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Valencia: Brand in Campanar durch entflammbare Fassaden
Der Brand im Valencia-Viertel Campanar forderte neun Todesopfer. Die Fassade aus Polyurethan erinnert an die Katastrophe des Grenfell Tower.
Valencia: Brand in Campanar durch entflammbare Fassaden
Kann ein Wohnblock binnen Minuten von unten nach oben komplett ausbrennen? Am 22. Februar 2024 lieferten zwei Türme im Valencianer Stadtteil Campanar vor den Kameras der halben Nation die Antwort. Das Feuer beschränkte sich nicht auf eine Wohnung, sondern kletterte über die Außenhülle empor und hinterließ nur noch ein verkohltes Gerüst. Zum Zeitpunkt dieser Diskussion lautet die vorläufige Bilanz neun Tote. Sechs Jahre zuvor brannte der Londoner Grenfell Tower ähnlich ab, mit 72 Toten und 74 Verletzten, insgesamt 146 Opfer.
Warum eine vorgehängte hinterlüftete Fassade das Feuer über alle Stockwerke verteilt
Der Mechanismus ist seit Jahren bekannt. Eine vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF) lässt einen Luftspalt zwischen Dämmung und äußerer Platte. Dieser Spalt verbessert die thermische Leistung des Gebäudes, wirkt aber auch wie ein Kamin: Heiße Luft steigt auf, zieht Flammen mit und verteilt sie auf jede Etage. Ist die Dämmung aus Polyurethan, brennt das Material nicht nur, es tropft, entzündet alles Berührte und setzt giftigen Rauch frei. „Feuerregen“, nannten es Zeugen, die den Brand von der Straße filmten. Fenster bersten durch die Hitze, sodass das Innere jeder Wohnung zur nächsten Station des Infernos wird. Eine solche Fassade ist kein Zufall, sondern ein unbeabsichtigt konzipierter Weg für das Feuer.
Die Berechnung, die Dutzende Tote vorhersagte, statt der bestätigten neun
In der britischen Presse war zu lesen, dass in den beiden Gebäuden rund 450 Menschen lebten, weit mehr als die etwa 150 Bewohner im Grenfell Tower in der Brandnacht. Daraus entstand eine katastrophale Prognose: Wenn sich das Muster wiederholte und niemand evakuierte, könnte die Zahl der Opfer die Londoner Werte um ein Vielfaches übertreffen. Die reale Bilanz lag deutlich niedriger. Der Unterschied erklärt sich größtenteils durch den Zeitpunkt: Das Feuer überraschte die Nachbarn nicht mitten in der Nacht. Wer das Schlimmste prophezeite, irrte sich – und stand dazu: Lieber eine Fehlprognose als eine höhere Opferzahl.
Steinwolle brennt nicht: Das Problem liegt bei der Klebung
Man sollte die Dämmung vom Gesamtsystem trennen. Steinwolle besteht aus gepressten Basaltfasern, Glaswolle aus Glasfasern: Keine der beiden entzündet sich. Die Katastrophe entsteht, wenn diese Wolle mit Harz auf Aluminiumbleche geklebt wird, denn das Harz brennt. Mechanische Befestigung – Klammern, Schrauben, Netze – verändert das Ergebnis grundlegend. Und nicht alle VHF sind entflammbar: Viele nutzen Keramikplatten. Die sinnvolle Warnung lautet anders: Wer eine Wohnung mit einer zwischen 2000 und 2010 errichteten VHF kauft oder bewohnt, sollte prüfen, was dahinter steckt.
Sechs Jahre Genehmigungen, Gebühren und fehlende Aufsicht
Das Unbequeme ist nicht das Material, sondern der Zeitplan. Der Grenfell Tower brannte 2017, doch seither hat sich nicht genug geändert, damit ein neues Gebäude dieselbe Kombination vermeidet. Projekte durchlaufen einen Anhang mit Energieberechnungen, gerechtfertigt auf einer Ministeriums-Website: Optimiert wird die Dämmleistung, nicht das Brandverhalten. Wer Gesetze erlässt, genehmigt und Gebühren erhebt, beansprucht die Aufsicht; versagt diese, liegt die Verantwortung dort. In Großbritannien wurde argumentiert, der Staat trage keine Verantwortung. Dieses Argument ist sechs Jahre später immer noch gültig.
Das Video des Bauträgers, das mit dem Brand wiederauftauchte
Eine Kuriosität kursierte in diesen Tagen. Der Bauträger FBEX veröffentlichte 2006 auf YouTube ein Werbevideo der Türme, 432 Sekunden lang voller Lob für Ausstattung und Effizienz. Das Material tauchte wieder auf, verglichen mit den Bildern der Katastrophe. Siebzehn Jahre zwischen Ankündigung und Realität. Bereits 1983 brannte Alcalá 20 aus demselben Grund, massenhaft entflammbare Kunststoffe, mit etwa 80 Toten. Vierzig Jahre, dieselbe Lektion und dieselbe Vergesslichkeit.
Beruhigend wäre, wenn niemand etwas vorhergesehen hätte. Was geschah, ist genau das Gegenteil: Es war vorhersehbar, dokumentiert und bekannt. Das sichtbare Mauerwerk des letzten Jahrhunderts steht noch, erfüllt seinen Zweck, ohne dass jemand ein Video darüber dreht.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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