Von 30.000 € auf 113.000 €: Erfolg durch Ignoranz des Marktes

Ein Portfolio, das im April 2020 mit 30.000 € startete, übertraf 113.000 € durch Investitionen in exotische Börsen, Kohle und Banken, die der Markt abgeschrieben hatte.

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Von 30.000 € auf 113.000 €: Erfolg durch Ignoranz des Marktes
Von 30.000 € auf 113.000 €: Kaufe, was der Markt ignoriert

Das Kaufen von Assets, die alle verachten, funktioniert. Zumindest für eine Weile. Ein Portfolio, das im April 2020 gestartet wurde, als der erste Lockdown noch frisch war, begann mit genau 30.000 € und erhielt keine weiteren Einzahlungen. Noch vor dem Ende des Sommers 2021 überstieg sein Nettovermögenswert 113.001,08 €, mehr als eine Verdreifachung des Kapitals. Eine Übung extremer Konzentration, weit entfernt von den Indizes: Im gleichen Zeitraum stieg der S&P500 um 30 %, der NASDAQ100 um 50 % und der IBEX 35 um 25 %.

Die These hat nichts Romantisches an sich. Keine künstliche Intelligenz, keine Energiewende, keine Impfstoffe. Die Liste der Positionen ist ein Katalog dessen, was institutionelle Manager seit Jahren meiden: Banken bei Nullzinsen, Kohleminen in der Mongolei, Unternehmen aus ehemaligen Sowjetrepubliken, chinesische Koks-Anlagen, Tabakkonzerne und eine kasachische Fintech-Konsumentenkreditfirma.

Die fünf Regeln des Screeners, der jedes Unternehmen auswählt

Die Methode passt auf eine Serviette. Gefiltert wird nach fünf Bedingungen, dann wird einzeln gelesen, was herauskommt. Erstens: Keine relevante Verschuldung. Zweitens: KGV unter 4-5 und Kurs-Buchwert-Verhältnis unter 1. Drittens: Das Unternehmen muss Dividenden ausschütten oder Aktien zurückkaufen, auch wenn der Betrag nicht spektakulär ist. In diesem Schema erfüllt die Dividende eine Anti-Panik-Funktion: Wenn sie zahlen, ist es unwahrscheinlich, dass es Betrug ist. Viertens: Keine Kapitalerhöhung, d.h. die Anzahl der Aktien darf über die Jahre nicht steigen. Fünftens: Wachstum oder zumindest Stabilität bei Gewinn, Umsatz oder Eigenkapital.

Der Screener ist der Ausgangspunkt, nicht die Entscheidung. Ein Unternehmen, das die fünf Filter passiert, kommt auf eine Watchlist, nicht ins Portfolio. Viele werden unterwegs aussortiert, fast immer aus demselben Grund: Der Cashflow, den Datenaggregatoren anzeigen, existiert nicht oder nur auf dem Papier. Vier Jahre nach diesem Schritt überstieg die Positionsliste dreißig Titel.

Schiffe, Autos und die Landung in Asien

Der Start des Portfolios war europäisch und klassisch zyklisch: spanisches Bankwesen, deutsche und französische Autohersteller, einige Bergbauunternehmen. Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten: Geld in Unternehmen zu stecken, die schon lange vor dem Bicho fielen, hat entweder eine Erklärung oder ist ein Fehler. Banken mit Minimalzinsen verlieren Geld allein durch ihre Existenz. Europäische Hersteller sind gefangen zwischen Elektrifizierung und feindlicher Regulierung. Und es ist nicht nur ein Problem des relativen Preises, sondern des Geschäftsmodells.

Die Antwort war eine geografische Rotation. Verkauf von US-Positionen wie Macy's und massiver Einstieg in Hongkong. Ein chinesisches Textilunternehmen, das Baumwolle verarbeitet und seit über einem Jahrzehnt zweistellig wächst; ein Hersteller von Zahlungsterminals mit Präsenz in Südostasien; ein Content-Unternehmen. Die größten Positionen wurden im Laufe der Zeit Infrastruktur-Energieversorger — REE, Enagás — und Midstream aus Ex-Sowjetrepubliken.

Die Daten des ersten Jahres waren beeindruckend: Jährliche Aufwertung von 181,55 %, verglichen mit einem Anstieg des S&P500 um 30 %. Ende 2020 war die Hauptposition bereits ein mongolischer Kohleproduzent, der 25 bis 30 % des Portfolios ausmachte und sich mehrfach vervielfacht hatte.

Wenn der Broker die Tür schließt: Die regulatorische Mauer

Eines der weniger glamourösen und wiederkehrendsten Probleme dieses Portfoliotyps ist, dass Broker ihn nicht handeln lassen. Mehrere der profitabelsten Positionen — nur in Hongkong gelistete Unternehmen, mongolische Kohle, Rüstungskonzerne — waren nicht verfügbar. Die Antwort der niederländischen Plattform war in vielen Fällen dieselbe: „Rechtliche Gründe im Zusammenhang mit dem Land, mit China“. Oder direkt, dass das Unternehmen gegen die interne Politik des Brokers verstößt.

Einige Trader wechselten zu Interactive Brokers, um den Engpass zu vermeiden. Die Alternative ist manuelle Ausführung. Das Ergebnis war in einigen Fällen doppelt: Ein von der Plattform gesperrtes Unternehmen stieg um 30 %, während es weiterhin nicht handelbar war.

