Zweifel an den Migrantenstimmen, auf die Spaniens PSOE baut

Ein Diagramm ohne Quellenangabe behauptet, 82 % der marokkanischen Wähler stimmten links. Die Zahl wird als Beweis dafür wiederholt, warum Spaniens Regierung in Ceuta nicht handelt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Zweifel an den Migrantenstimmen, auf die Spaniens PSOE baut
Zweifel an den Migrantenstimmen, auf die Spaniens PSOE baut

Ein Diagramm kursiert in diesen Tagen mit einer Stammtisch-These: Ausländische Wähler, insbesondere Marokkaner, stützten die PSOE (Spaniens sozialdemokratische Partei) und erklärten, warum die Regierung an der Grenze von Ceuta nicht handelt. Das als Beweis präsentierte Stück behauptet, bis zu **82 % der marokkanischen Wählerschaft** würden links wählen, während Kubaner und Venezolaner dagegen nach ihrer Erfahrung mit dem Sozialismus rechts wählten. Die Diskussion ist zu einem kleinen Labor dafür geworden, wie man eine Erzählung mit Zahlen aufbaut, die niemand überprüft.

Was das Diagramm sagt und woher die Prozentzahlen stammen

Ausgangspunkt ist eine behauptung ohne Quelle: Der Migrant wähle links, der Marokkaner zu **82 %**. Daraus wird ein politischer Schluss gezogen: Die Regierung dulde den Migrationsdruck, weil diese Wähler sie stützten. Der logische Sprung ist enorm, und niemand in der Diskussion legt die Studie, die Umfrage oder die Institution vor, die diese Zahl belegt. Es ist die Art von Daten, die so lange wiederholt wird, bis sie wahr erscheint.

Manche präzisieren und behaupten, ohne die marokkanischen Stimmen – die vom Enkel-Einbürgerungsgesetz nicht betroffen wären – sei die Verteilung **ziemlich ausgeglichen oder sogar günstig für die Rechte**. Das heißt, das Diagramm selbst widerspricht sich bei genauer Lektüre. Andere vermuten ein anderes Motiv: einen Vorrat an Briefwahlstimmen von Menschen anzuhäufen, die nicht wählen werden und für die jemand abstimmen könnte. Ein Verdacht, kein Fakt.

Kuba und Venezuela als Gegenbeispiel

Das am häufigsten wiederholte Argument betrifft Menschen aus Ländern mit sozialistischem Regime. Venezolaner und Kubaner, so heißt es, **wählten um keinem Preis links**, weil sie bereits erlebt hätten, was hier nur versprochen wird. Die Idee hat Charme und eine gewisse Intuition: Die Migrationserfahrung wiegt schwer. Aber sie macht aus einem Eindruck ein allgemeines Gesetz und übersieht, dass die Gruppe heterogen ist, dass nicht alle wählen und dass viele es gar nicht können.

Die Diskussion gerät ins Schleudern, wenn jemand daran erinnert, dass es Kubanerinnen gibt, die Vox kritisieren und das, was sie als Rassismus beschreiben. Die Erzählung vom dankbaren, rechten Migranten bricht zusammen, sobald ein Fall auftaucht, der nicht passt. Und er taucht auf.

Der französische Fall und der britische Spiegel

Eine weitere Front: Franzosen, die in Spanien leben. Es wird behauptet, sie stimmten zu **40 % für die PSOE und zu 20 % für Podemos**, als hätte der Abschied aus einem vom Sozialismus gebeutelten Land nichts gelehrt. Der Vergleich wird auf das Vereinigte Königreich ausgeweitet, wo **40 % für den Sozialismus** stimmten. Das sind Zahlen, die in den Raum geworfen werden, ohne Umfrage, die sie stützt – aber sie wirken als Munition in der Erzählung.

Der Kontrapunkt kommt von der wirtschaftlichen Seite: Es wird argumentiert, Marokkaner hätten kein besonderes Interesse an Spanien, weil **die Leistungen in Frankreich üppiger seien**. Wäre die Motivation die Zahlung, würde die Karte nicht aufgehen.

Das Enkel-Gesetz und die Briefwahl

Am Ende taucht das Thema auf, das dem Stück seinen Titel gibt: das **Enkel-Einbürgerungsgesetz** und seine mögliche Validierung. Es wird eine Resolution des Defensor del Pueblo (Spaniens Parlamentsbeauftragtem) zitiert, die von irregulären Wahlen 2023 sprach, und spekuliert, dass die Norm nun über das Verfassungsgericht validiert werden solle. Von dort zum „Wahlbetrug“ ist ein Schritt, den die Diskussion ohne Bremsen geht.

Man sollte die Ebenen trennen. Das ist die juristische Debatte über das Gesetz, jenes der Verdacht des Wahlbetrugs, der hier ohne jeden Beleg in den Raum geworfen wird. Die Zahl, die die Sache abschließt, stammt von dem, der die registrierte Einwanderung in Spanien zwischen 1993 und 2026 mitzählt: **mehr als 15 Millionen Menschen**. Eine runde, beeindruckende Zahl und, wie alles andere auch, unbprüft.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (50 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver