Was Spanier vom Auswandern abhält: Familie und Steuerlast

Steuerersparnis im Ausland, das Modell 720 und pflegebedürftige Eltern erklären, warum viele Spanier trotz Wunsch nicht emigrieren.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Was Spanier vom Auswandern abhält: Familie und Steuerlast
Auswandern aus Spanien: Mehr Gehalt, weniger Freunde und ein deprimierendes Klima

Es gibt eine Szene, die das Thema zusammenfasst. Ein Forennutzer erzählt von seiner Routine in Irland: Er arbeitet von 9 bis 18 Uhr, macht manchmal Überstunden, trainiert nachmittags Muay Thai und hat vor zwei Wochen das Rugby-WM-Finale mit seinen dortigen Freunden gesehen. Er isst dasselbe wie früher in Spanien. Er sei, sagt er, glücklicher als je zuvor. Die Frage ist daher nicht mehr, warum jemand so etwas tut, sondern warum es der Rest nicht tut. Und die Antwort hat drei Säulen: Familie, Geldbeutel und Sprache.

Diesem Bericht steht das Gegenteil gegenüber, und zwar nicht immer aus Bequemlichkeit. Wer in Spanien einen guten Job hat, ohne ständige Kontrolle durch Vorgesetzte oder Kollegen, mit einem anständigen Gehalt und Sparfähigkeit, findet keinen Grund, sich zu bewegen. Auch wer alte Eltern hat, bleibt. Ebenso wenig zieht es jemanden, der bereits ein bestimmtes Alter erreicht hat. Das Ergebnis ist eine unangenehme Widersprüchlichkeit, die das ganze Thema durchzieht: Es wird vorausgesetzt, dass es dem Land schlecht geht, und gleichzeitig werden sehr konkrete Gründe genannt, es nicht loszulassen.

Warum bleiben viele Menschen in Spanien, obwohl sie weg wollen?

Die Bremsen wiederholen sich mit fast mechanischer Beharrlichkeit. Alte Eltern, die niemand allein lassen will. Ein Alter, in dem man nicht mehr von vorne in einem anderen Land beginnen möchte. Eine Sprache, die ab einem bestimmten professionellen Niveau Kompetenzen erfordert, die man nicht einfach improvisieren kann. Und ein Netzwerk aus Freunden, Landschaften und Gewohnheiten, das sich mit fünfzig nicht neu aufbauen lässt. Auch das öffentliche Gesundheitssystem gehört zur Liste: Man hat jahrelang dafür bezahlt, und darauf zu verzichten, wiegt schwer.

Die ehrlichste Version dieser Bremse liefert derjenige, der die emotionale Bindung zugibt. Am Ende, egal wie schlecht es dem Land geht, hat man intensive Bindungen an das Familiäre, den Alltag und die Landschaft. Ein anderer beschreibt es unverblümt als toxische Beziehung: Er weiß, dass es ihm schadet, aber er geht nicht. Und es gibt eine dritte Gruppe, die nicht geht, weil sie nicht kann. Ohne festes Einkommen, ohne Remote-Arbeit und ohne Ausbildung, die auf einem anderen Markt zählt, ist der Umzug nur eine Traumvorstellung beim Mittagessen. „In meinem Alter werde ich nicht ins Ausland gehen, um Teller zu spülen“, fasst einer zusammen, der lieber bleibt, solange er etwas zu essen hat.

Die Rechnung des Finanzamts: 25% auf Kapitalerträge

Hier wird das Argument sentimentallos und wird zur Arithmetik. Die am häufigsten genannte Formel besteht darin, in Spanien zu leben, aber nicht in Spanien zu arbeiten: Einkünfte aus dem Ausland, Ersparnisse im Ausland, abbezahlte Immobilie und, wenn möglich, zwei Pässe. Das Hindernis taucht in fast allen Antworten auf: die Agencia Tributaria (spanisches Finanzamt).

Der konkrete Mechanismus ist die Pflicht, Vermögenswerte im Ausland schon bei geringen Beträgen anzumelden, das sogenannte Modell 720. Es wird argumentiert, dass die Besteuerung von Kapitalerträgen bei rund 25% liegt, und dass dieser Prozentsatz nur deshalb mild erscheint, weil Löhne viel höheren Sätzen unterliegen. Die rote Linie, die einige ziehen, ist klar: Wenn die steuerliche Ersparnis durch das Leben im Ausland 12.000 Euro pro Jahr übersteigt, lohnt es sich laut der Berechnung eines Teilnehmers, da eine Mietwohnung in einem anderen Land etwa 1.000 Euro pro Monat kosten würde. Unterhalb dieses Betrags gewinnt das Bleiben. Die vollständige Aufschlüsselung dieser Rechnung, Posten für Posten, ist das, was viele davon abhält, sich zu bewegen.

