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Sehen Italiener Spanier so, wie Spanier Portugiesen sehen?
Die These, Italien betrachte uns so wie wir Portugal, scheitert an der Gleichgültigkeit: Der Blick zwischen den europäischen Nachbarn ist nicht symmetrisch.
Italien sieht uns nicht so, wie wir Portugal sehen
Die Symmetrie existiert nicht. Das ist die zwingende Schlussfolgerung, wenn man die Beziehung Spanien-Portugal mit der Spanien-Italien vergleicht – und nicht, weil Spanier beim Urteil über andere besonders großzügig wären: Die Achse der Herablassung verläuft einfach nicht in dieselbe Richtung. Die Ausgangsthese – dass Italien uns so sieht, wie wir Portugal sehen – stützt sich auf vier Säulen: die größere Nord-Süd-Ausdehnung Italiens, seine größere genetische Vielfalt, seine Zugehörigkeit zum europäischen Wirtschaftskern und die koloniale Vermischung. Auf dem Papier klingt das stimmig. In der Praxis zerbricht es an der Gleichgültigkeit.
Die Nord-Süd-Achse allein erklärt den Blick nicht
Das geografische Argument hat seine Logik: Italien erstreckt sich weiter von Nord nach Süd als Spanien, Spanien weiter als Portugal. Daraus folgt, dass ein Mailänder einen Sizilianer mit derselben Distanz betrachtet wie ein Madrilene einen Portugiesen. Aber die Geografie erklärt den Blick nicht allein. Italien ist ein Land von weniger als 150 Jahren, und jahrhundertelang stand ein großer Teil seines Territoriums im spanischen Einflussbereich: Sizilien, Neapel, Mailand. Diese gemeinsame Vergangenheit wiegt mehr als jeder Breitengrad. Ein Italiener sieht in einem Spanier nicht den ärmeren Nachbarn, sondern einen Ebenbürtigen, mit dem er um die Kontrolle des Mittelmeers rang.
Genetik und Phänotyp: das schwächste Argument
Die Vorstellung, Italiener würden bei Spaniern wegen der kolonialen Vermischung nicht-europäische Spuren wahrnehmen, hält den verfügbaren Daten nicht stand. Es gibt keinen Beleg dafür, dass sich der spanische Genpool nach fünf Jahrhunderten des Hin und Her mit Amerika wesentlich verändert hat. Und Süditalien weist eine ausgeprägtere genetische Durchmischung auf als jede spanische Region. Der Phänotyp ist zudem ein schlechter Indikator: In beiden Ländern leben Blonde mit hellen Augen und Menschen mit dunklen mediterranen Zügen in ähnlichen Anteilen zusammen. Ein Schwede kann einen Spanier und einen Italiener auf den ersten Blick nicht unterscheiden.
BIP und die Blaue Banane: Italien spielt in einer anderen Liga
Die dritte Säule ist die wirtschaftliche. Italien gehört zum industriellen Kern Europas; Spanien nicht. Dieser Unterschied ist real und erklärt einen Teil der Herablassung. Aber er erklärt auch das Gegenteil: Italien muss nicht auf Spanien herabblicken, um sich überlegen zu fühlen, denn das tut es mit allen. Das italienische Ego hat seinesgleichen nicht und wird mit transalpinem Schmeicheln übertüncht. Es ist kein Blick, der sich speziell gegen Spanien richtet; es ist eine allgemeine Haltung gegenüber der Welt.
Die Gleichgültigkeit als Antwort
Die meistgeäußerte Schlussfolgerung lautet, dass wir Spanier nicht mit Verachtung auf die Portugiesen blicken, sondern mit Gleichgültigkeit. Wir leben dem Nachbarland mit dem Rücken zu. Und diese Gleichgültigkeit entspricht nicht der italienischen Herablassung, die durchaus aktiv ist. Italien betrachtet uns mit Überlegenheit, weil es sich eine Stufe über uns glaubt; Spanien schaut nach Portugal, ohne hinzusehen. Die Symmetrie existiert schlicht nicht.
Was, wenn der Spiegel nicht Portugal wäre, sondern Frankreich? Dort gibt es tatsächlich echte Herablassung, geerbt von den Klischees des 19. Jahrhunderts und einer Rivalität, die bis heute nachwirkt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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