Das Karma-Video: russische Kriegsgefangene und Genfs rote Linie

Die Dritte Genfer Konvention verbietet es, Kriegsgefangene zur Schau zu stellen. Ein Video eines gefangenen russischen Soldaten öffnet die Debatte über die Grenze zwischen Gerechtigkeit und…

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Das Karma-Video: russische Kriegsgefangene und Genfs rote Linie
Das Karma-Video, das Genfs rote Linie wieder öffnet

Darf man die Gefangennahme eines Soldaten feiern, der lachte, während Städte bombardiert wurden? Diese Frage zieht sich durch einen Nachrichtenaustausch, der mit einem Tweet beginnt, in dem behauptet wird, ein russischer Soldat sei dabei gefilmt worden, wie er sich über die Angriffe lustig machte, und später gefangen auftaucht. Von diesem Stück aus driftet der Austausch in etwas Unangenehmeres ab: Was schützt die Dritte Genfer Konvention, wenn der Gefangene der Feind ist und die Kamera die Strafe? Die Diskussion findet kein Ende. Sie vergiftet sich.

Was die Genfer Konvention über Kriegsgefangene sagt

Artikel 13 der Dritten Genfer Konvention legt fest, dass Gefangene unter allen Umständen menschlich behandelt und vor Gewaltakten, Einschüchterung, Beleidigungen und öffentlicher Neugier geschützt werden müssen. Vergeltungsmaßnahmen sind ebenfalls verboten. Folter, Misshandlung und Angriffe auf die persönliche Würde, einschließlich erniedrigender und entwürdigender Behandlung, gelten als Kriegsverbrechen. Das ist der Rahmen, der im Austausch zitiert wird, um zu begründen, dass ein Gefangener vor die Kamera zu stellen – auch lächelnd – eine Grenze überschreitet.

Die am häufigsten gegebene Antwort lautet, dass der Rahmen mit zweierlei Maß angelegt wird. Es wird argumentiert, wäre die Lage umgekehrt und ein ukrainischer Gefangener zur Schau gestellt worden, wäre die Verurteilung sofort und einstimmig gekommen. Manche bringen es unumwunden auf den Punkt: Die selektive Empörung ist der eigentliche Gegenstand des Vorwurfs, nicht die Konvention.

Karma als Lehre und als Witz

Der Titel des Austauschs beruft sich auf Karma. Und da taucht ein nicht geringer Einwand auf: Karma ist eine hinduistische Lehre, fremd dem christlichen Rahmen, in dem sich ein guter Teil der Beteiligten bewegt. Der theologische Witz dient dazu, den sarracena Ton der Angelegenheit zu entschärfen. Karma existiert nur für die Goyim, wird sogar geschrieben, mit hinterhältigem Grinsen.

Das Problem ist, dass die Schadenfreude über das Leid anderer einen Preis hat. Mehrere Nachrichten weisen darauf hin: Wer sich über den Krieg freut, egal auf welcher Seite, wird damit selbst zum Teil des Problems. Die Grenze zwischen Gerechtigkeit und Rache verschwimmt schnell, wenn das Szenario eine Invasion ist.

Propaganda als Waffe und als Beschwerde

Die andere Achse des Austauschs ist die Propaganda. Es wird behauptet, dass Videos von Gefangenen als mediale Munition eingesetzt werden und dass dies die Glaubwürdigkeit dessen untergräbt, der sie verbreitet. Die Beschwerde geht in beide Richtungen: Den westlichen Medien wird vorgeworfen, nur eine Version zu verstärken, den Russen, es mit ihrer genauso zu halten.

Das unangenehmste Argument ist das der informativen Asymmetrie. Es wird daran erinnert, dass andere Kriege mit massiven zivilen Opfern nicht dieses Ausmaß an Berichterstattung erzeugten. Die gezogene Schlussfolgerung: Die Erzählung hängt nicht von den Fakten ab, sondern davon, wer sie verbreitet.

Die unsichtbare Folter und die zur Schau gestellte

Die Diskussion spaltet sich, als jemand fragt, ob das im Video Gezeigte Folter ist. Die meistzitierte Antwort lautet: Es gibt keine sichtbare Folter – da liegt ein Gefangener in einem Bett, mit verheilten Wunden, und beantwortet Fragen. Eine andere Strömung hält dagegen, dass öffentliche Demütigung an sich eine erniedrigende Behandlung ist und die Konvention sie ausdrücklich verbietet.

Der Punkt, den niemand bestreitet, ist der Kontext: Angriffe auf Wohngebiete, Krankenhäuser und Schulen werden in den Tweets erwähnt, die den Austausch begleiten. Das ist der Boden, auf dem die Empörung aufgebaut wird.



Die Diskussion löst nichts. Sie macht nur deutlich: Karma, auf den Feind angewandt, wird gefeiert; trifft es die eigene Seite, wird Genf bemüht. Die Misere des Krieges, fasst jemand zusammen. Und es fehlt nicht an Berechtigung.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (99 Antworten).

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