Valencia-Brand: Evakuierungsprotokoll kostete Leben

Bei einem Gebäudebrand in Valencia wies die Feuerwehr Nachbarn an, in ihren Wohnungen zu bleiben. Die Todesopfer befanden sich im zweiten Block.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Valencia-Brand: Evakuierungsprotokoll kostete Leben
Zuhause bleiben, während die Fassade brannte

Was soll jemand tun, wenn das Gebäude, in dem er schläft, anfängt zu brennen? Die Antwort der Feuerwehr beim Brand eines Wohnblocks in Valencia war eindeutig: Nicht rausgehen, in der Wohnung bleiben, Türen und Fenster schließen und warten. Die Antwort, die laut den später bekannt gewordenen Berichten viele Nachbarn rettete, war genau das Gegenteil: So schnell wie möglich die Treppe hinunter, bevor das Feuer die Fassade verschlang.

Das Protokoll wurde buchstabengetreu angewendet. Laut den verbreiteten Zeugenaussagen waren die Todesopfer auf einen zweiten Gebäudeteil konzentriert, der eine halbe Stunde brauchte, um vollständig zu brennen, während der erste Teil, wo der Hausmeister von Etage zu Etage ging, um die Bewohner zu warnen, fast unversehrt blieb. Die Frage, die den Fall seitdem überschattet, hat keine gute offizielle Antwort: Warum wurde der Ausgang für jene blockiert, die noch hätten fliehen können?

Was im zweiten Gebäude des Valencia-Brands geschah

Die nach und nach bekannt gewordenen Zeugenaussagen deuten alle in dieselbe Richtung. Demnach waren die Feuerwehrleute im ersten Block weniger als 200 Meter entfernt, als der Brand ausbrach, aber nur zwei Einheiten wurden entsandt. Währenddessen stieg ein Hausmeister durch die Stockwerke und rief zum Verlassen der Wohnungen auf, und die meisten Nachbarn entkamen rechtzeitig über die Treppen. Im zweiten Gebäude verlief die Geschichte anders.

Nach dem Bericht des Vaters eines Mieters, der auf derselben Etage wie die verstorbene Familie lebte, rief sein Sohn ihn an, um ihm mitzuteilen, dass die Feuerwehr ihn nicht hinunterlassen würde. Der Vater antwortete, er solle nicht darauf hören und trotzdem hinuntergehen. Er ging hinunter. Er überlebte. Andere hatten dieses Gespräch nicht rechtzeitig, und die Todesopfer befanden sich, laut den Informationen, die im Laufe der Zeit auftauchten, genau in diesem zweiten Block.

Der Vergleich schmerzt: Zwei aneinandergrenzende Gebäude, dieselbe Nacht, dasselbe Feuer, zwei gegensätzliche Ausgänge. In einem galt der Befehl, sich nicht zu bewegen; im anderen tat ein Angestellter des Hauses mit einem Schlüsselbund das, was jeder vernünftige Mensch getan hätte.

Warum das Protokoll der Feuerwehr dazu auffordert, sich einzuschließen

Die Logik des Einschließens ist nicht willkürlich und sollte nicht mit einem Witz abgetan werden. Bei der überwiegenden Mehrheit der Wohnungsbrände – das wiederholte Argument lautet, dass dies bei 999 von 1.000 Fällen zutrifft – füllen sich die Gemeinschaftsbereiche mit giftigem Rauch, der jeden, der versucht hinunterzugehen, innerhalb von Sekunden bewusstlos macht. Das Schließen der Tür und das Abdichten der Ritzen kauft Zeit. Flucht über ein rauchgefülltes Treppenhaus verliert oft diese Zeit.

Das Problem ist, dass diese Überlegung einen _normalen_ Brand voraussetzt. Und dieser war keiner. Die Fassade brannte außen, das Innere der Wohnungen war intakt und die Treppenhäuser waren passierbar. Das Protokoll schützt vor Rauch, der im Treppenhaus aufsteigt; es sieht keine Wand vor, die zu festem Benzin wird.

Daraus ergibt sich der Konflikt, der die gesamte Angelegenheit durchzieht: Einige verteidigen, dass die Norm existiert, weil sie im Durchschnittsfall funktioniert, und dass blindes Ignorieren mehr Menschen tötet als das Befolgen; andere antworten, dass ein Einsatzleiter mit zwanzig Jahren Erfahrung kein Papier braucht, um einen Innenraumbrand von einem Gebäude zu unterscheiden, das von außen in Flammen steht.

Die entzündbare Fassade, die den Plan durchkreuzte

Hier liegt der technische Kernpunkt, den kaum jemand bestreitet. Das Feuer kam nicht aus den Fenstern: Es lief über die Verkleidung. Branchenkenner weisen darauf hin, dass eine Hülle aus brennbarem Material vertikal wie ein Docht wirkt und dass das Schließen von Türen und Fenstern nichts nützt, wenn die Gefahr direkt am Mauerwerk anliegt.

Ein weiteres Ereignis fasst die Ratlosigkeit jener Nacht zusammen. Ein Paar war auf seinem Balkon gefangen und begann, Gesten zu machen, als es sah, dass die Rettungskräfte sie nicht holten, bis Fernsehkameras ihre Situation einfingen. Erst dann, so dieser Bericht, wurde die Rettung eingeleitet: zwei Stunden nachdem sie begonnen hatten, Hilfe zu rufen. Zuvor deuteten ihnen Feuerwehrleute an, wieder hineinzugehen.

Konnte man etwas anderes erwarten? Manche behaupten, die Operation habe mit den verfügbaren Informationen gehandelt und dass eine Neubewertung eines Plans mitten im Einsatz nicht kostenlos sei. Das Gegenargument ist unbequem: Ein ganzes brennendes Gebäude, sichtbar von der Straße und über eine Stunde live übertragen, ist mehr als genug Information, um die Strategie zu ändern.

Ein Jahr später hält die offizielle Version stand

Der Brandschutzchef von Valencia behauptete vom ersten Tag an, das Vorgehen sei korrekt gewesen, und am Jahrestag des Unglücks wiederholte ein Nachrichtensender dies mit einer bemerkenswerten Formulierung: Die Anweisungen der Feuerwehr hätten Leben gerettet, weil die Todesopfer diejenigen waren, die in ihren Wohnungen geblieben seien. Das heißt, sie starben, weil sie nicht gehorchten. Außer dass, laut den verbreiteten Zeugenaussagen, mehrere starben, weil sie gehorchten.

In dieser Erzählung kommen weder der Hausmeister, der das erste Gebäude evakuierte, noch die Fassade, noch die Existenz zweier Blöcke mit gegensätzlichen Ergebnissen vor. Was für den nächsten Brand offen bleibt, ist genau die Empfehlung, die in jener Nacht gegeben wurde, nun mit noch größerer Sicherheit wiederholt.

Die Überprüfung eines Protokolls kostet weit weniger als eine Beerdigung. Aber es erfordert, dass jemand zugibt, einen Fehler gemacht zu haben. Und Zugeständnisse sind, wie es scheint, immer noch teurer als alles andere.



Quellen: Levante-EMV (Berichterstattung über das Unglück und Zeugenaussagen der Nachbarn)

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (153 Antworten).

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