Das grüne Leuchten deines alten Spielzeugs war Chemie, keine Esoterik

Das grüne Leuchten phosphoreszierender Spielzeuge war keine Aura: Es war Zink, Strontiumaluminat oder Radium-226. Die Chemie hinter dem Mysterium.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Das grüne Leuchten deines alten Spielzeugs war Chemie, keine Esoterik
Warum dein Plastikdinosaurier im Dunkeln grün leuchtete

Warum leuchtete jenes Spielzeug grün, das du immer bei dir trugst? Die unbequeme Antwort: Es leuchtete nicht wegen dir und auch nicht wegen irgendetwas aus einer anderen Dimension. Phosphoreszierendes Kunststoff speichert Photonen und gibt sie ab, wenn das Licht ausgeht – ein seit über einem Jahrhundert dokumentiertes Phänomen. Was viele Aura, spirituelle Verbindung oder Zeichen einer anderen Welt genannt haben, braucht kein Etikett und birgt kein Mysterium: Es ist Chemie, und in manchen Fällen – wenige, aber reale – echte Strahlung.

Zinksulfid: das billige Nachkriegsgrün

Der klassische grünliche Schein alter Spielzeuge ist Zinksulfid, das sogenannte Willemits-Grün. Eine billige deutsche Nachkriegs-Leuchtfarbe, die sich unter jeder Glühbirne auflädt und Minutenlang ein blasses Leuchten abgibt. Keine astrale Energie: nur angeregte Elektronen, die an ihren Platz zurückkehren. Die Aura ist ein Photon mit schlechter Presse.

Von Radium-226 zu den in den USA verkauften Uran-Spielzeugen

Stammte das Spielzeug aus den Fünfziger- bis Siebzigerjahren und leuchtete von selbst, wird die Erklärung eine Stufe höher: Radium-226 und die Gilbert-U-238-Kits, die in den Vereinigten Staaten vertrieben wurden. Dort war die Aura buchstäblich Alphastrahlung. Die Radium-Mädchen staunten nicht über Auren; ihnen fielen die Kiefer ab. Der Witz ist alt, aber das Material war alles andere als harmlos.

Die japanische Erfindung von 1993, die alles veränderte

In den Neunzigern wechselte die Verbindung. Mit Europium dotiertes Strontiumaluminat (SrAl2O4:Eu), das 1993 aus Japan kam, löste die alte Zinkfarbe ab. Es lädt sich mit jedem Restlicht auf – sogar vom eingeschalteten Fernseher – und gibt ein stundenlang sichtbares Grün ab, bis zu zehnmal intensiver. Das Spielzeug hat sich über die Jahre nicht verändert: verändert hat sich, wer ihm Photonen fütterte.

Und wenn das Leuchten erst mit der Zeit auftrat, dreht sich die Erklärung um

Der Leuchtstoff eines Spielzeugs leuchtet vom ersten Tag an und verblasst über Jahrzehnte, nicht umgekehrt. Kam der Schein erst nach Jahren in feuchter Lagerung, muss man anderswo suchen: biolumineszente Bakterien wie Photobacterium phosphoreum, die altes Kunststoff besiedeln, oder Pilze wie Armillaria und Mycena, das alte Foxfire. Auch Reste von weißem Phosphor in sehr altem, schlecht ausgehärtetem Kunststoff kommen infrage. Der Dinosaurier hatte Leben – nur nicht das, was man sich wünschen würde.

Von der grünen Aura zu Aiwass und dem freien Willen

Wie so oft geriet die Sache ins Gleiten. Von der Photolumineszenz zu Damasios somatischem Marker, vom Libet-Experiment 1983 zu Schurgers Überarbeitung 2012, von Kahneman und Deatons Glücksschwelle zu den Worten von Aiwass, die Aleister Crowley 1904 in Kairo empfangen haben will. Eine PVC-Puppe endete damit, Spinoza und Schopenhauer zu zitieren. Der Sprung hat seine Logik, auch wenn niemand das Spielzeug darum bat.



Am Ende hat sich die Puppe nicht verändert: verändert hat sich, wer ihr Photonen fütterte. Und wer das Etikett nicht lesen will, findet immer ein astrales Wesen, wo nur Europium war.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (67 Antworten).

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