Warum die englische Landschaft schöner wirkt als Spaniens

Feuchtigkeit, Hecken und Landadel erklären Englands Grün. Spanien bot mehr Naturvielfalt, litt aber unter armen Bauern.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Die englische Landschaft ist nicht natürlich: Wasser, Zäune und Gentry

Wer den Ärmelkanal überquert, hat oft denselben Eindruck: Die englische Landschaft wirkt wie frisch gemalt. Geschnittene Hecken, grüne Hügel, Steindörfer, die Jahrhunderte überstehen, ohne dass ein Dachziegel verrutscht. Der Vergleich mit der spanischen Landschaft drängt sich auf, und die zugrunde liegende Frage lässt sich wenig romantisch beantworten. Die englische Landschaft ist zu großen Teilen eine künstliche Schöpfung. Die spanische leidet unter Jahrhunderten ländlicher Armut und versteigerter Gemeinlandflächen.

Warum ist die englische Landschaft so grün?

Die häufigste Antwort lautet: Wasser. Das gemäßigte, feuchte britische Klima, beeinflusst durch den thermohalinen Kreislauf, ermöglicht mehrere Ernten pro Jahr, während im mediterranen Trockengebiet nur eine möglich ist. Diese konstante Feuchtigkeit – und die Nebel, die London einst berühmt machten – erhalten Wiesen, die keine Bewässerung brauchen. Das Ergebnis ist ein permanentes Grün, das in Spanien nur am kantabrischen Küstenstreifen vorkommt.

Hinter dieser Farbe steht eine wirtschaftliche Kette. Reichlich Gras erlaubt Stallhaltung, Futterlagerung und höhere Viehbestände pro Hektar. Daraus entstehen höhere agrarische Einkommen, investitionsfähige Eigentümer und langfristig eine Landschaft, die es sich leisten kann, neben Produktivität auch schön zu sein. Schönheit ist hier ein Nebenprodukt der Rentabilität.

Zäune, Gentry und eine geplante Landschaft

Hinzu kommt, laut Befürwortern dieser Theorie, eine soziale Klasse, die es in Spanien nie gab: die Gentry. Kleinadlige Großgrundbesitzer, gebildet und agrarisch geprägt, die über Generationen in Häuser, Gärten und Verbesserungen investierten. Diese Mittelschicht – die englischen Esquires, die mitteleuropäischen Junkers – findet sich in fast allen Ländern, deren gepflegte Landschaft wir heute bewundern.

Man sollte den Ursprung nicht idealisieren. Diese Postkartenlandschaft entstand durch die Enclosures, die Gemeinland schlossen und viele englische Bauern in die Industriestädte trieben. Die Hecke, die heute dekorativ wirkt, war einst eine rechtliche Barriere. Die Landschaft ist auch ein Dokument: Sie zeigt, wer auf dem Land bleiben konnte und wer nicht.

Ist die englische Landschaft wirklich schöner?

Nicht überall. Wer dort lebt, sagt, dass die wirklich schönen Gebiete rar sind: die Cotswolds, die Chilterns und einzelne Gegenden in Norfolk und Somerset. Der Rest – Midlands, East Anglia, Lincolnshire – sind flache, entwässerte, monotone Ebenen. Und die hübschen Regionen sind bis zur Absurdität gentrifiziert, mit Preisen, die alteingesessene Nachbarn verdrängen.

Die Einwände gehen weiter. Das Fehlen hoher Berge nimmt der Landschaft Horizont und große Routen; nach einigen Jahren, geben Bewohner zu, erzeugt die Countryside ein Gefühl von Enge. Die Dörfer sind klein, eng und haben wenig Gemeinschaftsraum. Aus spanischer Sicht schmerzt der Vergleich kaum: Fünfzig Kilometer von Madrid gibt es mehr Höhenunterschied und Baumbestand als in ganz England.

Spaniens Landschaft: Natürliche Vielfalt gegen ländliche Armut

Die andere Seite der Medaille ist die Vielfalt. Spanien bietet atlantische, Berg-, Mittelmeer-, Hochebenen- und sogar Wüstenlandschaften innerhalb weniger Autostunden. Schweden und Finnland haben Taiga, Millionen Pinien und Fichten, aber sonst wenig Abwechslung. Galizien, Asturien oder Kantabrien stehen Irland oder der Bretagne in nichts nach, sagen enthusiastische Stimmen.

Das Problem war biologisch keines, sondern ökonomisches. Die ländliche Bevölkerung Spaniens war bis vor Kurzem arm, und Landhäuser – Cortijos, Masías – wurden aus dem gebaut, was vorhanden war, nicht aus dem, was verschönerte. Deshalb sind viele halb zerfallen, und Zäune wurden improvisiert, etwa mit alten Lattenrosten. Die Desamortización de Madoz von 1855 krönte diesen Prozess: Der Staat verkaufte kommunale Gemeinlandflächen und ließ die Bauern ohne das wirtschaftliche Polster zurück. Manche Analysen weisen darauf hin, dass Unkenntnis dieser kommunalen Vergangenheit dazu führt, kirchliche und zivile Enteignungen zu verwechseln.

Das Paradox: Briten, die nach Spanien ziehen

Ein Detail verwirrt die enthusiastischsten Verteidiger des englischen Grüns: Briten, die es können, suchen den Süden Europas, besonders Spanien. Vor Ort häuft die Insel Kritik an: Sie wird als entwaldet, dicht besiedelt und domestiziert beschrieben. Wäre die englische Landschaft ein makelloser Paradiesgarten, wäre der Exodus von Rentnern ans Mittelmeer schwer zu erklären.



Die englische Landschaft ist nicht wegen nationaler Charakterzüge oder geographischem Zufall überlegen. Sie ist das Ergebnis reichlichen Wassers, einer investierenden Landadelsschicht und einer Bodenordnung, die wenigen nützte. Spanien hatte die natürliche Vielfalt, aber auch eine arme Landschaft, für deren Verschönerung niemand bezahlte. Mit diesen Prämissen hält der ästhetische Vergleich stand. Die unbequeme Frage ist, ob der Preis, den England für seinen Garten zahlte – Entwaldung, vertriebene Bauern, unmögliche Preise in den schönsten Gegenden – einer ist, den wir bereit wären zu zahlen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (157 Antworten).

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