Fünf Schlaganfälle in Brasilien: Staat zahlt keine Rückholung

Ein pensionierter spanischer Polizist erleidet seit Juli 2023 fünf Schlaganfälle in Brasilien. Der Staat weigert sich, den medizinischen Rückflug zu finanzieren.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Fünf Schlaganfälle in Brasilien: Staat zahlt keine Rückholung
Pensionierter Beamter, fünf Schlaganfälle und ein ausbleibender Ambulanzflug

Was muss geschehen, damit ein kranker Spanier im Ausland per Ambulanzflug nach Hause zurückkehren kann? José Santos wartet seit dem 10. Juli 2023 auf eine Antwort. An diesem Tag erlitt er während eines Urlaubs mit seiner Frau und seinem Sohn in Brasilien den ersten von fünf hämorrhagischen Schlaganfällen. Sein Rückflugticket nach Madrid für den 27. Juli wurde nie genutzt. Heute liegt er bettlägerig in Calas Novas-Goiás, kann nicht sprechen, sich nicht bewegen und benötigt Sauerstoff.

Die Fakten: Fünf Schlaganfälle und ein ungenutztes Rückflugticket

Seine Ehefrau Jailma Pacheco schildert die Situation; sie pflegt ihren Mann seit Monaten weitgehend allein. José Santos ist 66 Jahre alt und leidet an einem komplexen Krankheitsbild, das brasilianische Ärzte als beeinträchtigte rechte Lunge beschreiben: COPD, chronische Pneumonie, Lungenemphysem, Herzerkrankung und Atelektase. Zudem hat er Bluthochdruck und braucht kontinuierlich Sauerstoff. „Wir brauchen nur nach Hause zurückzukehren und meinen Mann lebend dorthin bringen zu können“, fasst seine Frau zusammen.

Vorher war er Polizist. Er begann mit 16 Jahren zu arbeiten, debütierte 1984 als Streifenpolizist und beendete seine Karriere bei der Generaldirektion der Policía Nacional in Madrid. 38 Dienstjahre, die 2022 mit seiner Pensionierung endeten. Ein Jahr später verlief die Familienreise nach Brasilien – die Heimat seiner Frau – katastrophal: Die Abreise erfolgte am 17. Juni 2023, die Rückkehr war für den 27. Juli geplant. Der erste Schlaganfall änderte alles. Es folgten vier weitere, alle hämorrhagisch.

Warum deckt Muface diesen Fall nicht ab?

Hier beginnt das finanzielle Problem. Muface (die staatliche Krankenversicherung für Beamte) deckt nur Behandlungen in Europa ab; Brasilien ist ausgeschlossen. Die Familie räumt ein, dass Santos keine zusätzliche Reiseversicherung abgeschlossen hatte: „Ich habe es damals angesprochen, aber man glaubt einfach nicht, dass einem so etwas passiert“, erklärt Pacheco. Sie und ihr Sohn hatten eigene Versicherungen. Das öffentliche brasilianische Gesundheitssystem übernimmt die spezifische Behandlung, die er benötigt, nicht.

Die Antwort, die die Familie von den Behörden erhalten haben will, ist kurz und unpersönlich: Es gebe kein Budget und man hätte eine Versicherung abschließen müssen. Von diesem Punkt aus hat sich die Rückholung per Ambulanzflug zu einer unbefristeten Verwaltungssache entwickelt.

Wie teuer wäre die Versicherung gewesen, die das Problem verhindert hätte?

Diese Frage steht im Zentrum der Debatte. Manche argumentieren, dass ein Aufpreis von nur 80 Euro auf einer Reise von 3.000 bis 4.000 Euro ausgereicht hätte, um einen medizinischen Transport einzuschließen, und wer sich einen Urlaub über den Atlantik leisten kann, sollte auch diese Zusatzkosten tragen können. Der Vergleich wiederholt sich: Ticketpreis versus Versicherungsprämie.

Gegenargumente sind weniger offensichtlich: Der tatsächliche Deckungsumfang hängt vom Kleingedruckten, der Art der Police und dem Versicherer ab. Es werden Produkte genannt, die Ambulanzflüge einschließen, und günstigere Optionen, die nur Grundkosten decken. Im Kern geht es nicht um Versicherungen, sondern darum, wer das Risiko trägt, wenn ein pensionierter Staatsbediensteter erkrankt.

Das zitierte Präzedenzfäll und die Erklärungsforderung ans Außenministerium

Teile der Analyse verweisen auf einen früheren Fall: Die Rückholung eines anderen kranken Spaniers aus Asien gelang erst, nachdem die Familie interne Hebel in der Verwaltung aktivieren konnte. Daraus entsteht die Forderung, dass das Außenministerium klären soll, unter welchen Voraussetzungen Botschaften die Kosten einer Notfallrückholung übernehmen. Ohne dieses veröffentlichte Protokoll hängt jeder Fall davon ab, wen man mobilisieren kann.

Dieses fehlende Kriterium erzeugt einen perversen Effekt: Wenn ein Präzedenzfall existiert, werden andere ähnliche Ansprüche stellen. Was technisch eine Verwaltungslücke ist, wird in der Praxis zur Lotterie, abhängig vom Druckpotenzial jeder Familie.

Die Bürokratie, die ebenfalls die Rückkehr blockiert

Der Transport ist nicht nur eine Geldfrage. Brasilianische Ärzte haben ein Dokument unterschrieben, das Santos’ Arbeitsunfähigkeit bescheinigt, aber dessen Anerkennung durch die spanische Verwaltung erfordert eine beglaubigte Übersetzung, was Zeit und Geld kostet. Währenddessen sind die Bankkonten der Familie in Spanien gesperrt.

Zur Ungewissheit kommt die Arbeitslosigkeit: Pacheco arbeitete im Homeoffice für eine IT-Firma und wurde kurz nach Beginn der Krankheit ihres Mannes entlassen. In Brasilien kann sie kein Arbeitslosengeld beziehen. Die tägliche Pflege lastet auf ihr: Baden, Umlagern, Hinsetzen, Toilette. Ihr 17-jähriger Sohn hat eine Wirbelsäulenverkrümmung und kann ihr nicht helfen; sie selbst hatte drei Rückenoperationen und vier Schraubenimplantate. „Manche Tage habe ich nicht einmal Geld zum Essen“, sagt sie.

Eine Spendenkampagne als letzter Ausweg

Angesichts des ausbleibenden institutionellen Engagements wurde eine Crowdfunding-Kampagne mit einem Ziel von 200.000 Euro gestartet, um die Kosten zu decken. Dass eine Familie das finanzieren muss, was weder die Versicherung noch der Staat übernimmt, ist bereits die Zusammenfassung des gesamten Problems.

Wird das Verwaltungskriterium buchstabengenau angewandt, war nicht die Krankheit das Problem, sondern wo man sie bekam. Das Kleingedruckte der Reise stand schon fest. Den Rest schrieben fünf Schlaganfälle.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (185 Antworten).

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