Ukrainische Walküren: Waffenkurse in Kiew lösen Debatte aus

Ein Bericht über Frauen, die in Kiew mit Waffen trainieren, löst eine Diskussion aus: Propaganda, Verzweiflung oder nur ein Wochenendkurs?

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Ukrainische Walküren: Waffenkurse in Kiew lösen Debatte aus
Ukrainische Walküren: Waffen und Ausbildung weit weg von der Front

Ein Bericht über Frauen, die in Kiew den Umgang mit Waffen lernen, ist kein Gefechtsbericht. Das Medium Euronews hat ihn im Stil einer Serie präsentiert. Genau das hat die Reaktionen ausgelöst: Nicht dass Ukrainerinnen trainieren, sondern wie es erzählt wird. Der Text beschreibt junge Frauen, die sich „Ukrainische Walküren“ nennen und in der Hauptstadt Selbstverteidigungstechniken und Waffengebrauch erlernen. Dies entspricht heute keineswegs einem Einsatz an der Front. Hier beginnt der Dissens.

Welche Ausbildung erhalten die „Ukrainischen Walküren“?

Der Bericht verortet diese Frauen in Kiew, bei Kursen zur Selbstverteidigung und zum Waffenumgang. nüchtern betrachtet ähnelt die Beschreibung einem Wochenend-Workshop: Man lernt, die Waffe zu halten, sich zu positionieren und zu reagieren. Kritiker bemängeln genau dies: Tonfall und Bildmaterial suggerieren eine Militarisierung, die die Fakten nicht hergeben. Manche fassen spöttisch zusammen: Man spielt kurz mit Waffen im Park, geht nach Hause und der Bericht wirkt sehr niedlich. Für diese Strömung ist die Kluft zwischen Image und Grabenkrieg das eigentliche Thema der Nachricht.

Bedeutet das, dass die Ukraine verzweifelt ist?

Hier spaltet sich die Analyse. Eine These besagt, dass die Einbeziehung von Frauen und auch Älteren in Kampfaufgaben ein klassisches Zeichen der Erschöpfung sei: So geschah es am Ende des Zweiten Weltkriegs, als Deutschland und die Sowjetunion auf die letzten menschlichen Reserven zurückgriffen. Die andere These erinnert daran, dass es seit Beginn Frauen in der ukrainischen Armee gab, ebenso wie in der sowjetischen, und dass sie in beiden Fällen nur in vernachlässigbarer Zahl an der Front standen.

Die kursierenden Zahlen sind per Definition schwer fassbar. Es wird angegeben, dass Frauen im sowjetischen Heer 5 % der Gesamtzahl ausmachten, meist in medizinischen Einheiten, wobei die Herkunft dieser Aggregatdaten angezweifelt wird, ebenso wie die manchen zugeschriebenen 43 % der Chirurgen. Einige vergleichen diese Statistiken mit Studien, die behaupteten, 45 % der Videospieler seien Frauen: Alles hängt davon ab, wen man als Soldaten zählt. Die methodische Aufschlüsselung, die niemand veröffentlicht, ist der unangenehme Teil der Angelegenheit.

Der Schatten der russischen Gefängnisse

Der am häufigsten wiederholte Kontrast ist die Informationssilence auf der anderen Seite. Gegenüber dem Bericht über die Frauen in Kiew wird kritisiert, dass kaum über die Rekrutierung in russischen Gefängnissen gesprochen wird. Der Einwand hat zwei Seiten: Es wird argumentiert, dass diese Rekruten keine Ausbildung erhalten und Berufssoldaten dazu gezwungen werden, mit ihnen zusammenzuleben. Auf der anderen Seite wird mit Geschichte geantwortet: Die französische und die spanische Legion rekrutierten sich großteils aus Gefangenen und Hungernden, und daraus gingen – so heißt es – einige der besten Soldaten der letzten zweihundert Jahre hervor. In dieser Version lag das Verdienst nicht im Menschenmaterial, sondern bei denen, die es befehligten.

Walküre, Rusalka und der Kampf der Symbole

Auch der gewählte Name ist nicht unschuldig. Um sowjetische Referenzen zu vermeiden, greift die ukrainische Erzählung immer wieder auf germanische Imaginationswelten zurück: Walküren statt Rusalkas, Namen mit deutscher Klangfarbe. Diese Entlehnung hat ein Grundproblem. In der nordischen Mythologie waren die Walküren dafür zuständig, die im Kampf Gefallenen einzusammeln, nicht um Kriege zu gewinnen. Wer als Emblem jemanden wählt, der Tote fortschafft, handelt ironisch, wenn eigentlich ein Schießkurs verkauft wird.

Und da bleibt noch die fast kabinettartige Anekdote: Der Gründer der Spanischen Legion, Millán Astray, meldete sich freiwillig, um auf den Philippinen zu kämpfen und damit den Familiennamen reinzuwaschen, der durch einen Fall von Gefängniskorruption belastet war, der seinem Vater zugeschrieben wurde. Die Geschichte kursiert als Erinnerung daran, dass Herkunfts-Etiketten wenig aussagen und Institutionen alles sagen. Wer alle Details mit Namen und Daten möchte, findet sie leicht in den Dokumentenspuren der Angelegenheit.

Was steht bei der Erzählung auf dem Spiel?

Im Streit liegt nicht, ob es Ukrainerinnen mit einer Waffe in der Hand gibt, sondern was mit diesem Bild gemacht wird. Eine Seite liest es als Symptom einer bevorstehenden Niederlage; die andere als einfache Propaganda für den europäischen Konsum, gerichtet an ein Publikum, das den Reportage-Stil dem analytischen vorzieht. Beide Lesarten passen in denselben Absatz und keine lässt sich mit dem verfügbaren Material beweisen.

Die vernünftigste Vorhersage ist, dass solche Stücke weiterhin erscheinen werden: Es gibt Finanzierung, Interesse und einen Krieg, der Schlagzeilen verschlingt. Ihre Wirkung vor Ort wird gering sein, solange die Protagonistinnen in Kiew und nicht an der Front trainieren. Wenn sich die Bilder jemals ändern, hat sich wirklich etwas geändert. Bis dahin sollte jede Überschrift über Walküren mit dem Taschenrechner daneben gelesen werden.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (135 Antworten).

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