Feijóo und der Preis, nicht gewinnen zu wollen: der Wahlkampf, der Sánchez stärkt

Feijóo eröffnet neue Konfliktlinien bei Abtreibung, Sterbehilfe und Krankschreibungen und verliert wichtige Wählerreservoirs. Eine Analyse, warum sein Wahlkampf Sánchez nützt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Feijóo und der Preis, nicht gewinnen zu wollen: der Wahlkampf, der Sánchez stärkt
Feijóo will nicht gewinnen: der Wahlkampf, der Sánchez schenkt

Feijóo hat den Wahlkampf zu einer Übung im Widerstand gegen die eigene Wählerschaft gemacht. Die These, die derzeit die wirtschaftliche Debatte prägt, ist unbequem: Der Kandidat der Volkspartei verliert Stimmen nicht durch das, was er verschweigt, sondern durch das, was er laut ausspricht. Zuerst kam das Versprechen, die Abtreibungs- und Sterbehilfegesetze anzutasten. Dann die Ankündigung, die öffentlichen Ausgaben zu straffen und Krankschreibungen einzuschränken. Jeder Auftritt eröffnet eine neue Front und kostet ein Wählerreservoir, das längst in der Tasche war.

Die vorherrschende Diagnose lautet nicht, dass Feijóo inkompetent ist, sondern etwas Schlimmeres für seine Interessen: dass er nicht gewinnen muss. In der Opposition lebt es sich besser. Ohne Regierungsverantwortung, ohne Haushalte, die aufgegangen werden müssen, und ohne den täglichen Verschleiß im Moncloa (Sitz des spanischen Ministerpräsidenten) kann sich der Volkspartei-Chef Salonfloskeln leisten und die Hände in den Schoß legen, wie der meistgehörte Spruch zusammenfasst. Regieren kostet Blut, und manchen zufolge fehlt diesem Kandidaten genau das.

Abtreibung und Sterbehilfe als Minenfeld

Das Interview beim Radiosender SER hat eine Spur der Reaktionen hinterlassen, die von Fassungslosigkeit bis zum vorzeitigen Rücktrittsforderungen reichen. Feijóo erklärte, die Abtreibung sei mit dem geltenden Gesetz gewährleistet, und sprach nicht von einer Reform. Aber allein die Tatsache, dass er das Thema Gewissensverweigerung oder elterliche Zustimmung für Minderjährige aufmachte, reichte aus, damit die Erzählung der Linken ihn ins hardliner-Lager rückte. Die Hälfte der Bevölkerung — jener Teil, der in der zynischsten Lesart Feminismus mit Frausein gleichsetzt — hört den Rest der Botschaft nicht mehr.

Manche verteidigen das Interview als solide und betonen, er sei in keine Falle getappt. Das Problem: Die Latte lag so tief, dass unbeschadet davonzukommen mit einem Sieg verwechselt wird. 2023 hat er es gewaltig vermasselt; diesmal hat er es schlicht nicht wieder vermasselt — das ist kein Regierungsprogramm.

Rentner, Beamte und die Stimme, die man nicht anfasst

Die Ankündigung, den Gürtel enger zu schnallen und Krankschreibungen zu überprüfen, hat einen Wahlpreis, der sich in Stimmen messen lässt. Beamte sind ein gefangenes Wählerreservoir, und Rentner sind die demografische Gruppe, die am meisten fernsieht und am meisten Angst vor der wirtschaftlichen Zukunft hat. Einsparungen zu versprechen bei denen, die von einem öffentlichen Gehalt oder einer Rente leben, ist eine sehr wirksame Methode, Wahlen zu verlieren, bevor sie überhaupt angesetzt sind.

Die Paradoxie: Feijóo hat bis zum Überdruss wiederholt, dass er die Renten an die Inflation anpassen wird. Egal. Der Titel, der hängen bleibt, ist der vom Rotstift, nicht der von der Indexierung. Und währenddessen funktioniert die Angst-Kampagne rund um die Renten weiter, weil es auf der anderen Seite Leute gibt, die sie besser auszunutzen verstehen.

Der Kandidat, der nicht einmal die eigenen überzeugt

Die härteste Diagnose kommt aus dem eigenen Lager: Ich wähle VOX, auch wenn es mir Bauchschmerzen macht, denn schlimmer als jetzt kann es nicht werden. Es ist die Logik der taktischen Stimme aus Verzweiflung — dieselbe, die vor vier Jahren viele dazu brachte, einen Kandidaten zu schlucken, der ihnen nicht gefiel. Der Unterschied: Damals gab es die Hoffnung auf Wandel, heute bleibt nur die Gewissheit, dass das Land etwas braucht, das dieser Mann nicht hat.

Die Frage, die in der Luft liegt: Will Feijóo wirklich regieren, oder bleibt er lieber in der Opposition und legt gelegentlich leere Sprüche ab? Die Antwort ist, so viel ist zu sehen, nicht die, die seine Wähler erwartet hätten.



Vor diesem Hintergrund lautet die vernünftigste Prognose: Sánchez gewinnt erneut, ohne einen Wahlkampf führen zu müssen. Feijóo erledigt das alles selbst. Wenn wir in vier Jahren noch immer am selben Punkt stehen, kann niemand behaupten, er sei nicht gewarnt worden.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (134 Antworten).

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