Eine 73-jährige Rentnerin reist nach Madrid, um einen Luis Miguel zu heiraten, der nie existierte
Sandy Somarriba landete mit der Hoffnung einer Braut am Flughafen Barajas. Sie war 73 Jahre alt, kam aus Las Vegas und hatte ein Jahr lang Nachrichten mit dem ausgetauscht, den sie für Luis Miguel hielt. Der Sänger tauchte nicht auf. Auch der versprochene Fahrer namens Sánchez blieb aus. „In diesem Moment brach für mich eine Welt zusammen“, fasst sie zusammen. In diesem Jahr des Chatten hatte sie etwa 10.000 Dollar an ein Netzwerk von Betrügern überwiesen, die sich am anderen Ende des Bildschirms abwechselten.
Die Geschichte wurde am 16. März 2024 von El Correo veröffentlicht und löste eine unangenehme Debatte aus: Wie kann eine Geschäftsfrau, Übersetzerin und Rentnerin auf so etwas hereinfallen? Die kurze Antwort lautet, dass Liebesbetrug (Romance Scam) nicht auf Dumme abzielt. Er richtet sich an Menschen mit einem konkreten emotionalen Bedürfnis und einem zugänglichen Bankkonto.
Das Betrugsszenario: Fan-Karten, Zoll und gefälschte Schecks
Die erste Zahlung betrug 500 Dollar für eine „Fan-Karte“, die angeblich unerlässlich sei, um privat zu kommunizieren. Sie kam nie an. Von da an lief die Maschinerie: Zahlungen für den Zoll einer nicht existierenden Box, das Vorstrecken von Geld für einen gefälschten Scheck, den der Betrüger auf ihr Konto eingezahlt hatte, Überweisungen von 100 oder 200 Dollar via Western Union oder Kryptowährungen an Empfänger in Ecuador. Sie verkaufte ein Schmuckstück für 750 Euro, um die Geschichte weiter zu finanzieren.
Der Wechsel von der Bewunderin zur Verlobten geschah schnell. Liebesbotschaften, Fotos, explizite Erotik und ein Satz, an den sie sich wortwörtlich erinnert: „Das Universum hatte sich verschworen, damit wir uns finden“. Das Opfer schickte ihren Personalausweis, Kontonummern, E-Mail-Passwörter und Kontoauszüge. In ihren Chats taufte sie den falschen Sänger great love. Er setzte Termine für ein Treffen fest, startete den Countdown und strich das Treffen dann immer mit einer neuen Ausrede wieder ab.
Wer steckt dahinter: Schichten, Vorlagen und ein Acht-Stunden-Geschäft
Die Betrüger waren nicht allein. Sie arbeiteten im Schichtbetrieb. Einige sprachen nicht einmal Spanisch, sondern nur Englisch. Sie pflegten den Chatverlauf, damit der nächste Kollege wusste, an welchem Punkt des Betrugs das Opfer gerade stand. Es ist ein Rollenspiel mit echten Opfern, und es funktioniert, weil es mit Hunderten von Menschen ausprobiert wird, bis einer auf alle Angelhaken anspringt.
Die Berechnung, die in Analysen dieses Phänomens kursiert, besagt, dass ein Betrüger, der acht Stunden täglich arbeitet und in einem Land mit niedrigen Löhnen zwei oder drei Opfer pro Jahr findet, eine exzellente Rendite erzielt. Es gibt Stimmen, die behaupten, dass ein erheblicher Teil der Devisen, die in einige westafrikanische Länder fließen, aus dieser Art von Betrug stammt. Dieser Wert ist nicht verifiziert, verdeutlicht aber das Ausmaß.
Das Profil der Opfer entspricht nicht der allgemeinen Vorstellung
Dies ist der Punkt, der viele überrascht. Die Opfer dieser Betrugsmaschen haben vielfältige Profile: Anwältinnen, Ärztinnen, Kassiererinnen, Unternehmerinnen. Die Verwundbarkeit resultiert nicht aus dem Intelligenzquotienten. Sie resultiert aus Einsamkeit, dem Bedürfnis, sich erwählt zu fühlen, und der Fähigkeit des Betrügers, eine Geschichte zu konstruieren, die zum Wunsch passt.
Sandy sagte es unverblümt: „Jeder Mensch hat den Wunsch, geliebt zu werden.“ Und sie fügte einen Satz hinzu, der den Mechanismus zusammenfasst: „Ich habe es kommen sehen, aber ich wollte nicht zuhören.“ Der Ruhm des vermeintlichen Sängers spielte eine Rolle. Sie selbst gibt zu, dass sie nicht weiß, ob sie sich in einen Unbekannten ohne Künstlernamen verliebt hätte.
Was passiert, wenn das Opfer ohne Geld in Spanien landet
In Madrid erstattete sie Anzeige bei der Policía Nacional (der spanischen Nationalpolizei) in Terminal 4. Sie verbrachte die Tage in einem Hostel in Brunete ohne Geld, bis ihr ein ehemaliger Chef das Rückflugticket kaufte. Am Mittwoch dieser Woche flog sie zurück. Der Betrüger ruft sie weiterhin an. Das letzte Gespräch dauerte 33 Minuten. Er versichert ihr, dass er wirklich Luis Miguel ist, dass er sie liebt und dass es ihm leidtut, sie nicht abgeholt zu haben.
Sie spielt das Spiel mit. „Ich glaube es erst, wenn ich es sehe“, sagt sie. Sie hat kein Geld mehr, das sie ihm geben könnte. Was ihr wehtut, sagt sie, ist nicht das leere Konto, sondern das gebrochene Herz. Die Geschichte endet dort, ohne bestätigte Festnahmen und ohne bekanntes gerichtliches Urteil.
Der Liebesbetrug bewegt Summen, die in den offiziellen Statistiken nicht auftauchen, da die meisten Opfer keine Anzeige erstatten. Die Scham wiegt schwerer als der Verlust. Und währenddessen schreibt am anderen Ende des Bildschirms jemand die erste Nachricht an das nächste Opfer.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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