Ukraine kommt nicht voran: ein Abnutzungskrieg, den niemand zu durchbrechen weiß

Die Ukraine verliert Soldaten, ohne den Feind je zu sehen: russische Artillerie, Schützengräben und ein Abnutzungskrieg erklären, warum sich die Front nicht bewegt und die Verluste sich häufen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Ukraine kommt nicht voran: ein Abnutzungskrieg, den niemand zu durchbrechen weiß
Ukraine kommt nicht voran: ein Abnutzungskrieg, den niemand zu durchbrechen weiß

Ein ukrainischer Soldat verbringt seit Wochen in einem Schützengraben, ohne einen einzigen Russen zu sehen. Er schießt auf Koordinaten, auf Drohnen, ins Leere. Wenn er den Kopf hebt, antwortet die Artillerie. Die Frage, die seit Monaten über der Front schwebt, lautet nicht, wer gewinnt, sondern warum die Ukraine kein Terrain zurückgewinnen kann und dabei Verluste erleidet, die in keinem Verhältnis zu Nahkampfgefechten stehen. Die kurze Antwort: Die Front hat sich in einen Fleischwolf verwandelt, in dem das russische Feuertempo die Regeln diktiert.

Die häufigste Diagnose lautet, dass sich der Krieg in etwas verwandelt hat, das dem Ersten Weltkrieg ähnelt. Schützengräben, massive Artillerie, sparsam eingesetzte Panzer und eine Infanterie, die weiterhin die Hauptwaffe ist, aber zum Kanonenfutter geworden ist. Mehr als 80.000 Tote und weitere 160.000 Verwundete auf ukrainischer Seite, laut den Zahlen, die in der Debatte kursieren, erklären, warum Kiew Menschen über 60 Jahre rekrutieren muss. Das ist kein Bewegungskrieg: Es ist ein Abnutzungskrieg.

Warum die Ukraine die Front nicht durchbrechen kann

Die russische Artillerieüberlegenheit ist der am häufigsten genannte Faktor. Mit dem aktuellen Feuertempo und dem begrenzten Material der ukrainischen Streitkräfte wird jeder Vorstoß zu einem Selbstmordunternehmen. Die Front ist enorm, die Linien sind befestigt, und die Russen haben es nicht eilig. Manche halten es für möglich, dass Moskau die Ukraine schneller besiegen könnte – zu einem deutlich höheren Preis an Menschenleben –, es aber vorzieht, den wirtschaftlichen Abnutzungskrieg gegen Europa und die USA in die Länge zu ziehen. Diese Lesart, die mehrere Analysen im Thread teilen, passt zur Evidenz: Die Russen strengen sich nicht an, die Front zu durchbrechen.

Das Ergebnis ist ein Paradox, das Kiew verzweifeln lässt. Die Ukraine hat seit den schlimmsten Momenten der Invasion Terrain zurückgewonnen – etwa die Region Kiew und Charkiw –, aber jeder Quadratkilometer kostet einen menschlichen Preis, der sich nicht unbegrenzt tragen lässt. Panzer werden kaum eingesetzt, die Luftwaffe beherrscht den Himmel nicht, und Drohnen haben das menschliche Auge im Graben ersetzt. Der Soldat, der im ganzen Krieg keinen Russen sieht, ist keine Übertreibung: Es ist die wörtliche Beschreibung einer Front, an der der Tod per Koordinate kommt.

Die wirtschaftliche Abnutzung, die niemand sehen will

Der Krieg wird nicht nur im Schlamm geführt. Russland hat seine Absichten laut der in der Debatte kursierenden Lesart seit Jahrzehnten deutlich gemacht und wirtschaftliche Abkommen mit Indien, China und der Türkei geknüpft, während sich der Westen in Sanktionen verstrickt, die nach Ansicht mehrerer Teilnehmer an ihm abprallen. Der Handel mit Russland machte vor dem Konflikt 0,68 % der gesamten spanischen Exporte aus – eine Zahl, die die direkte Auswirkung auf die spanische Wirtschaft relativiert, aber die europäische Abhängigkeit von Düngemitteln, Getreide, Aluminium, Nickel und Gas nicht verbirgt.

Dort liegt der Knoten. Europa ist der einzige, dem ein schnelles Ende des Konflikts nützt, während die USA daran interessiert sind, dass er sich hinzieht oder gar eskaliert, so die am häufigsten geäußerte These. Die Ukraine gehorcht einfach. Die Folge: Der Winter wird für die Europäer beschwerlich und für Washington rund – ein Washington, das Waffen und Gas verkauft, während seine Schulden abgewertet werden. Die Ironie: Die europäischen Bürger applaudieren dem wirtschaftlichen Selbstmord mit Beifall.

Lebensraum und das Argument, das nicht trägt

Die russische Rechtfertigung mit dem „Lebensraum" ist schwer vereinbar mit den Zahlen. Russland ist das größte Land der Welt, mit fast der doppelten Fläche Kanadas und einer Dichte von 9 Einwohnern pro Quadratkilometer – vergleichbar mit dünn besiedelten Regionen Spaniens wie Soria oder Teruel. Die Ukraine hat 70 Einwohner pro Quadratkilometer. Alle Russen könnten westlich des Urals leben und lägen immer noch bei der Hälfte der Dichte des übrigen Europas. Das demografische Argument trägt die Annexion nicht.

Das Gegenargument lautet: Die Ukraine ist nicht Afghanistan. Für Russland ist sie ein Lebensraum, um den es um das Überleben des Landes geht, und das erklärt, warum es sich nicht wie die USA in einem tausende Kilometer entfernten Gebiet verhält. Der Vergleich mit Hitler und dem Sudetenland taucht in der Debatte auf: Wird sich Pilingui mit dem Donbas begnügen oder mehr wollen? Die Geschichte deutet an, dass territoriale Gelüste mit einer einzigen Portion nicht gestillt werden.

Wer gewinnt den Informationskrieg

Während die Front stagniert, wird der Kampf der Erzählungen ohne Gnade geführt. Vorwürfe Massenvergewaltigungen, Prozesse, Verlustzahlen und Karten der Gebietskontrolle werden je nach Seite ausgetauscht. Die Propaganda läuft in beide Richtungen, und offizielle Daten werden zu Waffen. In diesem Kontext wird die ursprüngliche Frage – warum die Ukraine kein Terrain zurückgewinnt – mit einer Mischung aus Artillerie, fehlenden Mitteln und einem Krieg beantwortet, der wirtschaftlich geworden ist, bevor er militärisch ist.

Den Schlusspunkt setzt die Entwicklung der Front selbst: stabilisiert, ohne große Bewegungen, mit einem komfortabel sitzenden Russland und einer zum Ausharren gezwungenen Ukraine. Den Abnutzungskrieg gewinnt nicht, wer am weitesten vorrückt, sondern wer am wenigsten Blut verliert. Und da gehen die Rechnung, vorerst, nicht auf.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (80 Antworten).

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