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Warum Mexiko um Entschuldigung bitten sollte: Die Debatte, die spaltet
Alexander von Humboldt warnte schon, dass der Reichtum von Neuspanien nur der Oligarchie zugutekam. Die Debatte über eine Entschuldigung an Spanien öffnet alte Wunden und Daten.
Mexiko vor dem Spiegel: Erbe eines Imperiums oder Opfer der eigenen Misswirtschaft?
Die Bitte um Entschuldigung an Spanien wegen der Eroberung hat eine Debatte wiedereröffnet, die statt abzuschließen immer neue Facetten gewinnt. Eine der meistzitierten Stimmen jenseits des Atlantiks ist die von Alexander von Humboldt, der Neuspanien zu Beginn des 19. Jahrhunderts besuchte. In seinem "Politischen Essay über das Königreich Neuspanien" stellte der deutsche Gelehrte fest, dass das Gebiet zwar überaus reich war, aber nur für seine oligarchische Kreolenkaste. Die spanischen Verwalter, so Humboldt, versuchten, die Missbräuche dieser lokalen Oligarchie einzudämmen, was ihnen jedoch nicht immer gelang. Zweihundert Jahre später hallen diese Worte noch immer nach.
Der Reichtum, der verloren ging
Manche behaupten, Neuspanien sei das Juwel der Krone gewesen, das wohlhabendste Gebiet seiner Zeit, und Mexiko habe dieses Erbe nach der Unabhängigkeit 1821 verschwendet. Das Argument ist nicht gering zu schätzen: Während England die industrielle Revolution begann, hing das Vizekönigreich vom extraktiven Bergbau ab. Auch der Vergleich mit Rom kommt auf: "Die Eroberung Mexikos ist, als wäre Rom bis nach Schwarzafrika vorgedrungen – eine Verschwendung von Mühe", heißt es. Andere erinnern jedoch daran, dass Rom Gold und Elfenbein holte, ohne die Völker romanisieren zu müssen; man hätte mit den Azteken handeln können. War die Eroberung nötig? Die Frage bleibt offen.
Der Preis eines Imperiums
Spanien steckte seine Ressourcen in Amerika. Sogar so sehr, dass die erste Eisenbahn in Kuba und nicht auf der Halbinsel gebaut wurde. Die Krise von 1898, mit dem Verlust der letzten Kolonien, hinterließ eine identitäre Wunde, die die Briten nach 1945 nicht in gleicher Intensität erlebten. Während Frankreich sein Imperium rein extraktiv ausbeutete, schuf Spanien eine Zivilisation mit Städten, Universitäten und Mestizaje. Doch dieser Einsatz hatte auch eine dunkle Seite. Einige Analysten weisen darauf hin, dass das moderne Mexiko keine Rückeroberung durch die Mexica ist, sondern eine Schöpfung spanischer Kreolen, die sich von der Krone lossagten, gerade nachdem sie einen Krieg gegen die Unabhängigkeitsrebellen gewonnen hatten. Die Missbräuche der Eroberung, so heißt es, lasten eher auf den Vorfahren derer, die heute Mexiko regieren, als auf denen der heutigen Spanier.
Das Labyrinth der Identität
Die Debatte verwirrt sich, wenn es um die Nation geht. Mexiko erlangte seine Unabhängigkeit, indem es die napoleonische Invasion Spaniens ausnutzte, und seine Helden – Hidalgo, Morelos, Iturbide – kämpften gegen die Royalisten. Gleichzeitig wird argumentiert, das Nationalbewusstsein sei schwach gewesen. Erwähnt wird die US-Intervention von 1847, als 100.000 Soldaten über Veracruz einrückten und der Widerstand improvisiert war, trotz Helden wie den Niños Héroes (den "Heldenjungen", die bei der Verteidigung der Militärakademie starben). Die unbequeme Frage: Warum führte die Zivilbevölkerung keinen Guerillakrieg? Die Antwort liegt für manche im fehlenden Fundament einer geeinten nationalen Identität.
Auch der Kontrast zum angelsächsischen Modell wird bemüht. Während in den USA die Ureinwohner massakriert und in Reservate gesperrt wurden, gab es in Mexiko Mestizaje. Doch die heutige Politik, die Azteken als Gründerväter der Nation zu verherrlichen, ist nach Auffassung einer Strömung ein historischer Irrtum: Mexiko ist der direkte Erbe des Vizekönigreichs Neuspanien, nicht der präkolumbischen Völker. "Der ganze geistige Durchfall gegen Spanien ist die desaströse politische Bewältigung des eigenen, längst unabhängigen Landes", so das Argument.
Eine Zahl, die ins Wanken bringt
Humboldt hielt auch fest, dass Bergleute in Neuspanien viermal so viel verdienten wie in Deutschland. Diese Zahl, die manche zur Verteidigung der Kolonialverwaltung anführen, widerspricht dem Narrativ bloßer Ausbeutung. Doch die Debatte ist keine Kleinigkeit: Die eigentliche Frage – ob Mexiko um Entschuldigung bitten sollte – bleibt ohne eindeutige Antwort. Nur eines ist klar: Zweihundert Jahre später verlängert sich der Schatten des Vizekönigreichs weiter.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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