Warum Silberverkäufer in Foren Euro verlangen

Silberverkäufer auf Investitionsforen fordern Euro, was ein Geschäftsmodell aus Großhandel und Wiederverkaufsmargen statt reiner Wertaufbewahrung offenbart.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Warum Silberverkäufer in Foren Euro verlangen
Wer Silber in einem Investitionsforum verkauft, gibt sein Gold nicht her: er tauscht es gegen Papier

Es gibt eine Szene, die sich jedes Mal wiederholt, wenn jemand Silbermünzen in einem spanischen Investitionsforum zum Verkauf stellt. Der Verkäufer behauptet, dass Metall der einzige echte sichere Hafen sei, dass Banknoten wertloses Papier ohne Deckung seien und das Finanzsystem zusammenbreche. Und dann verlangt er Euro als Gegenleistung für seine Unzen. Der Widerspruch entgeht niemandem: Wenn Gold und Silber das Einzige sind, was Wert behält, warum trennt man sich gerade jetzt davon?

Die Frage, mit mehr oder weniger Ironie formuliert, zieht sich durch einen großen Teil einer jahrelangen Diskussion. Und die Antwort der Verkäufer selbst hat weniger Mystik und mehr Logistik: Sie kaufen im Großhandel, verhandeln bessere Preise und verkaufen mit einer engen Marge weiter. Es ist derselbe Mechanismus, den ein Supermarkt bei Joghurt nutzt. Ob das Argument überzeugt, ist eine andere Sache.

Woher beziehen Silberverkäufer ihre Ware?

Der konkreteste Hinweis erscheint früh: Die Calle Toledo in Madrid. Dort, so heißt es in einer Nachricht, deckt sich mehr als ein Forum-Verkäufer ein. Dieselbe Nachricht weist auf ein Geschäft hin, das Schmuck, Münzen, Barren, Diamanten und Ringe führt, und endet mit einer eindeutigen Empfehlung: Es gibt tausend Orte, wo man Silber günstiger als im Forum kaufen kann, ohne Versandkosten und sofort mit der Münze in der Hand.

Das Detail ist nicht geringfügig. Wenn das Geschäft darin besteht, zu vermitteln, kommt die Marge aus der Differenz zwischen dem Preis der Unze im Großhandel oder im Laden und dem Betrag, den ein Privatkäufer für Bequemlichkeit, Vertrauen oder einfache Unwissenheit zu zahlen bereit ist. In diesem Schema zahlt der Aufpreis nicht das Metall: Er zahlt den Zugang.

Die Verkäufer geben dies ohne Scham zu, wenn man sie drängt. Einer erklärt, dass er, wenn er statt zwei Münzen zwanzig kauft – achtzehn für andere Käufer –, bessere Preise für alle verhandeln kann. Er fügt hinzu, dass er andere Münzen als Zahlung akzeptiert, unter Anwendung eines angepassten Bid-Ask-Spreads. Das heißt: Das Geschäft ist nicht Horten, sondern Umschlag.

Gold, das nicht verkauft wird, und Geld, das akzeptiert wird

Die Paradoxie schärft sich, wenn man fragt, warum jene, die Fiat-Geld verachten, es als Gegenleistung akzeptieren. Die häufigste Antwort lautet, dass Gold schon immer gegen Papier getauscht werden konnte, während der umgekehrte Weg in Zukunft gesperrt werden könnte. Es ist ein defensives Argument, aufgebaut auf einer Bedingung, und wird von der anderen Seite kritisiert: „vielleicht, möglicherweise, eventuell, wer weiß, es ist möglich, es besteht die Möglichkeit.“

Der unbequemeste Gegenschlag kommt nicht aus der Makroökonomie, sondern aus dem Alltag. Wenn morgen ein Verwandter eine Behandlung in einer privaten Klinik braucht, dient Gold nicht zur Bezahlung: Man muss es verkaufen und Euro erhalten. Das ist der Punkt, der am meisten wehtut, denn er verwandelt Geldtheorie in eine konkrete Rechnung.

Die Verteidigung des Metalls stützt sich auf eine andere Idee: Sein Wert hängt nicht von Mode ab, sondern von physikalischen Eigenschaften und Tausenden von Jahren Nutzung als Referenz für den Austausch in sehr unterschiedlichen Gesellschaften. Kunst und Mode hingegen sind temporär. Das angeführte Gegenbeispiel ist ein Maler, der zu Lebzeiten kein Bild verkaufte und dessen Leinwände heute Berge von Gold wert wären. Die Antwort lautet, dass genau dies zeigt, dass Wert relativ ist und sich ändern kann.

Gibt es genug Gold, um die Arbeit aller zu bezahlen?

