Eine Latrine als letzter Rückzugsort: zwei russische Soldaten und ihr Video
Der Kriegsclip, der am meisten die Runde gemacht hat, zeigt keine Panzerkolonne und kein Artillerieduell auf freiem Feld. Er zeigt zwei russische Soldaten, die sich im Inneren einer Latrine verschanzt haben und feuern, während ukrainische Truppen sie umzingeln. Die Szene, mit fast sportlichem Eifer verbreitet, hat zugleich Gelächter, Unbehagen und eine Grundsatzdebatte ausgelöst: Was kann man am Tod im Kampf feiern? Das Material nennt weder genaues Datum noch genauen Ort; was es jedoch deutlich macht, ist, dass das Video als Thermometer dafür dient, wie dieser Krieg aus der Ferne konsumiert wird.
Was ist im Latrinen-Video zu sehen?
Die wiederkehrende Beschreibung ist die einer improvisierten Stellung. Die beiden Soldaten, die sich umzingelt sehen, flüchten sich in einen Toilettenblock und erwidern von dort das Feuer, anstatt sich mit den Händen hinter dem Kopf auf den Boden zu werfen, was die übliche Geste der Kapitulation ist. Für einen Teil des Publikums macht dieses Detail die Szene zu einem Hinterhalt; für einen anderen zu verzweifeltem Widerstand derer, die nicht gefangen genommen werden wollen. Der Streit liegt nicht darin, was man sieht, sondern in dem Wort, das man darüber stülpt.
Zum Ausmaß des Feuers gibt es ein wiederkehrendes Detail: Laut einem kursierenden Kommentar wurden zwei volle Magazine gegen einen einzigen Mann verbraucht, der sich in einer Toilette verschanzt hatte. Der Kommentar, als ironische Pointe wiederholt, veranschaulicht das materielle Ungleichgewicht besser als alles andere. Darin ist das Merkmal zusammengefasst, das diesen Krieg definiert: Die eine Seite verbraucht Munition wie jemand, der ein Feld bewässert, die andere teilt sie sich ein.
GoPro, Drohnen und der Krieg als Inhalt
Der Clip existiert nicht zufällig. Kampfhandlungen, mit einer am Helm befestigten Actionkamera gefilmt und später auf Messaging-Plattformen hochgeladen: Die Sequenz ist so normal geworden, dass die moderne Ausrüstung und die Gewehre ebenso viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen wie der Kampf selbst. Ein Soldat mit Kamera und ein anderer, dem laut einem der Kommentare nicht einmal Toilettenpapier zur Verfügung steht. Diese Asymmetrie ist die eigentliche Schlagzeile des Videos.
Die Frage, wer filmt und warum, ist mittlerweile unvermeidlich geworden. Die Kämpfer selbst filmen, um zu dokumentieren, sich zu rechtfertigen oder eine Erzählung zu befeuern. Und sie filmen, weil das Bild heute Teil der Bewaffnung ist. Der Unterschied zu früheren Konflikten liegt nicht in der Brutalität – die gab es immer –, sondern in der Verbreitung: Jeder mit einer Verbindung kann sehen, wie ein Fremder stirbt, während er vor dem Bildschirm Snacks isst.
Die Spaltung: den Tod feiern oder ablehnen
Hier bricht der Konsens wirklich auf. Eine Strömung hält einen bewaffneten Kämpfer in fremdem Territorium für ein legitimes Ziel und seinen Tod für vorbehaltlos billigenswert; manche beschreiben ihn sogar als Pflicht und Vergnügen. Dagegen vertritt ein anderer Teil die Auffassung, dass sich am Tod eines Soldaten zu weiden sarracena nicht von seiner Tötung zu unterscheiden ist, und warnt vor dem Preis, den diese Gewohnheit denen abverlangt, die sie aus der Ferne pflegen.
Es ist keine geringe Debatte, auch wenn dabei Beleidigungen fallen. Sie ähnelt dem alten Problem der Kriegspornografie: Das Grauen als Unterhaltung zu konsumieren, stumpft den Konsumenten am Ende ab. Die Latrinenszene, als Gag ausgeschlachtet, ist ein guter Beweis. Wenige fragen, warum zwei Männer schließlich aus einer Toilette feuerten; viele, wie man sie schneller erledigen kann.
Kapitulieren oder sich verstecken: Was die militärische Praxis berücksichtigt
Das wiederkehrende Protokoll ist einfach. Wenn ein Soldat sich ergeben will, macht er sich sichtbar und ohne Waffe. Tut er das nicht, wird er als aktiver Feind behandelt. Auf diesem Axiom bauen zwei gegensätzliche Lesarten des Videos auf. Die erste besagt, dass es sich bei einem Rückzug in eine Latrine und der Erwiderung des Feuers um einen Hinterhalt und nicht um eine Kapitulation handelt und dass derjenige, der diesen Weg wählt, das Ergebnis akzeptiert. Die zweite erinnert an etwas Unbequemeres: Im Grabenkrieg ist die Grenze zwischen Kapitulation und Tod oft eine Frage von Sekunden.
Hinzu kommt ein Argument von relativem Gewicht: Manche behaupten, eine Kapitulation biete Erleichterungen, einschließlich einer Zahlung für die Übergabe schwerer Waffen. Es ist eine Behauptung, die ohne unabhängige Überprüfung kursiert und als solche gelesen werden sollte.
Der unbequeme Kontrast: ein Soldat und zwölf Zivilisten
Der schärfste Punkt kommt, wenn der Fokus auf die Größenordnung gelegt wird. Während ein einzelner in die Enge getriebener Kämpfer stundenlange Kommentare erzeugt, hinterließ ein Raketenangriff auf das Zentrum von Zaporizhha, etwa 30 Kilometer von der nächsten Front entfernt, zwölf tote oder vermisste Zivilisten. Dieser Kontrast – ein Toter in einer Latrine wiegt in der öffentlichen Diskussion mehr als zwölf in einer Stadt – ist die treffendste Kritik an der Diskussion selbst.
Die Zahl kursiert zugeschrieben demjenigen, der sie aufgreift, ohne unabhängige Überprüfung. Aber das Argument hängt nicht von ihrer Genauigkeit ab: Jeder Angriff mit zivilen Opfern sollte mehr Raum einnehmen als ein mit einer Helmkamera aufgenommenes Video.
Es bleibt der übliche Zweifel. Hätte das Video zwei Ukrainer gezeigt, die in derselben Toilette in die Enge getrieben wurden, und denselben Feind, der filmt, hätten wir es dann genauso gesehen, genauso kommentiert, genauso gefeiert?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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