Wowcrab: Meeresfrüchte in Plastiktüte für 90 Euro in Madrid

Wowcrab eröffnet in Madrid sein erstes Lokal in Spanien: Meeresfrüchte-Mischungen in Plastiktüten für 90 Euro und eine Durchschnittsbewertung von 4,1.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Meeresfrüchte in Plastiktüte: 90 Euro pro Combo in Madrid

Würden Sie 90 Euro zahlen, um Meeresfrüchte mit den Händen zu essen, ohne Teller und Besteck, direkt auf einer Plastiktüte? Das ist im Wesentlichen das Angebot von Wowcrab, einer auf Meeresfrüchte spezialisierten Kette mit Filialen in den Niederlanden und Belgien, die gerade ihr erstes Restaurant in Spanien, in Madrid, eröffnet hat. Die Formel — gemischte Meeresfrüchte, Kartoffeln, Maiskolben und scharfe Sauce in einer Tüte auf dem Tisch — hat sich durch Bewertungen viral verbreitet, nicht wegen der Note: 4,1 von 5. Die Fotos erledigen den Rest. Das Ergebnis ist eine dieser Diskussionen, die mit Essen beginnen und bei Geld, Tourismus und dessen enden, was die Stadt bereit ist zu schlucken.

Was ist Wowcrab und wie werden Meeresfrüchte serviert?

Die Kette präsentiert sich als Ort für große Meeresfrüchte-Banketts zu erschwinglichen Preisen in lockerer Atmosphäre, ausgerichtet auf ein junges Publikum. Bei jeder Option wählt der Kunde die Meeresfrüchte aus einer Auswahl, die Garnelen, Nordseekrabben, Muscheln, Jumbo-Muscheln, Jakobsmuscheln und Hummer umfasst. Alles kommt gekocht, vermischt und ohne Zeremonie.

Es gibt keinen Teller. Der Inhalt landet direkt auf dem Tisch, und der Tisch hat keine Tischdecke. Es gibt auch kein Besteck: Man isst mit den Händen. Lässigkeit, nennen sie es. Die Kette ist bereits in den Niederlanden und Belgien tätig, und Madrid ist ihre erste Eröffnung in Spanien, was einen Teil des Aufsehens erklärt: Das Lokal wird als absolute Neuheit auf einem Markt verkauft, in dem Meeresfrüchte eine jahrhundertelange Tradition haben.

Der Ticketpreis der Kontroverse: 90 Euro für den Combo für zwei oder drei Personen

Ein Video unter den Bewertungen des Lokals erlaubt einen detaillierten Blick auf die Rechnung. Die Tüte oder Eimer für zwei bis drei Personen kostet 90 Euro. Ein Glas Estrella-Bier: 3,50. Ein Liter Cabreiroa-Wasser: 5,50. Käsekuchen mit Oreo: 8 Euro. Pommes mit Mayonnaise: 4. Die Summe erklärt einen großen Teil des Ärgers, besonders wenn der Gast weiß, dass er ohne Besteck essen wird.

Eines der Argumente betrifft die Schärfe. Einige behaupten, dass die verschiedenen Saucenstufen genau dazu dienen, den Geschmack des Produkts zu überdecken: Wenn alles nach Gewürzen und industriellen Mengen an Schärfe schmeckt, erkennt niemand, ob die Meeresfrüchte frisch sind. Die Verteidigung ist weniger weitreichend und einfacher: Die Menge ist beträchtlich und der Gast geht satt heraus. Nichts weiter.

Warum werden Meeresfrüchte in einer Tüte serviert? Der cajunische Ursprung

Das Format ist keine Madrider Erfindung. Es stammt vom Cajun-Sauce-Meeresfrüchte-Essen aus dem Süden der Vereinigten Staaten, wo es üblich ist, gekochtes Produkt mit Kartoffeln, Mais und Gewürzen auf eine abgedeckte Oberfläche zu kippen und ohne Protokoll zu verteilen. In Louisiana ist es mit Flusskrebsen beliebt. In Maine und New Hampshire wird Hummer in Meerwasser gekocht und mit Maiskolben und geschmolzener Butter serviert. Die Lobster Rolls der Atlantikküste sind Cousins dieses Konzepts.

