Unabomber: 16 Bomben, drei Tote und 17 Jahre FBI-Fahndung

16 Bomben, 3 Tote und 17 Jahre Flucht vor dem FBI: Kaczynskis Manifest, das Harvard-Experiment und die offenen Fragen im Fall Unabomber.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Unabomber: 16 Bomben, drei Tote und 17 Jahre FBI-Fahndung
Siebzehn Jahre Flucht vor dem FBI mit 16 Bomben und nur drei Toten

Sechzehn Paketbomben. Siebzehn Jahre Ermittlung. Drei Tote. Die Arithmetik des Unabomber-Falls geht nicht mit der eines gewöhnlichen Serienmörders auf, und genau darin liegt das Interesse. Ein promovierter Mathematiker mit Harvard-Ausbildung, der Sprengstoffe mit Laborpräzision bauen konnte, dosierte seine Gewalt zwei Jahrzehnte lang, ohne dass das FBI ihm ein Gesicht zuordnen konnte. Als man ihn endlich zu fassen glaubte, zeigte das veröffentlichte Phantombild einen Verkäufer, dem die einzige Zeugin begegnet war. Die Serie Manhunt: Unabomber, auf Netflix verfügbar, hat eine Akte zurück ins Rampenlicht geholt, die nie endgültig geschlossen wurde und die der Tod von Ted Kaczynski, mit 81 Jahren und im Gefängnis, für einige wieder öffnete.

Ein Manifest, das das System veröffentlichen musste

Der Text, den Kaczynski als FC —Freedom Club— unterzeichnete und der den Titel Die industrielle Gesellschaft und ihre Zukunft trägt, ist für viele Leser der Schlüssel und der eigentliche Grund, warum der Fall zählt. Es ist kein Pamphlet gegen die Maschinen, sondern eine Analyse des Prozesses der Übersozialisierung: wie technologisch komplexe Gesellschaften die Handlungsfreiheit des Einzelnen einschränken, bis er unfähig ist, selbstständig zu denken. Seine Zergliederung des Linkstums —mehr als psychologischer Typ denn als Ideologie verstanden, als eine Sammlung verwandter Typen— wird von denen am häufigsten zitiert, die zum Text zurückkehren. Die Papierausgabe enthält eine Anmerkung des Autors selbst, in der er die Übersetzung billigt, ein Detail, das zeigt, wie sehr er gelesen werden wollte und nicht nur gefürchtet.

Die Arithmetik taucht hier wieder auf. Von sechzehn Sprengsätzen forderten nur drei Todesopfer. Wer das Manifest mit dieser Zahl vor Augen liest, zieht eine unbequeme Schlussfolgerung: Das Ziel war nicht, viele zu töten, sondern genug Aufmerksamkeit zu erregen, damit seine Ideen gedruckt würden. Und es funktionierte. Der Text wurde schließlich in der Presse veröffentlicht, wenn auch Kaczynski mit der Art und Weise, wie er erschien, nie zufrieden war.

Die Harvard-Experimente und der Schatten von MK-Ultra

Über seine Universitätszeit kursiert eine Behauptung, die nicht neu ist: dass Kaczynski als Student einem Experiment zur Gedankenkontrolle ausgesetzt war —theoretisch freiwillig— im Rahmen der Programme, die später als MK-Ultra bekannt wurden. Sein eigener Bruder bemerkte nach diesen Tests einen tiefgreifenden Wandel: vom Genie mit Eigenheiten zum verschlossenen Introvertierten. In dieselbe Umgebung wurden andere Figuren eingeordnet, darunter Leonard Cohen, in einem Experiment im Zusammenhang mit Schlafentzug.

Der begründete Zweifel ist nicht, ob diese Programme existierten. Das taten sie. Der Zweifel gilt ihrem tatsächlichen Ausmaß und dem, was daran messbar blieb. Es gibt keine öffentliche Dokumentation, die diese Frage schließt, und wer behauptet, der Fall sei eine perfekt konstruierte Geheimdienstoperation, spekuliert, statt zu dokumentieren.

Ein Mann oder ein Team hinter den Bomben?

Die Hypothese, der Unabomber sei mehr als ein Einzelner gewesen —eine Gruppe, ein Programm, eine Ablenkungsoperation—, hat einen konkreten Anhaltspunkt: die Signatur FC, Freedom Club, im Plural. Und einen symbolischen: der Essay von Michael A. Hoffman II, der den Fall mit den Kulten der Ceres und rituellen Opfern verbindet, aufgenommen in die Anthologie Apocalypse culture und entnommen der apophenischen Lesart von James Shelby Downard. Manche halten dafür, dass das Verschwinden des Unabomber von der Bildfläche 1987 und sein späteres Wiederauftauchen mit einer ausgereifteren Botschaft schlecht zum Werdegang einer einzigen Person passen.

Dagegen wiegt die Gerichtsakte: Kaczynski bekannte sich schuldig, und kein Gericht hat die Gruppenthese gestützt. Als Spekulation ist sie ergiebig. Als Fakt geht sie nicht darüber hinaus.

Die Verbindung zur Cyber-Elite

Der merkwürdigste zutage getretene Punkt weist auf John Brockman, den Förderer einer Cyber-Elite von Wissenschaftlern, die in den achtziger Jahren begann, mit multimedialen Werkzeugen zu arbeiten. 1993, als der Unabomber nach mehreren Jahren Schweigen wieder auftauchte, erreichte eine Paketbombe David Gelernter, einen Informatiker, der mit diesem Netzwerk verbunden war. Zufall, gezieltes Ziel oder erzwungene Deutung — so bleibt es. Und am Grund des Falls liegt der alte Verdacht, dass ein einzelner Mann ein Gebilde dieses Ausmaßes nicht errichten kann, ohne dass irgendjemand, in irgendeinem Büro, mehr weiß, als er sagt.

Der Tod im Gefängnis und die offenen Fragen

Kaczynski starb mit 81 Jahren in einem Bundesgefängnis. Er war seit anderthalb Jahren krank und hatte seinen Zustand selbst bekannt gegeben: im besten Fall, sagte er, blieben ihm zwei Jahre zu leben, eines davon im Leiden. Man fand ihn in den frühen Morgenstunden bewusstlos; um acht Uhr morgens war er tot. Die Ursachen wurden nicht bekannt gegeben. In einem Fall, in dem fast nichts vollständig erzählt wurde, kam selbst das Ende hinter verschlossenen Türen. Das Detail der Impfung —er hatte sie, wie die anderen Insassen, erhalten, weil er im Gefängnis war— nährt Hypothesen ohne Belege, die sie stützen, zeigt aber, wie sehr die Akte als Projektionsfläche funktioniert, auf die jeder seine Verdächtigungen gegenüber der Macht wirft.

Siebzehn Jahre, sechzehn Bomben, drei Tote und ein Manifest, das weiterhin in Papierform verkauft wird. Worum geht es im Fall Unabomber wirklich: um einen einsamen Mathematiker, um ein System, das eine Ewigkeit brauchte, um auf den zu zeigen, der direkt vor ihm stand, oder um etwas, das keine der beiden Versionen vollständig erklärt?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (73 Antworten).

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