KI automatisiert Verwaltung: Stellen bleiben sicher

Bis zu 99 % der Verwaltungsarbeit könnten durch KI ersetzt werden, doch öffentliche Stellen in Spanien bleiben unangetastet.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

KI automatisiert Verwaltung: Stellen bleiben sicher
KI kann 99 % der Vorgänge erledigen: Die Stelle bleibt sicher

Künstliche Intelligenz wird keinen spanischen Beamten entlassen. Dennoch ist sie die ernsthafteste Bedrohung für eine Verwaltungsstelle seit Einführung der öffentlichen Prüfungen (Oposiciones). Die Berechnung, die bei Diskussionen über dieses Thema kursiert, ist drastisch: Zwischen 50 % und 99 % des Verwaltungsaufwands könnten innerhalb weniger Jahre automatisiert werden, so die aggressivsten Schätzungen. Das Problem ist nicht technischer Natur. Es geht darum, was mit den Menschen geschieht, die diese Positionen besetzen.

Was KI in der Verwaltung verspricht

Der Ausgangspunkt dieser Überlegungen ist unbequem: Die Ausschreibungen für den öffentlichen Dienst haben sich vervielfacht, ein Großteil der Arbeit besteht aus Datenerfassung und -registrierung, und eine KI, die an eine für Bürger verständliche Web-Oberfläche angebunden ist, könnte zwischen 50 % und 80 % des Verwaltungsaufwands in fünf Jahren reduzieren. Die Maximalversion derselben Berechnung geht von 99 % der Prozesse aus.

Bemerkenswert ist, dass für den größten Teil der Einsparungen keine KI nötig wäre. Mit herkömmlicher Programmierung lassen sich zehntausende Dateien in Sekunden extrahieren und tabellieren. Der Engpass war nie technischer Natur.

Von der Schreibmaschine zum Bildschirm: Digitalisierung ohne Wandel

Die digitale Transformation der Verwaltung bestand größtenteils darin, das gleiche Papierformular auf einen Bildschirm zu übertragen. Das ist keine IT-Transition: Es bedeutet, das Medium zu wechseln und weiterhin manuell zu tun, was ein Programm automatisch lösen könnte. Die Bilanz dieser Phase wird spöttisch zusammengefasst: In informatischen Begriffen null Fortschritt.

Warum es nicht weiterging, hat eine oft wiederholte Erklärung: Der Austausch der Schreibmaschine war das Einzige, was genehmigt wurde, alles andere wurde ignoriert. Ein anderer Teil der Analyse weist darauf hin, dass die Datenerfassung ausgelagert ist.

Warum die Zahl der Beschäftigten im öffentlichen Dienst nie sinkt

Die historische Entwicklung lädt zur Skepsis ein. Nach den kursierenden Rekonstruktionen gab es zwei große Impulse für den öffentlichen Dienst: einer zu Beginn der Regierungen unter Felipe González und ein weiterer mit der Dezentralisierung der Generalverwaltung des Staates (Administración General del Estado) im Jahr 2001, vereinbart zwischen den beiden großen Parteien. Mit der Aufteilung der Zuständigkeiten multiplizierten die autonomen Regionen Personal und Gehälter ohne effektive Kontrolle.

Die Krise von 2009 reduzierte den öffentlichen Dienst leicht, nicht aus Überzeugung, sondern weil die Finanzierung der Expansion nicht mehr möglich war. Niemand wurde entlassen. Hinzu kommt eine stark gewerkschaftlich organisierte Struktur und eine politische Klasse, in der es nach verbreiteter Ansicht viele beurlaubte Beamte gibt. Manche ziehen daraus eine zynische Schlussfolgerung: Der öffentliche Dienst diene nicht dazu, bessere Dienste zu leisten, sondern um die Beschäftigungszahlen hochzuhalten und Personal unterzubringen.

Manche gehen noch weiter und behaupten, dass nur etwa 10 % des Personals den Betrieb am Laufen halten, während der Rest eine statistische Funktion erfüllt. Diese Aussage ist dokumentarisch nicht belegt, erklärt aber, warum niemand erwartet, dass die Lohnlisten angefasst werden.

