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Warum Rom kein heiliges Buch auf Latein hinterließ
Keine große Religion entstand mit einem Text auf Latein. Die römische Religion war bürgerlich, nicht missionarisch. Und das Lateinische veränderte sich viel zu schnell.
Kein Latein, keine Propheten, keine Hölle: Die Religion Roms
Warum hinterließ Rom, das Reich, das alles aufschrieb —Gesetze, Abhandlungen, Grabinschriften—, kein heiliges Buch auf Latein? Die Frage hat es in sich: Keine der großen transzendenten Religionen entstand mit einem Gründungstext in dieser Sprache. Die Bibel wurde auf Hebräisch, Griechisch und Aramäisch geschrieben; der Koran auf Arabisch; das Avesta auf Altpersisch; die Veden auf Sanskrit; der Tripitaka-Kanon auf Pali; das Tao Te Ching auf Altchinesisch. Rom: nichts.
Ein Reich, das sich nicht rechtfertigen musste
Die häufigste Erklärung ist prosaisch: Die römische Religion war bürgerlich, nicht missionarisch. Sie suchte keine Bekehrten, nur öffentliche Pflichterfüllung. Jeder betete zu Hause, zu wem er wollte, solange er den Gesetzen Roms gehorchte. Ohne Proselytismus besteht keine Notwendigkeit für Wunder, irdische Propheten oder ewige Strafen, um Gläubige anzuziehen. Wer nicht überzeugt, schreibt nicht.
Das heißt nicht, dass sie die Religion nicht als Werkzeug nutzten. Die Götter der unterworfenen Völker in den eigenen Pantheon zu integrieren war ein Mittel der Assimilation: „Eure Götter sind unsere Götter." Den Druiden erging es schlechter, als sie an die Macht rührten. Aber ein Buch brauchten sie nie.
Das Lateinische veränderte sich viel zu schnell
Es gibt noch eine andere Erklärung, sprachlicher und weniger schmeichelhaft: Die Römer zur Zeit Ciceros verstanden das Latein von zweihundert Jahren zuvor kaum; das von vor fünfhundert Jahren klang für sie wie eine andere Sprache. Ein kanonischer religiöser Text wäre veraltet, und mit ihm der Glaube, der darauf beruhte. In Griechenland geschah das nicht: Homer und Hesiod wurden etwa sechs Jahrhunderte vor Cicero als universelle Klassiker festgeschrieben und schufen einen gemeinsamen Maßstab. Rom hatte diesen Anker nie.
Das Nächste daran waren die Sibyllinischen Bücher, Orakel auf Griechisch, die für Staatsnotfälle aufbewahrt wurden. Doch sie waren kein Gründungstext, sondern ein Krisenrechner. Rom schrieb kein heiliges Buch, weil es keines brauchte. Es zog die Gesetze vor. Und vor allem hatte es Wichtigeres zu tun. Bis ein heiliges Buch, diesmal auf Latein, dem Reich ein Ende setzte.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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