Wohnkosten belasten Spaniens Haushalte mit bis zu 40% des Einkommens
40% des Familieneinkommens für das Wohnen aufwenden. Diese Zahl stellt die Banco de España (spanische Zentralbank) für 1,5 Millionen Haushalte schwarz auf weiß fest und dominiert nach den Wahlen vom 23. Juli die Wirtschaftspresse, bei denen Staatspakte ausblieben. Was lange als Generationenklage galt – junge Menschen, die nicht ausziehen, Paare, die nur ein Kind behalten –, ist nun in den Bilanzen von Unternehmen angekommen, die Arbeitskräfte und Konsum benötigen. Die Last ist nicht mehr nur sozial, sondern buchhalterisch.
Die Wirtschaftspresse scheut keine Euphemismen: Der Wohnungsmarkt „vergiftet“ die spanische Wirtschaft und erklärt viele Produktivitätsprobleme. Die Liste der negativen Effekte ist lang und bekannt: Er spart weniger für die Rente, verzögert das Ausziehen, verdrängt Bildungsausgaben und hemmt die geografische Mobilität der Arbeitnehmer. Im Kern ist es dasselbe Problem, das die niedrige Geburtenrate nährt und das Gefühl erzeugt, das Leben werde auf Raten geplant.
40% des Einkommens und der Einbruch der Hypotheken
Zu den strukturellen Schwierigkeiten kommen steigende Zinsen und teurerer Kredit, was die Einstiegshürde für Wohneigentum weiter erhöht. Die Anzahl der abgeschlossenen Hypotheken bricht ein: im April um 18,3%, im Mai um 24%, laut den neuesten Daten des INE (nationales Statistikinstitut). Der Zeitplan drängt. Der vierteljährliche Wohnungsbericht von CaixaBank Research prognostiziert für 2024 den höchsten Preis seit der Finanzkrise, mit 3.000 Euro pro Quadratmeter, und sieht die Preisschere zwischen Küste und Binnenland auf dem höchsten Stand seit zehn Jahren, mit einer Differenz von 75%.
Gleichzeitig treibt ausländisches Kapital die Preise für touristische Wohnungen auf niveaus, die wie von einem anderen Planeten wirken, und Barkäufe steigen in den Hauptstädten sprunghaft an. Wohnraum kann ein Geschäft sein, aber auch ein Grundrecht. Das Problem entsteht, wenn er aufhört, sich wie ersteres zu verhalten, und anfängt, wie letzteres zuzubeißen.
Fehlt Wohnraum oder gibt es zu viel Geld?
Im Kern liegt ein alter Streit. Eine Strömung argumentiert rein über Angebot und Nachfrage: Seit 2008 leben 500.000 Menschen mehr in der Comunidad de Madrid (Autonome Region Madrid), ohne dass genug Häuser gebaut wurden, um sie aufzunehmen. Eine andere Analyse kontert, dass der Anteil leerstehender Wohnungen genau dort minimal sei, wo die Nachfrage am höchsten ist, und erinnert daran, dass die SAREB (die sogenannte Bad Bank, gegründet zur Abwicklung notleidender Immobilienkredite) nur die Reste der Reste erhielt: Wohnungen in Gebieten mit sehr geringer Nachfrage oder in Rechtsstreitigkeiten verwickelt, nicht in den Stadtzentren.
Der Diskurs hat seine Karikaturpunkte. Wenn die vorherrschende Diagnose Fonds und Eigentümer benennt, die Wohnungen ungenutzt lassen, lautet die unbequeme Frage, warum dann nicht der Bau von öffentlichem, subventioniertem Wohnraum unterstützt wird. Bauen ist langsam, teuer und politisch riskant. Regulieren ist kostenlos, bis es nicht mehr kostenlos ist.
Der Zensus verteilt leere Wohnungen auf der Landkarte
Der Wohnungs-Zensus von 2021, der erste, der nicht auf Umfragen basiert, sondern Stromverbrauch, Melderegister und Katasterdaten kreuzt, liefert Zahlen für die Karte. In Madrid-Stadt unter 5% Leerstand. In Barcelona zwischen 8 und 9%. Im ländlichen Galicien bis zu 55%. In den trockenen Steppenregionen zwischen 35% und 45%. Der Leerstand befindet sich vor allem dort, wo niemand leben will. Ein Forennutzer nennt die Zahl von 150.000 leeren Wohnungen allein in Madrid, was sich beim Blick auf die Karte relativiert.
Das erschwert die einfache Erzählung, es reiche aus, stehende Wohnungen zu mobilisieren. In angespannten Gebieten gibt es kaum Spielraum, und ein Großteil dessen, was auftaucht, sind Ferienwohnungen, kein freier Wohnraum, der auf Mieter wartet.
Von Steuern bis Enteignung: das Fächerwerk der Rezepte
Vorschläge stapeln sich und passen nicht zusammen. Manche fordern niedrigere Steuern für Projektentwicklung und Kauf, mit dem Argument, dass bis zur Hälfte des Wohnungspreises Abgaben an Gemeinden, Regionen und Staat gehen. Andere eskalieren: nichts für die Erstwohnung, Steuern für die zweite und maximaler Druck auf die dritte. Es fehlt auch nicht an Befürwortern steuerlicher Sanktionen für leere Wohnungen, eine Maßnahme, die laut einigen Forennutzern bereits in Katalonien, dem Baskenland oder Asturien angewendet oder vorbereitet wird, während andere Verwaltungen – darunter Madrid – deren Aktivierung nicht einmal erwägen.
Am Extrem stehen Enteignung und Sozialisierung des Wohnungsbestands. Dies ist die Linie, die einige als einzigen Ausweg sehen und die andere als Ankündigung eines anderen Landes lesen. Auch wird eine Überprüfung des Systems der Golden Visas für ausländische Immobilienkäufer gefordert, ein Anreiz, der in den Nachwehen der Krise geschaffen wurde und laut Artikel heute keinen Sinn mehr ergibt.
Wenn die Diagnose verdreht wird
Wie oft, wenn ein wirtschaftliches Problem chronisch wird, driftet die Diskussion ab. Ein Teil der Analyse endet damit, Immigration als Ursache der Verteuerung zu nennen, ein Argument, das wiederholt wird, ohne quantifiziert zu werden, und das gegen die Tatsache verstößt, dass der Leerstand außerhalb der Nachfragegebiete liegt. Ein anderer Teil fokussiert auf Bodenpolitik und Korruption bei öffentlichen Vergaben, mit dem Verdacht, dass mit den Mehrkosten großer Bauprojekte zehntausende öffentliche Wohnungen hätten errichtet werden können.
Ein Abschluss des Themas existiert nicht. Bei diesen Unterschieden sollte der Bau massiv sein, die Steuerordnung neu geordnet werden und öffentlicher Wohnraum aufhören, ein Wahlversprechen zu sein. Nichts davon bewegt sich so schnell wie das Problem. Und genau dort stockt die Analyse.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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