Das Verfahren, das immer noch Papier und Warteschlangen erfordert

Konkrete Beispiele zeichnen das System besser ab. Wer eine Baugenehmigung beantragt, stellt fest, dass unter den geforderten Dokumenten die Zahlungsbestätigung einer Steuer ist, die nur persönlich abgeholt werden kann; wenn der Antrag elektronisch eingereicht wird, muss diese Bestätigung beigefügt werden. Der Ausweg besteht darin, ein leeres Formular einzureichen, den Eingang registrieren zu lassen und zu warten: Wenn innerhalb von 20 Tagen keine Antwort erfolgt, gilt die Genehmigung als erteilt, und erst dann wird die Zahlung fällig.

Wo nichts berechnet werden muss, geht es langsamer zu. Kostenlose Genehmigungen und Lizenzen, die von einer administrativen Freigabe abhängen, weisen die längsten Verzögerungen auf. Die Pflicht zur elektronischen Kommunikation und Instrumente wie das Register der befugten Beamten erscheinen als der Horizont, der einen Großteil des Personals überflüssig machen würde.

Ist ein Beamter ein Umverteilungsinstrument?

Hier teilt sich die Analyse. Eine Verwaltungsangestellte (Auxiliar Administrativo) erhält rund 20.000 Euro Bruttojahresgehalt, das in Form von Miete, Essen und Dienstleistungen in den Wirtschaftskreislauf zurückfließ: Den Arbeitsplatz zu vernichten, zerstört auch die Nachfrage, die Klempner, Transportunternehmen und Einzelhändler trägt. Das ist das Argument der einen Seite.

Die Gegenargumentation lautet, dass dieses Gehalt von allen bezahlt wird, einschließlich jenen, die bereits der Automatisierung ausgesetzt sind und kein Sicherheitsnetz haben. Und dass das Problem nicht die Gesamtzahl der öffentlichen Bediensteten ist, sondern ihre Verteilung: Wenn es zu viele Verwaltungsangestellte und zu wenige Krankenschwestern gibt, ist die Entscheidung keine politische, sondern eine rechnerische.

Das Paradoxon: Mehr Technologie, mehr Bürokratie

Es gibt eine unbequeme Prognose. Die Produktivität steigt durch Technologie, aber nicht unbedingt der Service: Da mehr Daten verarbeitet werden können, könnte die Maschinerie die Anzahl der Verfahren und Normen ins Unendliche steigern, wobei ein Sprachmodell Dekrete verfasst und die Bürokratie vermehrt. Mit dem hydrodynamischsten Ruder erhält der Ruderer doppelte Peitschenhiebe, um zehnmal schneller zu rudern.

Umschulung, Vorruhestand oder Abwarten

Die diskutierten Lösungswege reichen von Optimismus bis Resignation. Erstens: Umschulung – so wie man vom Durchschlagpapier zum Computer wechselte, würde man nun vom Verwaltungsangestellten zum KI-Bediener. Zweitens, profaner: Die Arbeit reduziert sich darauf, das System um 8:30 Uhr einzuschalten und um 15:00 Uhr auszuschalten. Drittens glauben manche, dass die Stellen gesetzlich geschützt werden und niemand den öffentlichen Dienst antasten wird.

Und ein dritter Weg, der pessimistischste: Dass die Anpassung nicht durch politische Entscheidung erfolgt, sondern durch Kollaps. Wenn der private Sektor beginnt, durch Automatisierung netto Arbeitsplätze zu vernichten, kann der öffentliche Sektor die aktuelle Struktur nicht aufrechterhalten. Der genannte Zeithorizont liegt bei rund fünf Jahrzehnten. Niemand setzt auf diese Wette.

Das Wahrscheinlichste, wenn man die historische Reihe betrachtet, ist, dass der Personalbestand nicht sinkt und die Zahl der Verfahren wächst, um ihn zu rechtfertigen. Wenn diese Prognose jemals scheitert, wird sie durch die Tür scheitern, die niemand bewacht: die des privaten Sektors.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (288 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver