Video zeigt Spaniens Beamtenauswahl durch Auswendiglernen

Vier Jahre Büffeln für eine Stelle: Ein Video einer Kandidatin löst Kritik am spanischen Prüfungssystem aus.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Video zeigt Spaniens Beamtenauswahl durch Auswendiglernen
Spanien belohnt das Gedächtnis: Das Video einer Kandidatin, die dies widerspiegelt

Vier Jahre damit zu verbringen, Lehrmaterialien auswendig zu lernen, ist kein Jurastudium: Es ist ein Training der Diktion. Das Video, das die Diskussion neu entfacht hat, zeigt eine Kandidatin, die ganze Themen mit leerem Blick und schwingendem Kopf rezitiert. Die Sache ist nicht die Frau. Die Sache ist, dass diese Methode entscheidet, wer in die Verwaltung kommt und wer draußen bleibt.

Für einen Teil der Zuschauer ist es bewundernswert: extreme Disziplin, Jahre des Verzichts, ein klares Ziel. Für andere ist es eine Diagnose des Landes: ein System, das Wissen mit Rezitieren verwechselt. Ein Kommentar fasst die Kluft zusammen: Sie kennt den Text im Detail, aber es fehlt ihr Seele. Ein anderer geht weiter: Sie bemüht sich, etwas zu tun, das ein USB-Stick besser kann.

Vier Jahre Lehrstoff wie ein Gebet rezitiert

Der Clip hat nichts Spektakuläres. Eine junge Frau wiederholt die Gesetzestexte mit zusammengekniffenen Augen und einem rhythmischen Schaukeln, das mehrere an mechanisches Beten in einer Synagoge oder an einen Trancezustand aus dem Kino erinnerte. Der Vergleich mit dem Gebet ist kein Zufall: In der spanischen Verwaltung funktioniert das Lehrmaterial wie ein heiliger Text.

Die vier Jahre Vorbereitung sind keine rhetorische Übertreibung: Es ist die Zeit, die der Protagonistin in den Kommentaren selbst zugeschrieben wird. Befürworter der Methode weisen darauf hin, dass Gedächtnis ein Muskel sei und ohne ihn kein juristischer Beruf möglich sei. Kritiker antworten, dass ein Richter den Gesetzbuchtext nicht zitieren muss: Er muss ihn interpretieren.

Warum wählt Spanien nach Gedächtnis statt nach Wissen aus?

Weil das reine Prüfungssystem das Lehrmaterial in einen Langstreckenlauf verwandelt, bei dem derjenige gewinnt, der am besten reproduziert, nicht der, der am besten denkt. Der am häufigsten genannte internationale Kontrast ist Frankreich: Dort, so wird im Thread argumentiert, werden Studien und vorherige Erfahrung bewertet, auch für die Justiz. Die Schule von Bordeaux dauert 31 Monate ohne Gehalt; das darauffolgende Jahr als auditeur wird nur wenig mehr als der Mindestlohn bezahlt, und der Zugang erfolgt mit einem BAC+7, also Bachelor und Master, im Alter von etwa 24 oder 25 Jahren.

Das französische Ergebnis ist ebenfalls hart: Bis fast zum Alter von 30 Jahren verdient man nicht mehr als ein Kellner. Aber der Filter misst etwas anderes. In den USA muss man zehn Jahre als Anwalt praktiziert haben, um vor Gericht sitzen zu dürfen, während in Spanien reicht es, 50 Themen auswendig zu kennen und nie ein Gericht betreten zu haben, laut der am häufigsten zitierten Zusammenfassung.

Das Geschäft rund um das Lehrmaterial: Tutoren und Verlage

Das Lehrmaterial ist nicht nur eine Methode: Es ist ein Markt. Ein Teil der Analyse behauptet, dass das System intakt bleibt, weil Menschen gut davon leben, und beziffert bis zu 4.000 Euro zusätzlich pro Monat, die Tutoren verdienen können, die bereits Beamte sind, während Prüfungsverlage Kurse, Unterricht und Aktualisierungen an ein gefangenes Publikum verkaufen, das keine echte Alternative hat.

Demgegenüber empfiehlt ein anderer Strom das Offensichtliche und Fast-Revolutionäre: Nichts kaufen, zum BOE (Staatsanzeiger) gehen und öffentliche Ressourcen nutzen, das eigene Lehrmaterial aufbauen. Das Problem ist, dass arbeitende Menschen weder Zeit haben, es aufzubauen, noch Geld, es zu kaufen.

Der soziale Ursprung der Stelle

Vier Jahre Studium plus fünf oder mehr Jahre Prüfungsvorbereitung sind ein Jahrzehnt ohne Einkommen oder mit Existenzminimum-Einkommen. Nur Familien, die den Prozess jahrelang finanzieren, können sich das leisten, was die Meritokratie zu einer Frage des vorhandenen Vermögens macht. Wenn man endlich besteht, erhält der Beamte im Praktikum bereits das Grundgehalt seiner Gruppe (A1 oder A2) plus die Zulagen für die Stelle, auf der er arbeitet.

Ein Detail, das oft vermieden wird: Die Stellen haben eine hohe Zahl an Freistellungen. Bei Korps wie den Staatsanwälten (Abogados del Estado) wird über den Bedarf hinaus ausgeschrieben, und die Stelle funktioniert letztlich wie ein Super-Master, der Türen in der Privatwirtschaft öffnet, während der Staat die Struktur beibehält.

Der Vorfilter: 50.000 Kandidaten für 100 Stellen

Bei Massenprüfungen verschärft sich das Problem. Für Hilfskräfte machen psychotechnische Tests bis zu einem Drittel der ersten Prüfung aus: Sie messen kein juristisches Wissen, sondern Geschwindigkeit und Belastbarkeit. Mit Zehntausenden Bewerbern für hundert Stellen wählt der Trichter nicht den Besten aus: Er wählt den aus, der nicht zusammenbricht.

Bei mittleren und lokalen Behörden ist der Filter ein anderer und undurchsichtiger. Mündliche Prüfungen vor Gremien, die nicht immer professionell sind, belohnen, wie ein Kandidat berichtet, denjenigen, der nicht schweigt, auch wenn er wenig sagt. Über lokale Prüfungen schwebt zudem der wiederholte Verdacht auf Vetternwirtschaft und Vorwarnungen mit eingegrenztem Lehrstoff, eine Anschuldigung, die seit Jahren kursiert, ohne dass sie jemand fest beweisen konnte.

Drei Jahre später sind die Videos verschwunden

Die Spur erlischt. Jahre später prüft, wer sich dem Thema widmet, dass die Originalvideos der Protagonistin gelöscht wurden und fasst die Bilanz mit einem trockenen Satz zusammen: Fünf Jahre in den Müll geworfen. Vielleicht hat sie bestanden und arbeitet. Vielleicht nicht. Niemand weiß es.

Und hier taucht die unbequeme Frage auf, die alle Analysen über Auswendiglernen, Gerichte und Tutoren überlebt. Ist es wichtiger, ob jene Frau die Stelle bekommen hat, oder die Tatsache, dass sich Zehntausende von Menschen jahrelang auf eine Prüfung vorbereiten, die genau das belohnt, was sie tat?

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (225 Antworten).

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