Alibaba: 10 % Verlust seit November und Uneinigkeit unter Anlegern
Ein Investor mit 20 % seines Portfolios in einer einzigen Aktie, einem durchschnittlichen Kaufpreis von 223 Euro, ohne Stop-Loss und der Absicht, den Bildschirm fünf bis sechs Jahre lang nicht anzuschauen. Das ist das Risiko bei Alibaba, dem chinesischen Unternehmen, das laut aktuellen Daten fast 10 % seit November eingebüßt hat. Die anfängliche Warnung, ausgesprochen im Tonfall eines drohenden Hinweises und mit einiger Arroganz, besagte, dass die chinesische Regierung eingegriffen habe und am folgenden Montag ein massiver Absturz bevorstehe.
Hinzu kam eine zweite Front: Wer die Aktie über die USA gekauft hatte, würde durch neue US-Prüfungen leiden. Und eine dritte, dunklere Seite: Informanten mit Zugang zu Insiderwissen – die sogenannten „Vögel“ – hätten gesteckt, dass das Ziel sei, den Kurs zu drücken, um billig zu kaufen und dann wieder nach oben zu treiben. Machen Sie Ihre Wetten, schloss die Nachricht.
Der Einbruch vom 24. war bereits eingepreist
Das erste Problem der These ist chronologischer Natur. Der ernsthafte Absturz erfolgte am Donnerstag, den 24., während der US-Markt geöffnet war, aber andere Börsenplätze, an denen das Unternehmen notiert, geschlossen waren. Bei Wiedereröffnung passten sich diese Plätze nur an das Niveau an, das die Aktie jenseits des Atlantiks erreicht hatte. Dies geschieht, wenn derselbe Wert gleichzeitig an mehreren Orten gehandelt wird: Es stellt sich ein Gleichgewicht her.
Mehrere Antworten erklären dies geduldig: Wenn der Wert gleichzeitig in New York, Frankfurt und Hongkong notiert, bestimmt der volumenstärkste Markt den Preis, und der Rest richtet sich danach aus. Das ist gesunder Menschenverstand, fasst eine Nachricht zusammen, bevor sie hinzufügt, dass viele Antworten dies nicht verstanden hätten. Die wiederkehrende Schlussfolgerung: Der angekündigte Crash war keine Prophezeiung, sondern eine verspätete Lesart dessen, was bereits geschehen war.
Was kauft man wirklich, wenn man Alibaba erwirbt?
Hier kommt die Warnung, die jeden beunruhigen sollte, der die Order unterschreibt, ohne das Prospekt zu lesen. Die Warnung ist eindeutig: Auf dem internationalen Markt kauft man nicht Alibaba, sondern eine Gesellschaft mit Sitz auf den Kaimaninseln, die keine Beteiligung an Alibaba hält. Was existiert, ist ein kommerzieller Vertrag, durch den dieses Vehikel an den Gewinnen des chinesischen Unternehmens teilhat. Der Grund: Ausländer können nicht direkt in strategische chinesische Unternehmen investieren.
Daher wirken die kursierenden Zahlen widersprüchlich. Für das Instrument mit ISIN der Kaimaninseln werden etwa 26 Euro genannt; für das US-gelistete Papier 209 Euro zum Wechselkurs. Letzteres gilt als stärker exponiert gegenüber dem regulatorischen Risiko Washingtons.
Ist es eine Kaufgelegenheit unter 200 Dollar?
Für einen Teil der Anleger ja, und sie sagen dies seit Langem. Manche hielten den Titel schon bei 300 Dollar für günstig, andere stiegen am Donnerstag überzeugt ein, ein Schnäppchen gemacht zu haben. Die in den Nachrichten genannten Preise sind eine Liste sinkender Durchschnitte: Käufe zu 212 und 218 Euro, Durchschnittskurse von 223, Verkaufsorders bei 600 Dollar und ein mittelfristiges Szenario, das die Aktie bei 400 Dollar sieht. Eine Nachricht fasst es so zusammen: Wenn sie in vier Jahren verdoppelt oder verdreifacht, gut, und wenn alles verloren geht, auch kein Drama.
Dagegen spricht die Mechanik des Wertpapiers selbst. Ein anderer Strom erwartet Kurse unter 190 zum Handelsschluss und zieht es vor, nicht zu kaufen, bis eine Erholung bestätigt ist. Das grundlegende Argument ist das alte: Der Aktienmarkt bewegt sich durch Geopolitik und das Handeln großer Fonds und Vermittler, nicht durch Fundamentaldaten, und vorherzusagen, wann solche Interventionen erfolgen, ist Ratespiel.
Das Risiko ist politisch, nicht geschäftlich
Dies ist die Schlussfolgerung, die jene wiederholen, die die These von Anfang an verteidigt haben: Das Unternehmen ist gut und günstig bewertet, aber alles, was ihm widerfährt, ist politisch. Nichts hängt von seinen Bilanzen ab. In China regiert eine Person, und diese Person ist Xi Jinping, erinnern mehrere Antworten, die die Kontrolle der Kommunistischen Partei Chinas über die Wirtschaft betonen. Die Gegenargumentation zeigt die andere Seite: US-Interventionismus, Prüfungen und Listen verbotener Unternehmen sind ebenso willkürlich, und der Pappmaché-Liberalismus wird nur angewandt, wenn es passt.
Der Vergleich mit Amazon taucht im Austausch auf und lässt Alibaba schlecht aussehen: Das US-Unternehmen handelt mit voller Erwartungsprämie; das chinesische scheint nicht einmal seine eigenen Fundamentaldaten widerzuspiegeln. Die Antwort ist eine rohe Tatsache, kein Argument: Der chinesische Markt insgesamt schwächelt, und daran besteht kein Zweifel.
Michael Burry und große Positionen
Eines der genannten Signale ist die Portfolio-Bewegung von Michael Burry, mit Alibaba und JD als seinen beiden größten Positionen und vollständiger Aufgabe seiner Halbleiter-Optionen. Dass ein Manager, bekannt für seine Wette gegen die US-Immobilienblase, sich mit chinesischen Tech-Werten eindeckt, wird als Bestätigung gelesen, dass es im Sektor Wert gibt.
Auch wird angemerkt, dass das Unternehmen an mehreren Märkten notiert, ohne dass seine Eigentümer noch den euphorischen Modus aktiviert haben. Wenn sie dies tun, warnen Experten, werde man Kerzen sehen, die Aufmerksamkeit erregen.
Die verwirrende Zahl
Trotz alldem liefert die ehrlichste Zusammenfassung eine Nachricht, die keine Analyse bietet: Morgen könnte die Heilung für Krebs entdeckt werden, und die Aktie fällt trotzdem um 2 %. Übertrieben, ja. Aber sie beschreibt einen Wert, bei dem Fundamentaldaten seit Monaten irrelevant sind und wo nur das, was Peking und Washington entscheiden, den Preis bewegt. Fast 10 % Verlust seit November und niemand kann sagen, ob der Boden bei 190, bei 117 oder beim nächsten Schlagzeile liegt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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