Hier wird die Debatte interessanter als der Streit. Wenn Fiat-Geld nicht dient, um Arbeit zu belohnen, tut es Gold dann? Und wenn ja, gibt es genug davon? Die in der Konversation gehandhabte Berechnung ist frappierend: Die aktuellen Reserven werden auf etwa 4,6 Milliarden Unzen geschätzt, ohne das noch zu fördernde Material. Verteilt auf die gesamte Bevölkerung ergibt das weniger als eine Unze pro Kopf.

Mit diesen Zahlen würde ein reiner Goldstandard winzige Münzen und ernsthafte Liquiditätsprobleme bedeuten. Daher verteidigen einige, dass die Referenz nicht unbedingt Gold sein muss: Es könnte jeder Index sein, der in realem Wert messbar ist, vorausgesetzt, es ist kein Metall, das in einigen Gebieten häufig und in anderen knapp ist – denn dann würde, wer den Bergbau kontrolliert, den Preis von allem kontrollieren – noch etwas, dessen Qualität schwer zu standardisieren ist.

Die Diskussion driftet dann zum Tauschhandel und primitiven Gesellschaften. Es wird behauptet, dass direkter Austausch in einer Wirtschaft wie der heutigen unmöglich ist, egal welches Kollapsszenario man sich vorstellt, und dass immer eine Referenznorm nötig war. Die Schlussfolgerung, unbequem für beide Seiten, ist, dass bisher niemand gelöst hat, was genau die Banknoten ersetzt, wenn diese versagen.

Krugerrands ausverkauft und Aufpreise im Handel

Der irdischste Teil der Angelegenheit betrifft die Preise. Ein Käufer erzählt von einer Runde Anrufe: Es sind keine Krugerrands verfügbar und man weiß nicht, wann sie eintreffen; auch keine Barren, und wenn angefragt, wird ein höherer Aufpreis ohne klare Erklärung angewandt. Als Referenz wurden fünfzig mexikanische Goldpesos für 900 Euro angeboten, gegenüber 872 in Belgien.

Diese Differenz von 28 Euro pro Stück ist genau die Art von Daten, die erklären, warum ein Sekundärmarkt zwischen Privatpersonen existiert. Wenn das Produkt im Einzelhandel knapp ist, kann der Vermittler, der bereits Lagerbestand hat, Bedingungen festlegen. Die Frage ist, ob diese Bedingungen besser oder schlechter sind als die eines Ladengeschäfts in Madrid oder eines ausländischen Lieferanten.

Dagegen funktioniert die These des Käufers, der nur Metall mit Geld erwirbt, das er nicht braucht, als Gegengewicht: Denkauf von Metallen ist wie eine Lebensversicherung. Man zahlt eine jährliche Prämie für Seelenfrieden, nicht für Rentabilität. Unter dieser Perspektive hört der Aufpreis des Vermittlers auf, Missbrauch zu sein, und wird zum Kostenfaktor für den Zugang zu einem Produkt, das in bestimmten Formaten im offiziellen Kanal nicht verfügbar ist.

Zyklen, Immobilien und der Zeitpunkt zum Verkaufen

Die Konversation blickt auch auf den Kalender. Zyklen werden verglichen: der Immobilienzyklus um neun Jahre, der Aktienmarkt vier, Edelmetalle zwanzig, mit Anstiegen, die mindestens sechs weitere Jahre dauern und drei bullischen Wellen haben. Die ausgesprochene Empfehlung ist, zwischen 2014 und 2017 zu verkaufen, oder wenn ein wilder vertikaler Anstieg erscheint.

Das auf den Tisch gelegte Beispiel ist das von Eltern, die 1973 eine Villa mit 280 Quadratmetern Wohnfläche und 800 Quadratmetern Grundstück für 16 Millionen Peseten kauften. Vor dem Platzen der Immobilienblase wurde dieselbe Villa für 1,2 Millionen Euro verkauft, etwa 200 Millionen Peseten. Die Frage ist, was besser gewesen wäre: Immobilien oder die Anlage jener 16 Millionen Peseten in Gold.

Die in der Konversation gegebene Antwort ist nicht schlüssig, und genau das ist der Punkt. Gut kaufen ist schwierig; besser verkaufen noch schwieriger. Wer mit dem Immobilienzyklus, dem Aktienmarkt und Metallen richtig liegt, muss nicht über Papier diskutieren: Er zählt bereits das Geld. Das Problem ist, dass niemand weiß, wann jeder Zyklus beginnt oder endet, bis er abgeschlossen ist.



Bleibt die verwirrende Tatsache. In einer jahrelangen Diskussion über den einzigen echten sicheren Hafen ist der einzige Preis, der mit Namen und Vornamen auftaucht, der eines Geschäfts in der Calle Toledo, ein Aufpreis von 28 Euro pro Münze und eine Berechnung der Weltreserven, die weniger als eine Unze pro Person lässt. Der Rest ist Glaube. Und Glaube ist, wie der Wert von Gold, rein psychologisch.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (113 Antworten).

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