Warum die spanische Küche weniger berühmt ist als die italienische

Die spanische Küche glänzt bei den Zutaten, exportiert aber genauso wenig Restaurants wie Italien oder Japan. Die Debatte darüber, warum die Paella die Welt nicht erobert hat wie die Pizza.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Warum die spanische Küche weniger berühmt ist als die italienische
Warum die spanische Küche die Welt nicht so erfüllt wie die italienische

Warum gibt es an jeder Ecke des Planeten eine Pizzeria, aber keine spanische Taverne? Die Frage, gestellt vom Künstler El Jincho, hat ein Fass aufgemacht, das weit über den Geschmack hinausgeht: Die spanische Küche ist eine Großmacht bei den Zutaten, aber kaum mehr als eine Nebenrolle beim Export von Restaurants. Die kurze Antwort lautet: Die spanische Gastronomie verkauft sich nicht von allein. Die lange Antwort hat mit dem Geschäftsmodell, der Diaspora und Rohstoffen zu tun, die nicht reisen.

Die Ware bleibt nicht über die Grenze hinaus

Das am häufigsten gehörte Argument ist, dass die spanische Küche auf der Qualität der Ware beruht, nicht auf der Technik. Fisch aus dem Atlantik und dem Mittelmeer, erstklassiges Fleisch, Gemüse aus der Huerta. Außerhalb Spaniens verschwindet diese Ware, und das Gericht bleibt ein Skelett. Ein Reis mit Zeug, ohne den guten Reis, ist in der Tat nur ein Reis mit Zeug. Die Kroketten, der Kartoffelsalat oder der minderwertige Tintenfisch, die es in manchen Lokalen im Ausland gibt, sind kein Beispiel für die Küche, sondern für ihre Low-Cost-Version.

Manche fügen einen unbequemen Einwand hinzu: Die Paella, das meistexportierte Gericht, ist ein Reisgericht mit Zutaten, das im Ausland seinen Reiz verliert, weil 90 % seines Werts in den Rohstoffen liegen. Die Zubereitung, so die These, gleicht das Fehlen guter Ware nicht aus.

Das Fast Food, das Spanien nie aufgebaut hat

Das zweite Bein des Problems ist das Format. Italien und Japan exportierten Modelle, die leicht zu kopieren und günstig zu produzieren waren: Pasta und Sushi. Spanien exportierte Tapas, die eine Theke, frische Ware und einen Koch erfordern, der weiß, wie man frittiert. Es gibt keine globale spanische Kette, die einem McDonald's oder einem Ramen-Restaurant entspricht. Der Versuch mit typisch spanischen Bocadillo-Läden —Schweinefilet mit Paprika, Serranito, Tortilla— existiert, wurde aber von Burgern, Tacos und Kebabs verschluckt.

Die Frage, die in der Luft liegt, ist, ob das Problem beim Angebot oder bei der Nachfrage liegt. Eine Seite hält dagegen, dass der Markt das Billige und Kopierbare belohnt, nicht das Gute. Die andere antwortet, das sei eine Ausrede: Wäre die Ware wirklich so viel besser, würden die Kunden am Ende dafür zahlen.

Die Diaspora, die es nie gab

Der dritte Faktor ist demografisch. Küchen, die im Ausland erfolgreich sind, kommen meist mit Migrantengemeinschaften, die Restaurants eröffnen. Die spanische Auswanderung war gering, und wenn sie stattfand, ging es eher in qualifizierte Berufe als an die Herdplatte. Argentinien mit seiner galizischen Erbschaft und seinen Empanadas ist die Ausnahme, die die Regel bestätigt.

Dazu kommt der Ruf. Frankreich und Italien bauen ihre gastronomische Marke seit Jahrzehnten mit Messen, Bäckermeistern und Erzählung auf. Spanien dagegen exportiert Olivenöl in Massenware, das andere abfüllen und als ihres verkaufen. Die spanische Schwarze Legende spielt auch am Tisch mit.

Die Tapas-Kultur als Markenzeichen

Nichts ist verloren. Das Tapas-Gehen, verstanden als soziales Format statt als Rezept, hat tatsächlich Grenzen überschritten. Und manche verteidigen die These, dass die traditionelle spanische Küche mit ihrem Fett, ihrer Blutwurst und ihren Kohlenhydraten gar nicht darauf abzielt, allen zu schmecken – und dass das kein Mangel ist. Die Frage von El Jincho war nicht harmlos gestellt. Die Antwort auch nicht.

Am Ende steht die spanische Gastronomie vor einem Paradox: Sie rühmt sich ihrer Ware und konkurriert mit fremden Kochbüchern, die wussten, wie man ihres verpackt. Wenn die Welt die Pizza der Tortilla vorzieht, liegt es vielleicht nicht daran, dass die Tortilla schlechter ist, sondern daran, dass sie niemand mit derselben Hartnäckigkeit verkauft hat. Oder vielleicht doch. Niemand weiß es, und die Theke bleibt leer.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (100 Antworten).

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