Ukraine zieht Gesetzentwurf zurück, der Tötung von ungehorsamen Soldaten erlaubt hätte

Ein ukrainischer Gesetzentwurf, der die Beschränkung auf nicht-tödliche Gewalt gegen ungehorsame Untergebene aufheben sollte, wurde vor der Abstimmung zurückgezogen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Ukraine zieht Gesetzentwurf zurück, der Tötung von ungehorsamen Soldaten erlaubt hätte
Ukraine zieht Entwurf zurück, der Kommandanten das Schießen ohne Tötungsverbot erlaubt hätte

Könnte eine Norm verabschiedet werden, die es einem Kommandanten erlaubt, auf seinen eigenen Untergebenen zu schießen, wenn dieser sich weigert, einen Befehl auszuführen? Die ukrainische Rada (Parlament) registrierte einen Gesetzentwurf, der dies vorsah, und laut der öffentlichen Debatte wurde er letztlich zurückgezogen. Der von Abgeordneten der Regierungspartei „Servant of the People“ vorangetriebene Text sollte die Befugnisse der Führung unter Kriegsrecht und in Kampfsituationen erweitern: Wo derzeit der Einsatz von Waffen „ohne den Tod des Soldaten zu verursachen“ erlaubt ist, sollte die neue Fassung diesen Zusatz streichen. Das hieße, Ungehorsam oder das Verlassen des Kampftplatzes könnten durch den Tod des Untergebenen geahndet werden.

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Ein Großteil der öffentlichen Kommentare wertete den Vorschlag als Legalisierung dessen, was nach Ansicht vieler bereits in der Praxis geschieht: Zwang gegen zwangsrekrutierte Truppen. Andere ordneten dies in eine militärische Tradition ein, die älter ist als die Ukraine, die Sowjetunion oder jede andere Armee der Welt. Eine dritte Strömung, die für das offizielle Narrativ am unangenehmsten ist, fragte laut, warum ein Text zurückgezogen wird, der zuvor nie formell vorgelegt worden war.

Was der Gesetzentwurf genau besagte

Ausgangspunkt ist eine geltende Norm, die den Einsatz von Gewalt durch den Kommandanten gegen Personen, die ihren Posten verlassen oder den Gehorsam verweigern, bereits vorsieht, jedoch mit einer expliziten Grenze: ohne den Tod zu verursachen. Die registrierte Änderung sah vor, diesen Satz zu streichen. Damit wäre die Barriere verschwunden, die disziplinarische Repression von Mord auf dem Schlachtfeld trennt.

Der rechtliche Rahmen ist entscheidend. Der Vorschlag bewegte sich im Rahmen des Kriegsrechts und der Kampfsituation – zwei Zustände, die ordentliche Garantien aussetzen. Hier wird die Debatte schwierig: Welche gerichtliche Kontrolle ist bei einem Schuss in einem Schützengraben möglich? Die Antwort ist in der Praxis: keine.

Der Rückzug des Textes und seine Folgen

Der Entwurf wurde nicht zur Abstimmung gebracht. Er wurde zurückgezogen, und dieses Detail wurde zum Dreh- und Angelpunkt der anschließenden Diskussion. Einige sehen darin einen Sieg der öffentlichen Meinung; andere vermuten das Gegenteil – dass der Rückzug nur kosmetisch sei und das Verhalten, das der Text absichern sollte, bereits auf dem Feld stattfindet. Dieser Verdacht ist nicht unbegründet: Wenn ein Gesetzgeber, der zudem militärische Führung ausgeübt hat, eine solche Norm vorlegt, liegt die Vermutung nahe, dass er versucht hat, etwas rechtlich abzusichern, das bereits praktiziert wird.

Von der römischen Decimatio zum Fragging in Vietnam

Das am häufigsten genannte Argument in der Debatte ist, dass dies nichts Neues sei. Die römische decimatio – die Tötung eines von zehn Soldaten einer feigen Einheit – ist der älteste Bezugspunkt. Im Zweiten Weltkrieg schossen sowjetische Kommissare in Stalingrad auf jeden, der zurückwich. In Vietnam hatte die Praxis, den eigenen Offizier zu töten, einen Namen: fragging. Und auch im Ersten Weltkrieg gab es bereits Fälle in Frankreich.

Die Schlussfolgerung aus diesem historischen Rückblick ist für alle unangenehm: Die Neuheit liegt nicht in der Grausamkeit, sondern in der Unterschrift. Was sich ändert, wenn ein Gesetz dies niederschreibt, ist die Frage der Verantwortlichkeit.

Das Kernproblem: Das Bestehende offiziell machen

Der Kern der Sache ist nicht, ob Armeen unter bestimmten Umständen ihre eigenen Soldaten töten. Es ist die Frage, ob ein Parlament im Krieg diese Tatsache in positives Recht umwandelt. Hier wird der Text toxisch: Eine solche Norm schreckt den Zweifler nicht ab, sondern legitimiert den Schützen.

Und es gibt die Kehrseite. Wenn das Kommando einen Untergebenen töten darf, lernt der Untergebene, sich zu verteidigen. Die Militärgeschichte ist voll von Offizieren, die von ihrer eigenen Truppe erschossen wurden. Die Notwendigkeit, wie es in solchen Fällen oft heißt, ist eine sehr schlechte Ratgeberin.



Letztlich blieb der Entwurf folgenlos. Ein zurückgezogenes Gesetz, eine unangenehme Schlagzeile und das Gefühl, dass das Problem nicht die Norm war, sondern dass jemand sie für notwendig hielt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (102 Antworten).

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