Vermieter wegen Gewalt bei Räumung zu Haft verurteilt

Ein spanisches Ehepaar wurde zu einem Jahr Gefängnis und 4.000 Euro Geldstrafe verurteilt, weil es Schläger zur Zwangsräumung einer Mieterin einsetzte.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Vermieter wegen Gewalt bei Räumung zu Haft verurteilt
Ein Jahr Haft für Einsatz von Schlägern bei Räumung

Was passiert, wenn ein Vermieter beschließt, nicht auf die Justiz zu warten? Er endet mit Vorstrafen. Ein Paar von Vermietern wurde zu einem Jahr Gefängnis und 4.000 Euro verurteilt, weil sie Schläger schickten, um eine Mieterin rauszuwerfen, die zwei Monate Miete nicht gezahlt hatte. Die Frau, eine Mutter mit zwei Kindern im Alter von vier und fünf Jahren, hatte aufgehört zu zahlen. Die Eigentümer wählten den schnellen Weg: Ohne auf behördliche Verfahren zu warten, beauftragten sie Leute für die Drecksarbeit. Das Ergebnis war vorhersehbar. Die Mieterin ging. Sie wurden verurteilt.

Der Fall hat die Debatte über den sozialen Schutzschild (spanische Wohnraum-Schutzmaßnahmen) wieder entfacht und darüber, wer wirklich die Rechnung eines Systems zahlt, das laut Kritikern kleine Vermieter in Geiselhaft nimmt und säumige Zahler unantastbar macht. Die Diskussion dreht sich nicht um Schläger. Es geht um Fristen, Anreize und ein Gesetz, das je nach Perspektive alle schützt außer denen, die das Eigentum besitzen.

Wie lange dauert eine Zwangsräumung in Spanien wirklich?

Kurze Antwort: Zu lange. Nach Berechnungen in der öffentlichen Debatte liegt die durchschnittliche Zeit von Klageerhebung bis zur tatsächlichen Räumung zwischen 8 und 15 Monaten, wenn alles glatt läuft. Mit minderjährigen Kindern im Haushalt zieht sich der Kalender noch weiter. Manche argumentieren, dass zwei Monate Mietschulden zu einem zweijährigen Gerichtsverfahren werden können, in dem der Vermieter weiterhin Hypothek, Hausgeld, IBI (Grundsteuer) und Sonderumlagen zahlt, während die Wohnung keinen einzigen Euro einbringt.

Diese Differenz zwischen juristischer Dauer und existenzieller Not ist der Kern des Problems. Der Vermieter, der zum Gericht geht, akzeptiert, dass der Mieter in dieser Zeit mietfrei lebt. Wer das Verfahren umgeht, riskiert, wie bewiesen, Vorstrafen. Es gibt keinen dritten Weg. Die Gleichung ist so konstruiert, dass Geduld die einzige legale Option ist, und finanziell gesehen ist Geduld ein Aderlass.

Das Mieterprofil, das niemand will

Auf dem Mietmarkt hat sich ein Auswahlverfahren durchgesetzt, das die Mehrheit ausschließt. Die Schwelle vom Dreifachen der Miete als Bonitätsnachweis ist heute Standard: Für eine Miete von 1.500 Euro werden 4.500 Euro Netto monatlich verlangt, entweder aus einem Gehalt oder mehreren Quellen zusammen. Das schließt jeden Durchschnittsverdiener sofort aus. Der ideale Mieter ist nicht mehr der klassische Beamte – der eher kauft –, sondern der digitale Nomade mit Fremdwährungsvertrag, der expatriierte Manager mit Umzugspaket oder der Angestellte eines multinationalen Konzerns mit sicherem Gehalt.

Manche weisen darauf hin, dass das Profil mit dem stärksten rechtlichen und medialen Schutz genau das in diesem Fall ist: Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern. Es wird argumentiert, dass die Vermietung an dieses Profil einen Blankoscheck bedeutet, da der soziale Schutzschild jede Räumung zum Labyrinth macht. Dagegen steht unbequeme Datenlage: Die überwiegende Mehrheit der Mieter zahlt und macht keine Probleme, und die meisten Vermieter sind keine Großinvestoren, sondern Privatpersonen mit ein oder zwei Wohnungen. Die vollständige Kalkulation mit Kosten für Zahlungsausfall, Versicherung, IBI und Umlagen zeigt Ergebnisse, die überraschen, wer glaubt, Vermieten sei ein Selbstläufer.

Die Falle des sozialen Schutzschilds

Der soziale Schutzschild wurde entworfen, um Verletzliche zu schützen. In der Praxis kann er jedoch professionelle Nichtzahler schützen und kleine Vermieter bestrafen. Das System fördert genau das Gegenteil dessen, was es zu schützen vorgibt: Je länger die Räumung dauert, desto profitabler wird das Nichtzahlen. Und je profitabler das Nichtzahlen, desto enger wird der Markt für jene, die zahlen.

Die logische Konsequenz dieses Kreislaufs ist bereits sichtbar: Kleine Vermieter verschwinden vom Markt. Warum vermieten, wenn die Wohnung verwüstet zurückgegeben wird, man kein Geld sieht und Monate oder Jahre braucht, um sie zurückzubekommen? Das Angebot konzentriert sich auf Luxusmieten oder ultra-sichere Profile, während der Durchschnittsmieter – der pünktlich zahlt – um weniger Wohnungen zu höheren Preisen konkurriert. Die Wohnungspolitik, die Mieten senken sollte, hat den Zugang verteuert und bescheidene Vermieter verdrängt.

Das Dilemma des Vermieters: Gericht oder Schläger

Die Verurteilung sendet eine zwiespältige Botschaft. Einerseits ist klar: Eigenmacht führt ins Gefängnis. Andererseits findet der Vermieter, der zum Gericht geht, heraus, dass das Verfahren über ein Jahr dauern kann und er in dieser Zeit weiter zahlt. Dass die Mieterin gegangen ist, ist paradoxerweise die einzige gute Nachricht des Falls. Es geschah schlampig, aber effektiv: Es gab keinen anderen Weg, sie loszuwerden.

Das ist der Knotenpunkt. Das System bietet keinen schnellen, legalen Weg, eine besetzte oder unbezahlte Wohnung zurückzuerlangen. Es bietet einen langsamen legalen Weg und einen schnellen illegalen, der vor Gericht endet, wo der Vermieter auf der Anklagebank sitzt. Wenn der Staat die Vollstreckung einer Räumung innerhalb einer angemessenen Frist nicht garantiert, delegiert er Gewalt an Private. Und verurteilt sie dann dafür.

Wer gewinnt unter diesem System?

Niemand, außer denen, die nicht zahlen. Vermieter verlieren Geld, Zeit und im Extremfall ihre Freiheit. Zahlende Mieter konkurrieren um weniger Angebot zu höheren Preisen. Die wirklich Verletzlichen werden mit professionellen Nichtzahlern in einen Topf geworfen und verlieren Glaubwürdigkeit. Und der Staat, der eigentlich der Schild sein sollte, beschränkt sich darauf, Steuern einzuziehen und wegzuschauen, während die Gerichte verstopfen.

Solange die öffentliche Debatte sich auf den Schläger konzentriert und nicht auf die Fristen, wird das Problem ungelöst bleiben. Die Frage ist nicht, ob es falsch ist, jemanden zur gewaltsamen Räumung zu schicken. Das ist offensichtlich. Die Frage ist, warum ein Vermieter mit Mietschulden glaubt, dies sei sein einziger Ausweg. Heute lautet die Antwort: Das Gesetz gibt ihm recht und berechnet ihm dafür seine Zeit.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (123 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver