Münzen zum Nennwert kaufen: Das europäische Fenster schließt sich
Der Kalender bestimmt das Tempo. Am 3. Oktober beginnt die Reservierungsphase für die französische 200-Euro-Goldmünze, und am 5. Dezember geht sie an die Käufer über. Es handelt sich um 4 Gramm Feingold (Legierung 999), eine Auflage von 50.000 Stück und einen Preis, der buchstäblich ihrem Nennwert entspricht: 200 Euro. Wer zu spät auf der Website der Monnaie de Paris ist, zahlt etwa 250 Euro für dasselbe Stück beim französischen Numismatiker. Die Münze ist identisch. Der Aufpreis auch.
Die These hinter dieser Strategie ist einfach und wiederholt sich von Land zu Land: Der Nennwert geht nie verloren — eine Bank erstattet die 200 Euro —, das Metall deckt den Preis ab, und mit der Zeit kann ein numismatischer Aufschlag entstehen, falls Teile der Ausgabe eingeschmolzen werden. Das Auswahlkriterium ist reine Berechnung: maximale Gramm Silber oder Gold pro Euro Nennwert. Und hier spielt jedes Land in einer anderen Liga.
Was sind Münzen zum Nennwert und warum kauft man sie?
Es sind gesetzliche Zahlungsmittel mit hohem Nennwert und Edelmetallgehalt, ausgegeben von nationalen Prägestätten und theoretisch zum aufgedruckten Preis verkauft. Diese Kombination bietet drei Schichten: der Nennwert als Boden; das Metall als Deckung; und der numismatische Wert als langfristige Wette. Auf dem Papier kann die Investition nicht weniger wert sein als ihr Anschaffungspreis.
Der Trick besteht darin, keinen Aufpreis zu zahlen. Den Kauf dieser Stücke über dem Nennwert macht das Modell kaputt: Der Boden verschwindet, und es bleibt nur die Exposition gegenüber dem Metallpreis. Daher dreht sich die gesamte Operation darum, den Nennwert zu jagen, sei es in einer Filiale der Zentralbank, in einem Postamt oder auf der Website der Prägestätte, und immer am ersten Tag.
Es empfiehlt sich, eine Obergrenze für die Position festzulegen. Der Ansatz selbst geht davon aus, dass sie nicht mehr als 10 % des Kapitals eines Anlegers ausmachen sollte, und vergleicht sie mit anderen rentableren, aber riskanteren Anlagen: Hochzinskonten, Ölaktien, die bei Kursrückgängen gekauft wurden, oder eigene Unternehmen. Dies dient nicht dazu, Geld zu verdienen. Sondern dazu, es nicht zu verlieren.
Spaniens „Karlillo“: 16,5 Gramm Silber für 12 Euro
Das spanische Stück ist am leichtesten zu bekommen und daher am häufigsten zitiert. Gemeint ist die 12-Euro-Silbermünze, Legierung 0,925, 18 Gramm Gewicht und 16,5 Gramm reines Metall, mit einem Durchmesser von 33 Millimetern. Sie wurde zwischen 2002 und 2010 geprägt und ist noch zum Nennwert in Filialen des Banco de España und bei Institutionen erhältlich, die Bestände halten.
Sammler nennen sie Karlillos, und die Ausgabe von 2004 zur königlichen Hochzeit Letizias. Katalogmäßig sind gerade die von 2002 und diese von 2004 am begehrtesten, obwohl die hohen Auflagen den numismatischen Aspekt heute eher zur Hypothese als zur Tatsache machen. Sie werden in Plastikstreifen verteilt, und es gibt ein Format von 500 Münzen im Karton mit Echtheitszertifikat.
Das Problem ist die Nachfolge. Spätere Ausgaben wechselten zu 20 Euro, was das Verhältnis von Metall pro Euro bricht und die aktuellen zu einem sich schließenden Fenster macht. Die wiederkehrende Kritik an der spanischen Prägestätte zielt in eine andere Richtung: Man wirft ihr vor, ihre Kapazität nicht zu nutzen, um Gold zum Nennwert abzusetzen, während die WM-Jubiläumsmünzen — kaum ein Gramm schwer — noch ein Jahr später verfügbar waren.
Die französische 200-Euro-Goldmünze und das Rennen um die Reservierung
Frankreich ist der vollständigste und schwierigste Markt. Es gibt Silber in 5, 10, 15, 25 und 50 Euro sowie Gold in 250, 500, 1.000 und 200 Euro. Die 1.000-Euro-Münze mit nur 10.000 Stück war online in zwei Stunden ausverkauft und in drei Tagen in der Zentrale der Monnaie: Keine Reservierung über die Post möglich. Das Fest wiederholt sich bei jeder Ausgabe.
Für die 200-Euro-Münze läuft die Reservierung vom 3. bis 22. Oktober, die physische Auslieferung erfolgt im Dezember. Nicht jedes Amt funktioniert: Es gibt eine Liste zugelassener La-Poste-Filialen mit Kontingenten pro Zweigstelle, und der wiederholte Rat lautet, am ersten Tag früh morgens hinzugehen. Auch der Online-Weg — mit steigenden Versandkosten — und der persönliche Besuch bei der Monnaie de Paris sind möglich.
Die Frage, die niemand klärt, betrifft den Metallpreis. Bei 4 Gramm für 200 Euro ergibt sich ein Grammpreis von 50 Euro, was manche nach dem Silber-Crash als extrem teuer empfinden. Die Gegenreaktion ist deutlich: Steigt Gold, gewinnt man; fällt es, bringt man die Münze zur Bank zurück und erhält die 200 Euro. Diese Erstattungsoption ist eigentlich das ganze Produkt.
Die Niederlande wechseln zu versilbertem Kupfer
Eine Zeit lang waren die niederländischen 5- und 10-Euro-Silbermünzen das perfekte Beispiel: Sie wurden zum Nennwert in Postämtern verkauft, jede in einer starren Karte gekapselt, mit sehr sorgfältigem Design. Die 5-Euro-Münze war effizienter als die 10-Euro-Münze in Gramm pro Euro. Um Volumen zu bekommen, musste man das Netz der Amsterdamer Postfilialen mit dem Fahrrad abklappern.
Der Hahn ist zugedreht. Neue Ausgaben bestehen aus versilbertem Kupfer, verlieren also den Status als Silbermünze, der den Kauf rechtfertigte. Die Nachricht, bestätigt durch Datenprüfung, lässt die niederländische Münze als Erinnerung an eine erschöpfte Chance und verstärkt ein unangenehmes Misstrauen: In Spanien hält sich Silber zum Nennwert, aber nichts garantiert, dass es so bleibt.
Schwierigkeit nach Land und Kanäle, um nur den Nennwert zu zahlen
Die Schwierigkeitskarte ordnet das Terrain klar: die portugiesische 10-Euro-Münze ist sehr leicht, der spanische Karlillo ist leicht, die niederländische und deutsche sind schwierig und die französische ist sehr schwierig. Portugal punktet mit seiner 10-Euro-Silbermünze durch den relativen Gehalt; in den Niederlanden übertraf die 5-Euro-Münze die 10-Euro-Münze; in Deutschland ist die Referenz die 10-Euro-Münze.
Die Kanäle sind wichtiger als das Land. In Spanien: Schalter der Zentralbank und kooperierende Institute. In Frankreich: gelistete Postfilialen mit Kontingenten, Website der Monnaie und Pariser Zentrale. In den Niederlanden: Postämter. In allen Fällen gilt dieselbe Regel: Tag eins, früh morgens, denn die Kontingente sind schnell weg.
Bleibt die Flanke, die niemand gelöst hat. Wenn der Nennwert der Boden und das Metall die Deckung ist, warum zahlt der Markt dann 250 Euro für eine 200-Euro-Münze? Die ehrlichste Antwort ist, dass der Boden nur für jene funktioniert, die zum Nennwert kauften. Für alle anderen ist es eine Goldmünze mit Aufpreis. Und genau dort stockt das Argument.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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