Ukrainischer Wehrpflichtiger weint auf dem Weg nach Bachmut

Ein junger ukrainischer Wehrpflichtiger weint in einem Video auf dem Weg nach Bachmut. Die Szene löst die Debatte über die Rekrutierung und darüber neu aus, wer an die Front muss.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Ukrainischer Wehrpflichtiger weint auf dem Weg nach Bachmut
Ein ukrainischer Wehrpflichtiger weint, als er erfährt, dass er nach Bachmut soll

Was geht einem Mann durch den Kopf, wenn man ihn in einen Bus setzt und ihm sagt, dass sein Ziel Bachmut ist? Das Video, das in diesen Tagen kursiert, zeigt einen jungen ukrainischen Wehrpflichtigen in Uniform, sichtlich verzweifelt, der in Tränen ausbricht, während er erklärt, dass man ihn an die Front schickt. Die Szene dauert ein paar Sekunden. Der Kommentar dazu —Verachtung, Spott und das Etikett „ein Heulsuse mehr“— bleibt viel länger im Gedächtnis derjenigen haften, die ihn lesen. Und der Grund, warum dieser junge Mann in einem Lkw landet und nicht an der Grenze, ist der Kern der Sache.

Der Clip ist kein offizielles Dokument und keine Pressemitteilung: Es ist eine Aufnahme, die von einem Kommentator höhnisch verbreitet wurde, der nach Ansicht mehrerer Leser zwar gute Informationen liefert, aber keine Gefühle hat. Diese Mischung —nützliche Daten, serviert mit Gleichgültigkeit— hat die Diskussion entfacht. Denn es geht nicht darum, ob der junge Mann zu viel oder zu wenig weint, sondern darum, wer an die Front muss, wer zurückbleibt und wer rechtzeitig gegangen ist.

Wer landet in Bachmut, und wer nicht?

In dieser Erzählung erscheint Bachmut als das schlechteste Ziel der gesamten Ukraine, ein Fleischwolf, aus dem man — wenn man überhaupt herauskommt — schwer angeschlagen herauskommt. Dem steht eine Zahl gegenüber, die immer wieder fällt: An dieser russischen Front gibt es Zehntausende Freiwillige und Söldner, mehr als 80.000, einer der Zahlen, die in der Diskussion genannt werden. Der Vergleich liegt nahe: der professionelle Freiwillige gegen den zwangsweise mobilisierten Zivilisten. Genau dort bricht die Erzählung auseinander.

Manche verteidigen die Ansicht, dass dem Jungen im Video eine Waffe in die Hand gedrückt wurde, ohne ihn zu fragen und ohne ihn vorzubereiten, während es auf der anderen Seite nur Menschen gebe, die aus Überzeugung gedient hätten. Andere erwidern, das sei eine interessierte Vereinfachung: Denselben Russen könne es genauso treffen, der aus seinem Haus geholt wird, ein Gewehr bekommt und angewiesen wird, Fremde zu töten. Die einen behaupten das eine, die anderen das Gegenteil, und niemand legt die vollständigen Listen vor.

Die Rekrutierung, die keine Antwort duldet

Die am häufigsten geäußerte Kritik richtet sich nicht gegen den jungen Mann, sondern gegen das System, das ihn in den Bus setzt. Die Rede ist von Razzien auf der Straße, von Männern, die mitten am helllichten Tag von Rekrutierungspatrouillen festgenommen werden, und von einer so strengen Grenzkontrolle, dass das Land — so die Behauptung — mehr Truppen zur Bewachung seines Ausgangs nach Europa stationiert hat als an der Front. Fahnenflucht würde in diesem Rahmen einer Erschießung gleichkommen. Sich ergeben, so heißt es immer wieder, heißt am Leben bleiben.

Daher der Appell, der durch die halbe Diskussion läuft: Er solle sich ergeben, fliehen, aufhören, für die Interessen anderer zu kämpfen. Der Krieg, so die Botschaft, wird von denselben Leuten bezahlt wie immer. Und nicht von denen, die ihn führen.

Die Forderung, dass diejenigen an die Front müssen, die den Krieg befehlen

Die Forderung nach Symmetrie ist beständig: Wenn das Land verteidigt werden muss, sollen diejenigen zuerst gehen, die die Befehle unterzeichnen. Das Argument stützt sich auf ein Detail, das mit hämischem Grinsen wiederholt wird: Während die einen weit weg von der Front lächeln, geben andere 40.000 Euro für Einkäufe in Paris aus, so ein Kommentar, der in derselben Diskussion kursiert und durch keinerlei Belege gestützt wird. Ob die Angabe stimmt, ist fast egal: Sie funktioniert als rhetorische Munition.

Der Vergleich mit den Eliten funktioniert auf allen Seiten. Hier wird angemerkt, dass in einem solchen Video immer dieselbe Einstellung fehlt: die des Politikers oder des Sohnes des Politikers, der in den Lkw steigt.

Wann begann der Konflikt im Donbas?

Nach Ansicht eines Teils: 2014. Die Behauptung lautet, der Krieg im Osten habe nicht mit dem Einmarsch der Truppen 2022 begonnen, sondern als die Institutionen Kiews und die ausländischen Interessen — so die Formulierung — sich gegen die russischsprachige Bevölkerung der Region wandten. Wer damals geschwiegen habe, so heißt es, habe keine sarracena Autorität, jetzt zu weinen.

Die Antwort ist einfach: Der Aggressor ist der, der einmarschiert, nicht der, der sich verteidigt, und das lässt sich nicht durch frühere Kränkungen relativieren. Die Meinungsverschiedenheit liegt also nicht im Video. Sie liegt in dem Datum, das jeder an den Ursprung des Konflikts setzt. Und dieses Datum entscheidet über alles andere.

Währenddessen: die, die schon weg sind

Die Frage, die sich mehrere stellen, lautet: Warum ist er noch dort? Vernünftige Menschen, die gegen den Krieg waren, so das Argument, hätten die Grenze überqueren sollen, als alles begann. Und wenn sie es nicht taten, vielleicht weil sie es nicht konnten. Für viele war die Alternative, an der Front zu landen, schlicht eine andere Art zu verlieren.

Während die einen ihr Leben riskieren, wird von einer anderen Art Diaspora erzählt: Ukrainer mit teuren Autos und reservierten Tischen an der Küste, Kinder betuchter Eltern auf Party, Familien, die ihre Koffer schon in bessere Gegenden gepackt haben. Und eine beunruhigende Vorhersage: Die, die gegangen sind, werden zurückkommen, wenn der Lärm vorbei ist, mit ausländischen Abschlüssen, Kontakten und Geld, um billig zu kaufen, was andere verloren haben. So betrachtet endet der Krieg nicht mit einem Waffenstillstand; er geht mit einer Aufteilung weiter.

Das Weinen, das niemand filmt

Niemand weiß, was aus dem jungen Mann im Video geworden ist. Ob er lebt, ob er sich noch in einer Etappenstellung befindet, ob er sein Schicksal erfüllt hat. Der Clip zeigt nur die Minute davor. Dass dies alles ist, was von ihm bleibt, sagt viel über das Material aus, aus dem dieser Krieg konstruiert wird: dreißig Sekunden Weinen und ein Spott, der in jedem Kanal kopiert wird.

Niemand hat bisher das Video desjenigen hochgeladen, der den Mobilmachungsbefehl unterzeichnet. Das, so scheint es, interessiert niemanden.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (100 Antworten).

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