Delcygate: 27 Rechtschreibfehler und eine Sánchez zugeschriebene Genehmigung
Der Delcygate wurde nicht abgeschlossen, sondern totgeschwiegen. Jahre nachdem José Luis Ábalos Delcy Rodríguez am Flughafen Barajas empfing, kehrt der Fall auf die Titelseiten zurück – angetrieben durch zwei Faktoren jenseits parteipolitischer Rhetorik: ein laufendes Ermittlungsverfahren und Berichte, wonach Sánchez die Visite der Nummer zwei des venezolanischen Regimes autorisiert habe. Es war kein Versagen eines Ministers, sondern eine bewusste Entscheidung. Das Ergebnis ist unbequem für die Regierung: Je mehr ans Licht kommt, desto schwerer lässt sich es mit der ursprünglichen Darstellung vereinbaren. Und diese lautete damals: Nichts sei passiert.
Was in Barajas geschah und warum die offizielle Version mehrfach korrigiert wurde
Die Chronologie begann mit purer Leugnung, endete aber bei der Anerkennung eines Treffens, erst als Begrüßung auf dem Rollfeld, später als längerer Zwischenstopp als zugegeben. Die Rekonstruktion dieser Korrekturserie gleicht einer Abfolge von Ausreden: Erst hieß es, man habe sich nicht gesehen; dann, man sei nur im Flugzeug zusammengetroffen; danach, das Treffen fand auf dem Rollfeld statt; und schließlich gab es einen VIP-Raum. Jede Stufe wurde als endgültige Wahrheit präsentiert und hielt genau so lange, bis das nächste Detail auftauchte.
Hierbei gab es, wie Beobachter des Falls betonen, keine Rücktritte, aber Beleidigungen gegenüber Journalisten und Druck auf technische Sicherheitskräfte, die bestätigten, was andere leugneten. Eine beruhigende Botschaft hat schlecht gealtert: dass Delcy auch im Vorjahr an einem EU-Gipfel teilgenommen habe. Der Vergleich hinkt, denn ein Gipfel wird angekündigt und von akkreditierten Medien begleitet, ein nächtlicher Zwischenstopp nicht.
Ábalos’ Brief: 27 Rechtschreibfehler und das Wort „embestido“
Das Detail, das den Fall neu entfacht hat, ist fast komisch banal: Die formale Einladung, die Ábalos an Delcy Rodríguez richtete, enthält 27 Rechtschreibfehler. „Wenn du embestido wirst...“, steht dort. Ob der Autor „investido“ (ernannt) oder „embestido“ (angegriffen/verrückt) meinte, bleibt unklar, doch der Ausschnitt kursiert bereits als Symbol für eine bestimmte Arbeitsweise.
Dass ein offizielles Einladungsdocument mit solcher Nachlässigkeit verfasst wurde, ist keine kleine Anekdote: Es handelt sich um ein Papier, das die Beziehung zur venezolanischen Regierung regelt. Die wiederkehrende Ironie – dass selbst die Rechtschreibprüfung eines Textverarbeitungsprogramms versagt hätte – deutet auf etwas Ernsthafteres hin: das Gefühl, dass der Vorgang abgewickelt wurde, ohne dass jemand das Dokument zweimal las. Und diese Leute machen Gesetze für Spanien, lautet der Spott.
Das Gold, das dem Netzwerk zugeschrieben wird: Kauf für 1,7 Millionen, Verkauf für 68,4 Millionen
Laut einem Video, das von einem kolumbianischen Medium veröffentlicht und später in sozialen Netzwerken geteilt wurde, soll das Netzwerk 104 Goldbarren im Wert von 1,7 Millionen Euro abgezweigt und in Spanien für 68,4 Millionen Euro weiterverkauft haben. Diese brutale Differenz würde, falls bestätigt, aus einem diplomatischen Zwischenstopp ein Geschäft machen. Man sollte dies handhaben, was es ist: eine publizierte Information, kein Urteil. Zudem kursieren Hinweise auf anderthalb Tonnen Gold, die der Operation zugeordnet werden, jedoch ohne rechtskräftige Entscheidung bisher.
Die Frage, die jahrelang ohne offizielle Antwort blieb, ist die einfachste von allen: Was brachten jene Koffer bei diesem Besuch mit und was nahmen sie mit?
Was die Audiencia National untersucht und was die UCO sucht
Abseits des politischen Lärms schreiten zwei Justizverfahren voran. Die Audiencia National ermittelt wegen hunderten Nachrichten zwischen Delcy Rodríguez und Aldama, in denen millionenschwere Ölgeschäfte besprochen werden, im Rahmen eines Verfahrens zur Finanzierung der PSOE. Parallel verfolgt die UCO (Guardia Civil) den Ursprung des Kohlenwasserstoff-Netzwerks und dessen mögliche Verbindung zum ehemaligen Premierminister José Luis Rodríguez Zapatero. Es sind laufende Ermittlungen: keine festen Anklagen oder Verurteilungen, sondern ein wachsendes Dossier.
Dies ist das Terrain, auf dem der Fall tatsächlich entschieden wird. Alles andere – Pressekonferenzen, Tweets, Antworten – ist nur Kulisse.
Von „wer auch immer fallen muss“ zu „versucht seit 10 Jahren, Sánchez zu beschmutzen“
Vox hat die Wiedereröffnung des Falls gefordert, nachdem bekannt wurde, dass laut Berichten Sánchez die Reise genehmigt habe. Die Regierung reagierte auf zwei Wegen. Óscar Puente forderte, alles aufzuklären, „koste es, was es wolle“, eine Phrase, die entschlossen klingt, aber niemanden bindet. Und Bolaños schloss die Reihen und behauptete, die Rechte versuche seit zehn Jahren, den Namen Pedro Sánchez zu beschmutzen.
Der Kontrast zu Februar 2020 ist beredt: Als die PP im Kongress den Rücktritt Ábalos’ wegen Lügen über den Fall verlangte, feierten die sozialistischen Abgeordneten und die von Unidas Podemos ihn stehend. Heute kehrt dieselbe Sache zurück, und niemand will dieses Foto.
Es gibt nur einen Weg, dies zu lösen: Dass Akten mehr Gewicht haben als Pressemitteilungen. Wenn die Audiencia National die Goldspur bestätigt und die UCO das Kohlenwasserstoff-Netzwerk entwirrt, hört der Delcygate auf, eine Frage der Versionen zu sein, und wird ein Verfahren mit Namen und Zahlen. Wenn nicht, bleibt er dort, wo er immer war: an der Grenze zwischen Vergessen und dem nächsten Tweet. Wahrscheinlich wird er, gemessen an der Historie, in Stücken vorankommen, wobei jedes Teil zu einem anderen Zeitpunkt fällt – und immer zum schlechtesten Zeitpunkt für jemanden.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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