Wer gereist ist, hat es schon gesehen. Dasselbe Spektakel, mit Tüte und nacktem Tisch, wurde vor zehn Jahren in Dubai serviert. Hier liegt der unbequeme Nuance der Geschichte: Was hier als gastronomische Avantgarde präsentiert wird, funktioniert seit Jahren auf anderen Märkten.

Was kostet ein vergleichbares Meeresfrüchte-Bankett in Spanien?

Weniger. Laut der Erzählung eines Gastes kann ein doppelt so großes Meeresfrüchte-Bankett, serviert auf einem Tablett mit Besteck, für 35 Euro zu haben sein. In Bangkok kostete ein spezielles Meeresfrüchte-Bankett für zwei Personen mit unbegrenztem Bier im Jahr 2012 30 Euro. In Madrid waren Meeresfrüchte nie billig, aber sie wurden anders serviert: perfekt gekochtes Produkt, Tablett und Gabel.

Der Vergleich mit Galizien drängt sich auf, und zwar nicht nur preislich. Jedes Produkt hat seinen Garungsgrad und seine Zubereitungsart, und alle in einer einzigen Sauce zu mischen, erscheint fragwürdig. In einer Region, in der Meeresfrüchte eine identitätsstiftende Angelegenheit sind, war die Reaktion vorhersehbar: Niemand serviert Entenmuscheln in Plastiktüten.

Warum hat das Lokal trotz solcher Kritiken eine Bewertung von 4,1?

Weil die Durchschnittsnote etwas anderes misst. Eine 4,1 von 5 verträgt sich problemlos mit empörten Bewertungen: Wer 90 Euro für ein Erlebnis zahlt, das er zuvor in sozialen Medien gesehen hat, neigt dazu, es zu verteidigen, und das Restaurant ist für Videos konzipiert, nicht für den Gaumen. Der verschmutzte Tisch ist der Content. Die dampfende Tüte ist die Einstellung.

Im Hintergrund der Kontroverse schwelt ein breiterer Verdacht: Dass das Spektakel das Kriterium bei der Wahl des Esslokals ersetzt hat. Das ist eine schwer zu beweisende, aber leicht mit Beispielen wie diesem zu illustrierende These.

Sauce, Mais und Herkunft: Wo hinkt der Vergleich?

Die Beilagen entsprechen dem US-Rezeptbuch: Maiskolben, Kartoffeln, Sellerie, ein guter Block Butter und Gewürze. Das Problem, so mehrere Bewertungen, ist, dass am Ende alles gleich schmeckt und die Schärfe die Geschmacksnerven betäubt.

Auch die Herkunft wird diskutiert. Es werden Schneekrabben, Pazifismuscheinen, irisches Rindfleisch und argentinische Garnelen genannt; das einzige Spanische, ironisieren einige, wäre die Tüte. Andere verteidigen das importierte Produkt ohne Komplexe: Holländische Seezungen haben bei Profis einen guten Ruf, und man erinnert daran, dass iranischer Kaviar als besser gilt als der nationale. An diesem Punkt hört die Debatte auf, gastronomisch zu sein, und wird zu einer Diskussion darüber, was Produkt von hier bedeutet.



Eine Kuriosität fasst den allgemeinen Ton zusammen. Mitten im Streit öffnet jemand eine Front darüber, ob die Garnele ein Krebstier und die Kakerlake ein Insekt ist. Beide sind Gliederfüßer. Die Sache ging nicht weiter.

Ein Hinweis zum Schluss. Ein Teil der Kontroverse entwickelte sich zu Vorwürfen über den Tourismus und die demografische Veränderung der Hauptstadt. Dies ist ein Meinungsrahmen ohne Daten, der in fast jeder Unterhaltung über städtische Gastronomie auftaucht, und sollte als das behandelt werden, was er ist: Hintergrundrauschen.

90 Euro, eine Plastiktüte und ein Tisch ohne Decke. Hier nennt man es gastronomische Avantgarde. In Dubai nannte man es Abendessen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (306 Antworten).

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