Manche gehen noch weiter und prahlen damit, ihr Vermögen auf mehrere Länder verteilt zu haben, und dass, falls jemand versuchte, es anzutasten, die Behörden dieser Orte nicht kooperieren würden. Der Satz klingt nach steuerlicher Angeberei, spiegelt aber etwas Tiefergehendes wider: das Gefühl rechtlicher Unsicherheit und das Misstrauen gegenüber dem eigenen Fiskus, die dazu drängen, Geld ins Ausland zu verlagern, bevor man selbst umzieht.

Irland, Schweiz, Thailand oder Indonesien: Die wiederkehrenden Ziele

Die in der Diskussion genannten Länder sind vielfältig. Irland taucht mit dem Bericht eines Nutzers über seine Arbeit dort auf. Die Schweiz, Thailand, Indonesien, Malaysia oder die Philippinen klingen als Alternativen, ohne dass ihre Gründe detailliert werden. Als Spiegelbild dient der Fall Venezuela: Ein Venezolaner, der Berichten zufolge seine Immobilien verkaufte und sein Geld in den ersten Jahren unter Chávez in die USA brachte, als die Wirtschaft noch gut lief. Als die Lage sich verschlechterte, war er bereits draußen. Dieses Modell möchten viele replizieren, ohne hier wegzugehen.

Das Gegenstück liefert derjenige, der eine Person begleitet, die seit dreizehn Jahren in Deutschland lebt, und warnt, dass die Sprache nie ganz domestiziert wird und man immer der Letzte in der Reihe bleibt. Die Bevorzugung, die in Spanien Neuankömmlingen zuteil wird, wiederholt sich nicht, wenn der Ankömmling ein Spanier im Gastland ist.

Klima, Gesundheit und Entwurzelung: Das Kleingedruckte der Emigration

Das Klima ist der am meisten diskutierte und aufschlussreichste Punkt. Irland habe, sagen manche, ein depressives, graues und tristes Klima, und dort zu leben sei eine Strafe für jeden, der Sonne braucht. Wer dort lebt, antwortet, dass es ihm gefällt. Hinter diesem Streit steckt ein größeres Problem: die Entwurzelung. Im Gastland ist man immer Bürger zweiter Klasse, mit wenigen eigenen Freunden und einem Leben, das nie richtig Fuß fasst.

Die Gesundheit spielt in die andere Richtung. Für jemanden mit chronischen Gesundheitsproblemen ist die Entfernung vom öffentlichen Gesundheitssystem keine Option, und das wiegt schwerer als jeder Gehaltsunterschied. Das Ergebnis ist, dass die Entscheidung zur Emigration praktisch dann getroffen wird, wenn Jugend, geeignete Ausbildung und Leichtigkeit bei der Knüpfung neuer Freundschaften zusammenkommen. Fehlt eines dieser Elemente, kippt die Waage zum Bleiben.

Öffentlicher Dienst, Renten und wer gut lebt, ohne sich zu bewegen

An diesem Punkt entwickelt sich die Diskussion in eine Klassenschelte. Einige behaupten, dass Arbeitnehmer im Privatsektor viel schlechter dran seien als die Noblesse der Beamten, Rentner und Politiker, und dass das Wohlfahrtssystem zu einem Netz geworden ist, das einige schützt und andere erstickt. Kritisiert wird, dass Arbeitslosengeld als Recht empfunden wird und dass kostenlose Gesundheitsversorgung Wartelisten von Monaten oder Jahren für geplante Tests und Operationen verbirgt.

Es gibt keinen Konsens. Gegen diese Lesart verteidigen andere, dass der spanische Lebensstandard, mit abbezahlter Wohnung, naher Familie und einem anständigen Gehalt, im Ausland schwer zu erreichen ist, auch wenn man brutto mehr verdient. Im Grunde geht die Diskussion nicht ums Geld: Sie geht darum, was man als gutes Leben definiert.

Angst vor der Zukunft und die Überalterung des Landes

Der letzte Fokus ist die Zukunft. Ein alterndes Land mit Mangel an generationellem Nachwuchs ist für viele das endgültige Argument zum Weggehen. Auch die Geschwindigkeit der Zuwanderung und ihre Auswirkungen auf öffentliche Dienste und den Arbeitsmarkt werden erwähnt, ein Thema, das eher in Begriffen sozialer Spannung als Daten diskutiert wird. Und es gibt eine Strömung, die jede Flucht ablehnt: Wer sagt, dass Spanien seine Nation ist, über seinem Geld steht, und bleibt, um bis zum Schluss zu kämpfen.

Mit all dem auf dem Tisch ist die Zahl, die verwirrt, eine andere. Mitten in der Diskussion über die Flucht aus dem Land weist jemand darauf hin, dass 30 Grad am 15. November ungewöhnlich sind. Wenn das Klima das letzte Argument zum Bleiben war, hilft auch das nicht.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (178 Antworten).

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