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Wasserknappheit in Katalonien und Ebro-Debatte
Ebro-Stauseen bei 90%, Sau bei 4%: Debatte über Umleitungen und Solidarität zwischen Regionen.
Kann eine autonome Region ohne Wasser dastehen, während der Rest des Ebro-Einzugsgebiets über üppige Reserven verfügt? In der Debatte werden Daten genannt, die auf eine unbequeme Paradoxie hinweisen. Nach den kursierenden Zahlen ist der Stausee Ribarroja, am Ebro vor dem Delta gelegen, zu 90% gefüllt, Mequinenza zu 78%. Am anderen Ende liegt der Sau-Stausee, der Barcelona versorgt, bei nur 4%, Susqueda bei 20%. Für manche Teilnehmer ist die Dürre kein Problem fehlenden Wassers in Spanien, sondern einer Frage der Verteilung und Nutzungsrechte.
Die Wasserlandkarte im Zentrum der Debatte
Der Vergleich zwischen Einzugsgebieten ist das meistgenannte Argument. Während die Speicher des Systems Ter-Llobregat, die Barcelona und sein Umland versorgen, kritische Pegelstände erreichen, halten die großen Talsperren des Ebro-Gebiets deutlich höhere Reserven bereit. Der Yesa-Stausee am Oberlauf des Ebro steht laut denselben Daten bei 90%. Manche schließen daraus, dass nicht Regenmangel das Problem sei, sondern Management und Infrastruktur.
Einige behaupten, Katalonien habe jahrelang Investitionen in Botschaften, öffentliche Fernsehsender und sprachpolitische Projekte Vorrang vor Wasserinfrastrukturen gegeben. Ein verbreiteter Rechenansatz ist drastisch: Es wird von 6 Millionen Katalanen gesprochen, denen das Wasser abgedreht wird, während Gelder anderswohin fließen. Die Entsalzungsanlage von Sagunto in der Comunidad Valenciana wurde zum Symbol dieses Widerspruchs: Eine valencianische Infrastruktur, die nach Ansicht dieser Stimmen letztlich Wasser nach Barcelona liefern könnte.
Der Schatten der Umleitung und der Wasserkrieg
Der Geist des Nationalen Hydrologischen Plans (Plan Hidrológico Nacional) schwebt über der gesamten Debatte. Im Jahr 2003 genehmigte die Regierung José María Aznar eine Ebro-Umleitung, die nie umgesetzt wurde. Mit Zapateros Machtübernahme im Jahr 2004 wurde die Aufhebung des PHN zum politischen Faustpfand. Convergència i Unió, damals in Katalonien an der Macht, hatte kein besonderes Interesse am Projekt gezeigt, doch die neue sozialistische Regierung kippte es binnen Tagen. Die Alternative waren Entsalzungsanlagen, die als endgültige Lösung präsentiert wurden.
Zwei Jahrzehnte später arbeiten diese Anlagen nur zu 15% ihrer Kapazität, obwohl sie 40% des Trinkwassers in Murcia liefern. Diese aus Medienberichten stammende Zahl nährt die These, die spanische Wasserpolitik bestehe aus Flickschusterei und Einfällen statt einem kohärenten Plan. Für manche ist die aktuelle Dürre keine klimatische Anomalie, sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen, die kurzfristigen Nutzen priorisierten.
Solidarität, Ausplünderung und die Rückkehr des Opferdiskurses
Das Argument der interterritorialen Solidarität hat zwei Seiten. Ein Teil der Analyse besagt: Müsste Katalonien Wasser an die Comunidad Valenciana oder Murcia liefern, würde die Zentralregierung diese Regionen wegen Verschwendung und Missmanagement kritisieren, während die Generalitat von Ausplünderung spräche und das Mantra wiederholte, Spanien beraube Katalonien. Da der Fluss umgekehrt verläuft, heißt es nun stillhalten und solidarisch sein. Die Asymmetrie der Erzählung ist für diese Strömung offensichtlich.
Am anderen Extrem vertreten einige die Auffassung, Hass gegen Katalonien sei verständlich, aber falsch, da viele Spanier in Katalonien unter den Folgen separatistischer Politik leiden. Die Unterscheidung zwischen Politikelite und Bevölkerung ist ein oft wiederholtes Detail. Nicht alle Katalanen sind Separatisten, und viele der Nicht-Separatisten schauen laut dieser Sicht weg, statt sich dem Nationalismus entgegenzustellen.
Von Cava bis Cacaolat: Katalog imaginativer Lösungen
Der Ton der Debatte driftet ins Groteske, wenn vermeintliche Beiträge aufgelistet werden. Die Rede ist von Tankerschiffen mit Kalimotxo aus Bilbao, vom Export von Pole, davon, dass Katalanen Cava oder Cacaolat trinken sollten, oder von Estelada-Tees. Die Dürre wird zum Running Gag, einer Methode, die territoriale Spannung zu verarbeiten. Hinter dem Witz steckt ein ernster Kern: Das Gefühl, dass das Wasserproblem nur ein Symptom eines tieferen politischen Konflikts ist.
Der häufigste Sarkasmus lautet, die Amnestie werde die Dürre beenden. Gescherzt wird, der ehemalige katalanische Präsident wirke aus seiner belgischen Residenz das Wunder der Vermehrung von Brot und Fischen – oder besser gesagt von Wolken und Stürmen. Schwarzer Humor über eine unbequeme Realität: Die katalanische Politik ist seit Jahren auf Konfrontation gepolt, während die Verwaltung grundlegender Bedürfnisse zur Nebensache gerät.
Was passiert, wenn es in Katalonien nicht regnet?
Die kurze Antwort: Die Einschränkungen werden verschärft. Die Stauseen Sau und Susqueda, die einen Großteil des Ballungsraums Barcelona versorgen, liegen auf Pegeln, die kaum noch Aufschub dulden. Entsalzungsanlagen können einen Teil der Nachfrage decken, doch ihre Kapazität ist begrenzt und ihr Energieverbrauch hoch. Die Alternative einer Umleitung vom Ebro bleibt im Gespräch, doch jede Regierung, die dies vorschlägt, stünde auf frontalere Opposition des Separatismus, der es als Ausplünderung brandmarken würde.
Die Paradoxie besteht darin, dass Wasser in manchen Gebieten im Überfluss vorhanden ist, in anderen fehlt. Das Ebro-Delta, namensgebend für den Konflikt, symbolisiert ein gestörtes Gleichgewicht. Die Talsperren von Ribarroja und Mequinenza könnten Barcelonas Durst stillen, doch dies erfordert eine politische Einigung, die heute unmöglich erscheint. Indessen fällt der Regen dort, wo er nicht gebraucht wird. Nicht absichtlich.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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