XRP und Ripple: Bank-Adoption trotzt der SEC

XRP steigt um 75% gegenüber Bitcoin nach den Schriftsätzen gegen die SEC, während Banken auf ISO 20022 und Basel III setzen. Die Frage bleibt: Was ist der Token wert?

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

XRP und Ripple: Bank-Adoption trotzt der SEC
Die Herausforderung für XRP: Vom Angeklagten bei der SEC zur globalen Zahlungsinfrastruktur

Kann ein Vermögenswert mehr wert sein wegen dessen, was ihm verboten wird, als wegen dessen, was ihm erlaubt ist? In den letzten Jahren war XRP die Antwort in Form eines Charts. Während die SEC Ripple wegen des angeblichen Verkaufs nicht registrierter Wertpapiere verfolgte, schauten Zahlungsunternehmen weg, und der Token verlor keine Zeit: Er kündigte Partnerschaften an, bewegte Treuhandguthaben (Escrows) und stützte sich auf ein Gerichtsdatum, um zu steigen. Jetzt stellt sich nicht die Frage, ob Ripple seine Hausaufgaben gemacht hat, sondern ob die Banken sie nutzen dürfen.

Partnerschaften, die nicht auf das Urteil warteten

Tranglo und Novatti, zwei Unternehmen für grenzüberschreitende Zahlungen, gaben ihre Integration mit Ripple bekannt, genau als der US-Rechtsstreit zugunsten des Unternehmens zu kippen schien. Das ist kein Detail am Rande: Die Roadmap der Brückenwährung braucht ein reales Transaktionsvolumen, und dieses Volumen wird in Büros unterschrieben, während Richter entscheiden. Für Befürworter des Projekts lag die Adoption vor der Regulierung, was den Anstieg erklärte. Für Skeptiker war es nur heiße Luft: Die Partnerschaften sagten nichts über die Bedingungen aus, unter denen der Token genutzt würde.

Der 12. September: Der Tag, an dem der Markt dem Gericht vorauslief

Das Datum markierte eine Zäsur. Ripple und die SEC reichten Schriftsätze für ein summarisches Urteil ein, und der Markt interpretierte dies so, dass der Fall ohne Hauptverfahren vor Dezember 2022 abgeschlossen werden könnte. Die Daten sind hartnäckig: Seit diesem Tag stieg XRP um etwa 75% gegenüber Bitcoin und um 60% gegenüber dem Dollar. Alles ohne rechtskräftiges Urteil. Die Erwartung wurde gehandelt, bevor das Papier vorlag; der Preis eilte dem Gesetz voraus, das noch in den Gerichten feststeckte.

Treuhandkonten, Bots und die Preismaschine

Es war nicht nur die Akte des Gerichts. Bewegungen im Escrow von Ripple lösten Alarm aus: Innerhalb eines Monats flossen 200 Millionen XRP hinein, doppelt so viel wie üblich. Und unter den Kaufaufträgen tauchte einer auf, der den Marktzustand zusammenfasste: Ein Bot legte 0,1 XRP für 50.000 Dollar an, eine Operation, die nicht auf Anhäufung abzielt, sondern auf das Zünden des Pulverfasses. Die Schlussfolgerung der pragmatischsten Analysten war unbequem wie einfach: Den Preis bestimmen Algorithmen, nicht Überzeugungen. Fügt man den Schatten von Jed McCaleb und seinen 3 Milliarden XRP hinzu, die im Visier stehen, war der Cocktail serviert.

ISO 20022 und Basel III: Infrastruktur, die Tweets ignoriert

Jenseits des spekulativen Lärms gab es einen Kalender. Die letzte große Organisation, die noch ISO 20022 adoptieren musste, Fedwire, hatte eine Frist bis zum 10. März 2025. Davor trat Basel III in Europa am 1. Januar 2024 in Kraft, was Banken zwang, Liquidität freizusetzen und ihre Vermögenswerte sorgfältiger zu klassifizieren. Für das Ripple-Netzwerk bedeuteten diese Daten die Chance, am bereits gedeckten Tisch Platz zu nehmen. Für den Token blieb die Debatte eine andere: Verlangt der Standard das Netzwerk oder den Vermögenswert?

Reale Adoption? Der Krieg des unsichtbaren Banks

Hier erreichte der Schlagabtausch der Argumente seinen pikantesten Punkt. Auf der einen Seite die These, dass keine Bank XRP aufgrund seiner Volatilität als Kollateral nutzt: Millionen mit einem Asset zu senden, das innerhalb von Sekunden schwankt, ist schwer schluckbar. Auf der anderen Seite Beispiele wie SBI Remit, eine Tochtergesellschaft des japanischen Konglomerats SBI Holdings, und eine Schweizer Bank, die in Ripples offiziellen Dokumenten auftaucht. Die praktische Schlussfolgerung war, dass das Netzwerk durch den ISO 20022-Standard Boden gutmacht, während der Token weiterhin darauf wartet, dass jemand seine Notwendigkeit jenseits der Spekulation beweist.

Der vorletzte Akt: Clarity Act und die Geduld des Marktes

Gegen Ende des analysierten Zeitraums verlagerte sich die Aufmerksamkeit nach Washington. Am 15. September stand die Abstimmung über den Clarity Act auf dem Programm, ein Gesetz, das entscheiden würde, ob die Mehrheit der Kryptowährungen Wertpapiere sind oder nicht. Der Termin fiel zudem mit der Sitzung der Federal Reserve zusammen. Vorsichtige Beobachter erinnerten daran, dass XRP im letzten Jahr mehr als 40% gegenüber Bitcoin verloren hatte und dass das Gesetz noch nicht verabschiedet war. Der Markt wollte endlich die Zukunft kaufen, aber die Zukunft lag wieder in den Händen eines Parlaments.

Wenn der Markt eine Geschichte braucht, findet er eine Ausrede. Die von XRP bietet alles: einen Prozess, eine Deadline, ein Treuhandkonto und einen Bot, der 50.000 Dollar zahlt, um ein Zehntel einer Münze zu kaufen. Wenn das nächste Mal jemand sagt, der Preis werde durch technische Analyse bestimmt, lohnt es sich, daran zu denken, wer die Algorithmen schreibt. Und dass in dieser Branche der Wert nicht vom Regulator gesetzt wird: Er wird davon bestimmt, was der Markt glaubt, dass der Regulator nicht stoppen kann.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (3671 Antworten).

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