Mietergewerkschaft in Madrid ruft zum Mietzahlungsboykott auf
Was passiert, wenn Tausende von Mietern gleichzeitig aufhören, ihre Miete zu zahlen? Die Mietergewerkschaft von Madrid will dies testen und hat bereits einen Termin festgelegt: Am 13. Oktober findet in der Hauptstadt eine Demonstration statt, gefolgt von einem Mietstreik, der die gesamte Bevölkerung zum Nichtzahlen aufruft. Der Slogan, der in den sozialen Medien wiederholt wird, lautet: „Die Mieten müssen um 50 % sinken, und wenn sie es nicht tun, senken wir sie selbst.“ Das zugrunde liegende Argument ist so einfach wie unbequem: Wenn sich ein einzelner Mieter weigert, ist es sein Problem; wenn Tausende es gleichzeitig tun, wird es zum Problem des Eigentümers und der Regierungen, die ihn unterstützen. Die Organisation, die Kritik mit dem Hinweis beantwortet, man werde „über das kollektive Delirium staunen“, warnt, dass der Sonntag nur der Auftakt sei.
Forderungen der Mietergewerkschaft von Madrid
Das Forderungspaket geht weit über den Preis hinaus. Sie verlangen eine allgemeine Senkung der Miet- und Kaufpreise, unbefristete Verträge für alle sowie ein Verbot von Ferien-, Saison- und Zimmervermietungen. Zudem fordern sie Steuern auf vermietete und leerstehende Wohnungen, auf SOCIMIS (spanische REITs), Fonds und Unternehmen, die sie als Spekulanten betrachten. Außerdem verlangen sie etwas, das im Widerspruch zum Markt steht: ein Bauverbot für neue Wohnungen, bis alle Leerstände besetzt sind, Sanktionen gegen Eigentümer unbewohnter Wohnungen und ein Verbot der Umwidmung von Grundstücken, auf denen bereits Baurecht besteht.
Im strafrechtlichen Bereich ist die Liste ebenso eindeutig: Entkriminalisierung der Hausbesetzung, gerichtliche Distanzierung bei der Besetzung leerstehender Wohnungen und Zerschlagung von Räumungsunternehmen. Zwangsräumungen dürften, so heißt es, „nicht ohne eine würdige Alternative“ vollzogen werden. Für den öffentlichen Wohnungsbestand fordern sie öffentliche Errichtung und Verwaltung, ein Verkaufsverbot sowie die Enteignung von Wohnungen aus Heuschrecken-Fonds. Die Forderung nach einem „Ende des spekulativen Kaufs“ deckt sich mit Vorschlägen der Parteien Podemos und Sumar.
Ist ein Mietstreik in Spanien legal?
Nein, zumindest nicht unter diesem Namen. Artikel 28 der spanischen Verfassung erkennt das Streikrecht ausschließlich aus arbeitsrechtlichen Gründen an, sodass ein massiver Zahlungsausfall nicht in diesen Rahmen passt. Experten warnen, dass daraus resultierende Konflikte vor Zivilgerichten ausgetragen würden, mit zwei vorhersehbaren Folgen: einer schweren Überlastung der Gerichte und Tausenden von Eigentümern in einem rechtlichen Schwebezustand, der Monate oder Jahre dauern kann.
Das Vorbild von 1931 in Barcelona
Auch der historische Vergleich lädt nicht zum Optimismus ein. Mit der Internationalen Ausstellung von 1929 verdoppelte Barcelona seine Bevölkerung und hatte ein enormes Wohnungsproblem, das durch eine Wirtschaftskrise verschärft wurde, die Arbeitslosigkeit und Inflation in die Höhe trieb. Am 7. Mai 1931, unterstützt von der CNT (Gewerkschaft Confederación Nacional del Trabajo), hörten Tausende von Familien aus Protest auf, Miete zu zahlen. Einige Quellen geben die Zahl der Streikenden mit bis zu 100.000 an. Sie endeten mit Zwangsräumungen durch die Cámara de la Propiedad (Eigentümervereinigung) und das Patronato de la Vivienda de Barcelona (Wohnungsamt).
90 % des Mietmarktes gehören Kleinvermietern
Hier liegt die Rechnung, die niemand bestreitet. Mehr als 90 % des spanischen Mietmarktes werden von Privatpersonen getragen, nicht von Fonds oder Großvermietern. Würde der Zahlungsstreik funktionieren, wären die Betroffenen nicht die Heuschrecken-Fonds auf den Plakaten, sondern private Vermieter. Und der Kontext hilft nicht: Das Verfahren zur Kündigung eines zahlungsunfähigen Mieters zieht sich über Jahre hin und wird, wenn der Mieter als schutzbedürftig eingestuft wird, durch das Anti-Räumungsdekret praktisch unmöglich. Das Recht auf Privateigentum würde ihrer Ansicht nach faktisch suspendiert.
Einige gehen noch weiter und schlagen vor, dass sich Eigentümer mit gemeinsamen Datenbanken von Kandidaten zusammenschließen, die datenschutzkonform auditiert werden.
Wer bestimmt den Mietpreis: Markt oder Vermieter?
Die zweite offene Front ist der Preis. Es wird argumentiert, der Markt sei kein externer Akteur, der jemanden zwingt, sondern die Summe individueller Entscheidungen, und jeder Vermieter setze die Miete auf das Maximum, das der Wettbewerb zulässt. Die Gegenreaktion ist sofort: Wenn das Angebot knapper wird, weil Bauen verboten, Boden teurer und Investoren bestraft werden, steigen die verbleibenden Preise, statt zu sinken. Jedes Mal, wenn eine solche Intervention angekündigt wurde, so das Argument, waren die Folge höhere Kautionen für Mieter und weniger verfügbare Wohnungen.
In der Mitte bleibt der Zugang. Es kursieren Berechnungen über das erforderliche Einkommen für eine Anmietung – in einem Forum-Beispiel 3.000 Euro Einkommen für eine Miete von 1.200 Euro – mit einer häufigen Erklärung: Trennt sich das Paar oder verliert einer den Job, schützt das Gesetz denjenigen mit niedrigem Einkommen, während der Vermieter keine Einnahmen hat und der Vertrag weiterläuft. Andere weisen auf den Mittelweg hin, weder 300 noch 1.200 Euro Miete, und darauf, dass es in einem so angespannten Markt keinen Mittelweg gibt.
Es bleibt abzuwarten, ob der 13. Oktober Madrid füllt und ob der Streik tatsächlich ausgerufen wird. Wenn das Modell funktioniert, wird jemand irgendwann eine Gewerkschaft der Stammgäste gründen, die zum Boykott von Bier und Tapas aufruft: dieselbe Argumentation, weniger Gerichte.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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