Hitler als Maler: Der Name zählt mehr als die Technik

Ein Nutzer behauptet, Hitlers Aquarelle kosteten vor zwanzig Jahren 6.000 Euro, heute ab 500.000. Die Qualität war mittelmäßig, doch der Name treibt den Preis.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Hitler als Maler: Der Name zählt mehr als die Technik
Hitler als Maler: Der Name zählt mehr als die Technik

Die Frage liegt seit achtzig Jahren auf dem Tisch, und die kurze Antwort ist unbequem: Adolf Hitler zeichnete besser als der Durchschnitt, aber schlechter als jeder brillante Schüler der Akademie der bildenden Künste Wien. Seine Aquarelle von Gebäuden und Landschaften sind solide; seine menschlichen Figuren wirken schemenhaft, unscharf und wie Füllmaterial. Was sich geändert hat, ist nicht das technische Urteil, sondern der Preis: Laut einem Forennutzer konnte man vor zwei Jahrzehnten eines seiner Aquarelle für etwa 6.000 Euro kaufen, während heute die am Markt angebotenen Werke ab 500.000 Euro gehandelt werden. Der Markt bezahlt kein Talent. Er bezahlt den Namen.

Was Kunstkritiker über Hitlers Werk sagen

Das am häufigsten wiederholte Diagnose lautet, dass Hitler ein ernstes Problem mit der Perspektive hatte. Die Fluchtlinien liefen ihm davon, die Volumina wirkten flach und das Gesamtbild vermittelte eine seltsame Tiefelosigkeit. Im Vergleich zwischen einer Münchner Postkarte vom Anfang des Jahrhunderts und seiner Zeichnung desselben Motivs waren die Fluchtlinien im Original bereits vorgezeichnet. Es hätte genügt, sie nachzuziehen. Er tat es jedoch willkürlich.

Nicht alles ist eine Katastrophe. Die architektonischen Elemente, die viel Arbeit erfordern, sind handwerklich gelöst. Manche argumentieren, das Problem lag nicht an der Hand, sondern am Zeitpunkt: Als ihn die Akademie ablehnte, zeichnete er noch nicht so gut wie später. Andere erinnern daran, dass seine Qualität bei Landschaften und Gebäuden zumindest akzeptabel war, während Personen schemenhaft und unscharf gerieten. Dies sei, so diese Lesart, der Grund für sein Durchfallen gewesen.

Die Ablehnung an der Akademie der bildenden Künste Wien

Einige Kritiker jener Zeit merkten an, er hätte mehr Potenzial als Architekt als als Maler gehabt. Das wurde ihm empfohlen, als er die Aufnahmeprüfung nicht bestand. Er konnte seinen Werdegang nicht in diese Richtung lenken: Ihm fehlte das Abitur. Der junge Adolf studierte unterdessen bis spät in die Nacht Bücher zur Architekturgeschichte, memorisierte die Struktur von Kathedralen und Theatern verschiedener Länder und konnte Hunderte Kilometer von der Pariser Oper entfernt erkennen, wohin jede Treppe führte. Zu Hause zeichnete er diese Gebäude in horizontalen und vertikalen Schnitten. Sensibilität, Träume und Fleiß mangelten ihm nicht. Etwas anderes fehlte ihm.

Warum die Avantgarde-Kunst ihm die Tür verschloss

Zu der Zeit, als Hitler versuchte, in die Akademie aufgenommen zu werden, mussten Zeichner Luxushandwerker sein. Um zugelassen zu werden, musste man brillant, neuartig, innovativ und avantgardistisch sein. Hitlers Kunst besaß diesen Funken nicht. Es waren gut gemachte Zeichnungen und kaum mehr. Die Paradoxie besteht darin, dass der Markt heute enorme Summen für konzeptuelle Werke zahlt, die diese Technik nicht erfordern, und auch mittelmäßige Aquarelle eines Amateurs wegen einer bestimmten Unterschrift hochpreisig handelt. Die Technik ist längst nicht mehr das Kriterium. Maßgebend sind das Ikonisch-Symbolische und die gesellschaftliche Wirkung.

Wie viel Hitlers Bilder heute wert sind und warum

Die Preisspanne ist brutal. Laut einem Forennutzer war es vor zwanzig Jahren möglich, Hitlers Bilder für 6.000 Euro zu kaufen. Jetzt werden sie, wenn sie überhaupt auftauchen, ab 500.000 Euro gehandelt. Es gibt ein paar Sammler, die fast alle besitzen und nicht verkaufen. In den 80er-Jahren konnte man auf Websites für Memorabilia noch gelegentlich ein Aquarell finden. Heute ist der Markt ausgetrocknet, und der Preis spiegelt dies wider.

Man muss eine Schicht Nebel hinzufügen: Ein Teil der Hitler zugeschriebenen Bilder, die im Umlauf sind, sind Fälschungen. Derselbe Mann, der seine vermeintlichen Tagebücher fabrizierte, widmete sich auch diesem Geschäft. Während seiner vagabundierenden Phase in Wien verkaufte Hitler Aquarelle en masse, von hunderten oder mehr als tausend ist die Rede, und offensichtlich legte er keinen Wert auf Details. Insgesamt malte er laut den von Biografen genannten Zahlen 3.400 Leinwände, die meisten an der Front während des Krieges. Die Mehrheit der Experten bezweifelt die Echtheit dieser Frontbilder.

Der kognitive Bias, der jedes Urteil kontaminiert

Menschen kritisieren Hitlers Bilder, weil sie wissen, dass es Hitlers Bilder sind. Es ist ein klassischer kognitiver Bias. Damit Menschen ohne Vorurteile urteilen könnten, müsste man eine Blindstudie durchführen: Eine Gruppe von Bildern im gleichen Stil, von anderen Künstlern geschaffen, mit Hitlers Werken dazwischen, aber nicht gekennzeichnet. Niemand hat dies getan. Das Ergebnis wäre für viele unbequem.

Hitler selbst räumte ein, dass sein Buch Propaganda war. Seine Anhänger betrachten es als faktische Geschichte. Es ist derselbe Mechanismus, der bei seiner Malerei wirkt: Das Werk selbst ist weniger wichtig als das, was jeder hineinprojiziert. Und währenddessen steigt der Preis.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (157 Antworten).

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