Spaniens PSOE: Affären um Delcygate, Morodo und Plus Ultra

Die meisten Skandale um Spaniens regierende Sozialisten (PSOE) sind noch in Untersuchung: von Delcygate über die 53 Millionen für Plus Ultra bis zu den Konten von Morodo.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spaniens PSOE: Affären um Delcygate, Segarro und Plus Ultra

Ein Faktum verwirrt. Die meisten Fälle, die sich um die spanische Sozialistische Partei (PSOE) ansammeln, sind nicht abgeschlossen. Es handelt sich um laufende Ermittlungen, Anklagen oder Verfahren. Und dennoch wächst die Liste. Innerhalb eines Monats kamen Episoden hinzu, die von der Begegnung des damaligen Ministers José Luis Ábalos mit der venezolanischen Vizepräsidentin Delcy Rodríguez – die von der EU sanktioniert ist – bis zur Zahlung von 53 Millionen Euro an eine dem Chavismus verbundene Fluggesellschaft reichen. Der Strom der Informationen hat ein Narrativ aufgebaut: das einer Regierungspartei, die während ihrer Amtszeit immer mehr juristische Fronten eröffnet. Es gilt, das Bewiesene vom bloßen Gerücht zu trennen.

Delcygate und Abalos' vier Versionen

Delcy Rodríguez, Exekutiv-Vizepräsidentin des venezolanischen Regimes, steht seit Juni 2018 unter EU-Sanktionen: Vermögenssperre und Einreiseverbot in den Schengen-Raum. Auf dem Papier darf sie keinen Fuß auf europäischen Boden setzen. Im Februar 2020 traf sie sich laut veröffentlichten Berichten mit dem damaligen Minister Ábalos am Flughafen Barajas in Madrid. Die Polizei soll die offizielle Version eines zufälligen Treffens widerlegt haben. Was zunächst als beiläufige Begrüßung dargestellt wurde, entpuppte sich schließlich als geplante Zusammenkunft an Bord eines Flugzeugs, um das Einreiseverbot zu umgehen. Der Minister soll innerhalb von 24 Stunden seine Erklärung viermal geändert haben. Jede Korrektur war eine Schlagzeile wert.

Segarro, PDVSA und 6,4 Millionen in der Schweiz

Raúl Segarro, ehemaliger spanischer Botschafter in Venezuela unter der Regierung Zapatero, wird vor dem Nationalen Gerichtshof (Audiencia Nacional) untersucht. Richter Santiago Pedraz führt Ermittlungen, die seit Januar 2019 gegen den Diplomaten, seine Ehefrau, seinen Sohn und fünf weitere Personen wegen mutmaßlicher Geldwäsche und Korruption im Geschäftsverkehr laufen. Die Zahlen: Seine Frau, Cristina Cañeque de Sola, eröffnete im April 2008 drei Konten bei der Credit Suisse in Zürich, nur sechs Monate nach ihrer Rückkehr aus Venezuela, und soll diese jahrelang vor dem Finanzamt versteckt haben. Heute räumt sie ein Vermögen von 6,4 Millionen Euro ein. Das Finanzamt entdeckte zudem, dass 300.000 Euro vom staatlichen Ölkonzern PDVSA über eine Firma seines Sohnes auf ein Konto des Ex-Botschafters gelangten.

Die 53 Millionen für Plus Ultra

Eine weitere runde Zahl: 53 Millionen. Dies ist die Höhe des staatlichen Rettungspakets für die Fluggesellschaft Plus Ultra, die dem Umfeld des Chavismus zugeordnet wird, laut verbreiteten Berichten. Der Vorgang ist zu einem der meistzitierten Fälle dieser Anhäufung geworden, überschattet von einer zumindest fragwürdigen Rettungsaktion. Die Angelegenheit überschneidet sich mit zwei weiteren wiederkehrenden Namen: der Müllaffäre in Andalusien und dem Geld des venezolanischen Ölkonzerns, das auf Konten spanischer Amtsträger gelandet sein soll. Der rote Faden, der alle Episoden verbindet, ist derselbe: öffentliche Mittel und Beziehungen zum bolivaristischen Umfeld.

Andalusien: Müll, Wasser in Huelva und die Faffe

Andalusien dient als Archiv des Falls. Die Unterzeichnung eines Manifests zur Unterstützung der ehemaligen andalusischen Präsidenten Chaves und Griñán, die wegen Korruption verurteilt wurden, ging einem Text voraus, der direkt Begnadigung forderte. Parallel werden kleinere, aber beständige Veruntreuungen gemeldet: PSOE und PP sollen zwei Millionen Euro durch Aufblähung der Wasserrechnungen in Huelva auf ihre Parteikonten umgeleitet haben; ein sozialistischer Bürgermeister soll die Firma seiner eigenen Frau für Veranstaltungen mit EU-Mitteln beauftragt haben; die Justiz ermittelt im Fall der Faffe (Stiftung für öffentliche Verwaltung in Andalusien) und gegen einen ehemaligen Berater wegen der Häfen von Ibiza. Nichts davon ist eine rechtskräftige Verurteilung – die meisten sind Anklagen –, doch die Dichte der Meldungen ist schwer zu ignorieren.

Der Bruder, Opern und Staatsausgaben

Der weniger juristische, aber unangenehmere Aspekt betrifft die Ausgaben. Es wird darauf hingewiesen, dass das öffentliche Budget für die Opernaufführungen, an denen David Azagra, der Bruder des Premierministers, teilnimmt, sich verdoppelt haben soll. Zudem kursieren Anschuldigungen, die gerichtlich nicht bestätigt sind, über den steuerlichen Wohnsitz des Familienangehörigen, während er angeblich im Moncloa-Palast residiert. Hinzu kommt die Aufhebung der Entlassung des Obersten Diego Pérez de los Cobos durch den Obersten Gerichtshof; er war abgesetzt worden, nachdem er die Regierung wegen des Umgangs mit der Pandemie im März 2020 (8M) untersucht hatte. Die politische Lesart lautet: Wer dort bohrte, wo er nicht sollte, wurde bestraft, und die Justiz stellt ihn nun wieder ein.

Ermittlungen, keine Urteile: Was noch unbekannt ist

Hier liegt die Paradoxie, die die gesamte Liste trägt. Mehrere der großen Fälle – Delcygate, Plus Ultra, Segarro, die Rettungspakete – befinden sich noch im Ermittlungsstadium oder basieren lediglich auf journalistischen Berichten. Es gibt rechtskräftige Verurteilungen, wie die der ehemaligen andalusischen Präsidenten, doch diese sind die Ausnahme, nicht die Regel. Und dennoch hat sich das Narrativ bereits etabliert: permanenter Verdacht, der nie endende Fall, das Gefühl, dass jede Woche eine neue Front entsteht. Jedes Verfahren, das ohne Verurteilung endet, wird hier als Vertuschung gelesen, dort als Beweis der Unschuld.

Wie viele dieser Fälle werden zu einem rechtskräftigen Urteil führen, und wie viele werden unterwegs von ihren eigenen Ermittlungen verschlungen?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (1061 Antworten).

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