind gesetzlich Muface zugeordnet und zahlen Beiträge dafür. Zudem ist die Deckung nicht gratis; sie wird durch die von der Verwaltung gezahlten Prämien finanziert. Aber das Gefühl einer Ungerechtigkeit lastet schwer. In Zeiten rekordhoher Wartelisten wird jede Gruppe mit schnellerem Zugang zum Ziel der Kritik.
Was passiert mit den 1,5 Millionen Beamten, wenn keine Einigung erzielt wird?
Wenn keine Versicherer mehr am Vertrag festhalten, muss das Ministerium für Öffentlichen Dienst einen Plan B aktivieren. Die Optionen sind begrenzt. Erstens: Den aktuellen Vertrag dringlich verlängern und die Versicherer zur Fortsetzung des Dienstes zwingen, was ihrem Widerstand widerspricht. Zweitens: Die Mutualisten in das Nationale Gesundheitssystem (SNS) integrieren, eine Maßnahme, die zusätzliche Haushaltsmittel erfordern würde und nach Ansicht von Kritikern die ambulante und stationäre Versorgung noch stärker belasten würde.
Unterdessen tickt die Uhr. Die betroffenen Beamten blicken besorgt auf einen Kalender, den sie nicht kontrollieren können. Die Unsicherheit erstreckt sich auch auf private Kliniken und Krankenhäuser, die für Muface arbeiten: Fällt der Vertrag weg, verlieren sie ein erhebliches Geschäftsvolumen. Im Hintergrund stellt sich die unbequeme Frage: Ist das Mutualismus-Modell zum Untergang verurteilt, oder ist es nur eine Geldfrage?
Das Kleingedruckte: Alter, Chronifizierung und das Geschäft der Versicherer
Es gibt einen Faktor, den die Versicherer nicht offen benennen, der aber ihre Flucht erklärt: die demografische Struktur der Gruppe. Das Durchschnittsalter der Muface-Beamten ist hoch, und ein signifikanter Teil leidet an chronischen Erkrankungen, deren medikamentöse Behandlung teuer und dauerhaft ist. Für einen Versicherer ist ein Krebspatient tragbar, wenn er heilbar ist; ein Patient mit einer degenerativen Krankheit, der lebenslange Medikamente benötigt, ist ein Loch in der Bilanz.
Das ist der Kern des Problems. Das Geschäft der privaten Krankenversicherung basiert auf Risikoselektion: Je jünger und gesünder der Versicherte, desto besser. Muface konzentriert naturgemäß das gegenteilige Profil. Daher ziehen es die Unternehmen vor, den Vertrag zu verlieren, statt wiederkehrende Verluste hinzunehmen. Die Erhöhung um 33,5 % war ein Pflaster, keine strukturelle Lösung.
Der Präzedenzfall, den niemand betrachten will
Dies ist nicht das erste Mal, dass der administrative Mutualismus wankt. In den letzten Jahrzehnten wurden verschiedene Kassen und Mutualitäten schrittweise in die Sozialversicherung integriert, wobei Millionensanierungen nötig waren, um Löcher zu stopfen. Ältere Beobachter erinnern daran, dass bereits in den sechziger Jahren viele Mutualitäten technisch insolvent waren. Die Geschichte wiederholt sich unter neuem Gewand.
Der Unterschied liegt heute im politischen Kontext. Die Regierung muss den Verschleiß managen, während sie ein öffentliches Gesundheitssystem am Rande des Zusammenbruchs führt, und gleichzeitig mit Versicherern verhandeln, die keine Krümel akzeptieren. Jede Seite schaut auf ihr eigenes Interesse. Die Beamten wollen behalten, was sie haben. Die Versicherer wollen kein Geld verlieren. Und der Steuerzahler will die Zeche nicht zahlen. Denkt jemand an ihn?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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