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Von 70 % Zucker im ColaCao bis zu 1 % in Zartbitterschokolade
ColaCao weist 70 % Zucker aus, Nocilla 56 % – 99 %ige Zartbitterschokolade kommt auf nur 1 %. Die Etikettenwerte, die den Wocheneinkauf verändern.
Von 70 % Zucker im ColaCao bis zu 1 % in Zartbitterschokolade
Wie viel Zucker nimmt man eigentlich zu sich, wenn man den Löffel in das ColaCao-Glas taucht? Siebzig Gramm auf hundert. Das ist die Zahl, die diese Sammlung von Etiketten von Schokoladen und Kakaoprodukten eröffnet – und die erklärt, warum so mancher mit demselben Gesicht auf die Nährwerttabelle starrt wie jemand, der eine Rechnung öffnet. Nocilla liegt übrigens bei **56 %**. An Salz erreicht keines der geprüften Produkte 0,15 %.
Die Bestandsaufnahme bleibt nicht bei den Cremes. Eine Zartbitterschokolade mit 70 % Kakao von Tirma weist **23,90 % Zucker** aus; die Varianten mit 74 % von Bellarom und Dia kommen auf **27 %**; die 81 %ige von J.D. Gross sinkt auf 16,80 %; die 85 %ige von Hacendado liegt bei 15 %, die von Lindt bei 14 %. Die großen Sprünge kommen ganz oben: Lindts 90 %ige verzeichnet 7 %, die 99 %ige landet bei **1 %**. Die 99 %ige von Simon Coll liegt laut verfügbaren Daten bei etwa 2 %.
Die zwei Ausreißer in der Proportion
Trägt man Kakao und Zucker in ein Diagramm ein, sollte die Linie von allein fallen: mehr Kakao, weniger Zucker. Und sie fällt – mit zwei Ausnahmen, die das Bild ruinieren. Die Schokoladen mit **74 % Kakao enthalten mehr Zucker**, als sie versprechen, und die 90 %ige bleibt im Verhältnis zum Rest zu knapp darunter. Die 85 %ige von Hacendado liegt ebenfalls leicht über dem Trend.
Das ist die erste Lektion dieser Geschichte: Der Kakaanteil auf dem Etikett garantiert nichts. Die große Zahl ist ein Werbeköder, die Nährwerttabelle entscheidet. Und man sollte zwei Dinge nicht verwechseln, die oft vermischt werden: die Zutatenliste (Kakaomasse, Zucker, Kakaobutter, entölter Kakao, Sonnenblumenlecithin, Vanillearoma) und die Nährwerte, wo der Zucker auch den enthält, den der Kakao von Haus aus mitbringt.
Manche weisen zudem auf ein Problem hin, das vor dem Zucker liegt: **Mehle**. Kakaoprodukte enthalten sie, und dorthin verschwindet ein Teil der Kalorienbilanz, ohne dass es jemand bemerkt.
Warum reiner Kakao im Supermarkt eine Rarität ist
Die Antwort ist Volkswirtschaftslehre im ersten Semester: Zucker ist billig, Kakao ist teuer. Ein Produkt mit viel Zucker und wenig Kakao zu verkaufen ist profitabler als umgekehrt – deshalb preisen die Marken den Prozentanteil nur an, wenn es ihnen passt. Wenn eine Schokolade ihren Kakaoanteil nicht groß ausweist, regiert der Zucker.
Das Ergebnis ist eine lächerliche Auswahl. In großen Läden beschränkt sich 100 % reiner Kakao praktisch auf das Glas von **Valor**, im XL-Format mit 340 Gramm für 4,85 Euro gegenüber den üblichen 250 Gramm für 4 Euro. Darüber hinaus: Reformhäuser, vereinzelt Hipercor mit teureren Marken, ein Lidl mit deutlich günstigerem Backkakaopulver und nicht viel mehr. Es zu finden wird zur Schnitzeljagd: Manche fragen im Laden und bekommen das ColaCao-Regal gezeigt.
Wie man das Pulver zu sich nimmt, ohne dabei zu sterben
Der erste Löffel pur ist ein Initiationsritus: voller Mund mit Pulver, Mühe beim Schlucken, null Lust auf Wiederholung. Die Methoden, die funktionieren: Das Pulver zuerst in einem Finger Wasser oder warmer Milch auflösen, wenig umrühren – es färbt stark und schmeckt intensiv – und dann mit Milch auffüllen. Ohne Zucker. Mit der Zeit gewöhnt sich der Gaumen, und jede handelsübliche Tafel schmeckt plötzlich wie Karamell.
Weitere Varianten: mit heißem Wasser verrühren und Haferflocken sowie ein paar Rosinen dazugeben, oder mit einem Teelöffel Honig süßen. Wer in der Küche etwas daraus machen will: Kuchen und Brownies – mit dem naheliegenden Hinweis, dass dort Butter und Zucker durch die Hintertür hereinkommen.
Das Geschäft mit Süßstoffen und „0 % Zucker“
Ein Etikett mit „0 % Zucker“ ist keine gute Nachricht. Solche Produkte ersetzen den Zucker meist durch Zuckeralkohole – Maltit, Erythrit – und homöopathische Mengen Stevia, die vor allem dazu dienen, den Namen aufs Packung zu bringen. Zuckeralkohole kommen in der Natur vor, als Zusatzstoff werden sie aber in weit höheren Dosen eingesetzt und haben bekannte abführende Effekte. Der echte Vorteil: Sie werden nicht wie Zucker verstoffwechselt und verursachen keine Karies.
Die letzte Ironie liefert der Kakao selbst: Je schlechter jemand auf ein reines Lebensmittel reagiert, desto vergifteter ist sein Körper und desto mehr braucht er es. So jedenfalls die naturheilkundliche Erzählung. Bei diesen Preisen und dieser Auswahl spart, wer die Bitterkeit erträgt, ein Vermögen beim Zahnarzt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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