Evergrande, der Yuan und der Panik, die nichts änderte

Im September 2021 wurde das Portfolio hauptsächlich von China getragen. Der Zusammenbruch des Immobilienriesen Evergrande riss die gesamte Branche mit sich und führte zu einer unangenehmen Situation: Positive Renditen beizubehalten, während der Markt vom Kollaps sprach. Das verteidigte Kriterium war das gleiche wie immer: Wenn ein Unternehmen bei 5 $ gefällt und auf 3 $ fällt, ohne dass sich die Fundamentaldaten ändern, gefällt es weiterhin mehr, nicht weniger.

Das Argument basiert auf einer überprüfbaren Tatsache: Ein Großteil der Positionen am Ende des Zyklus hatte keine relevante Verschuldung. Und diejenigen, die verschuldet waren, befanden sich in Ländern mit hoher Inflation, wo der Währungseffekt auf die Bilanzen größer ist, als der Kurs widerspiegelt. Der Fall eines ukrainischen Unternehmens mit Reserven in Hrywnja und Ergebnissen in Dollar präsentierte ist das angeführte Beispiel: Eine Abwertung der Währung um 20-30 % bedeutet nicht Insolvenz, sondern einen buchhalterischen Verlust.

Was passiert, wenn ein Unternehmen ein Delisting-Angebot erhält?

Dies geschah mit einem ukrainischen Agribusiness-Unternehmen im April 2023. Ein mit einem Oligarchen verbundenes Vehikel startete ein Delisting-Angebot. Der angebotene Preis war niedrig — der Portfolio-Manager sagte dies offen. Die Position wurde nicht verkauft, sondern gehalten. Die Überlegung: Wenn das Angebot die erforderliche Schwelle nicht erreicht, bleibt das Unternehmen börsennotiert mit einem leeren Verkäufermarkt, und die Aktie steigt wahrscheinlich einfach wegen des Papiermangels.

Broker hingegen präsentieren den Verkauf als Standardoption. Hier kollidiert der Einzelhandel mit der Institutionellen: Wer Aktien in einem Kleinanlegerkonto hält, sieht sich einem Optionsmenü gegenüber, das er nicht angefordert hat, ohne detaillierte Erklärung, was passiert, wenn der Prozess nicht abgeschlossen wird.

Die Blase, die der Manager selbst anerkannte

Anfang 2021 wuchs das Portfolio schneller, als sein Autor für angemessen hielt. Die Diagnose, in der ersten Person formuliert, ließ keinen Spielraum: Es gibt eine riesige Blase. Der Beweis kam nicht aus den Kennzahlen, sondern aus drei verschiedenen WhatsApp-Gruppen — Leute ohne Branchenkenntnisse —, die über Bitcoin, Tesla und GameStop sprachen. So etwas war vorher nie passiert.

Als Alternativen wurden physische Vermögenswerte erwogen: Kauf von 250 Silbermünzen à 12 €, etwa 4,2 kg physisches Metall, betrachtet als eine Art unendliche Call-Option. Wenn das Metall steigt, wird es weiterverkauft. Wenn es fällt, kann es bei der Bank in Bargeld umgetauscht werden.

Katalysatoren: Der Marketing-Trick, den niemand prüft

Die Orthodoxie der Branche verlangt einen Katalysator, um jeden Einstieg zu rechtfertigen: eine regulatorische Änderung, eine Fusion, eine Empfehlung. In diesem Portfolio wurde genau das Gegenteil vertreten. Die Überlegung, ohne Diplomatie: Katalysatoren sind ein Meme. Was den Preis bewegt, ist laut Argumentation die Rückkehr zum Mittelwert, also die langsame Rückkehr zum fairen Wert, wenn ein Unternehmen von „in Mode“ zu „gehasst“ wechselt oder umgekehrt.

Die praktische Konsequenz: Wenn du auf den Katalysator wartest, steigst du spät ein; wenn er nicht kommt, wartest du weiter. Im Kern liegt eine größere Spannung. Ist diese Strategie replizierbar oder Glück eines Zyklus? Jedes konzentrierte Portfolio in kleinen, günstigen Werten aus geopolitisch riskanten Ländern lebt und stirbt denselben Schlägen: Liquidität, Regulierung, Wechselkurse.

Ein Datenpunkt zur Temperaturmessung. Im Januar 2021 betrug der Nettovermögenswert 60.272,19 €, ein Plus von 100,9 % in neun Monaten. Drei Monate später erreichte er 84.464,93 € und später 106.694,68 €, mit 19.000 € in Liquidität und Hauptpositionen in einer baltischen Eisenbahngesellschaft, Gazprom und einem ukrainischen Lebensmittelunternehmen. Im August 2021 wuchs es zusätzlich um 5,91 %.

Dann kam, was kommen musste: die chinesische Immobilienkrise, der Krieg in der Ukraine, die Liquiditätsengpässe einiger Broker, das Ende der Party. Die Strategie lebt weiter, aber die öffentliche Spur hat sich verwischt: Die regelmäßigen Updates wanderten in private Kanäle. Mit über 3.600 Nachrichten dazwischen weiß man nicht, ob man einen außergewöhnlichen Investor oder einen Überlebenden eines irrationalen Zyklus vor sich hat. Wahrscheinlich sind es beide gleichzeitig, bis der nächste Bärenmarkt entscheidet, welcher Faktor schwerer wiegt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (3609 Antworten).

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