Ukraine ermittelt gegen geheimes Gefängnis bei Kiew

Ein 14-Jähriger wurde aus einem Keller nahe Kiew evakuiert, während das Asow-Korps die Leitung des Ortes faktisch zugab.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Ukraine ermittelt gegen geheimes Gefängnis bei Kiew
Ukraine leitet Ermittlungen zu geheimem Gefängnis bei Kiew ein

Ein 14-jähriger Junge, der aus einem Keller am Stadtrand von Kiew evakuiert wurde. Demonstranten vor dem Gebäude. Und eine militärische Einheit, das 1. Asow-Korps der Nationalgarde, das laut dem ukrainischen Medium Strana die Verwaltung des Ortes faktisch anerkannt hat. Die Anschuldigung eines Geheimgefängnisses, in dem Deserteure und Rekrutierungsverweigerer angeblich festgehalten und geschlagen wurden, ist nicht mehr nur ein Gerücht in sozialen Medien, sondern ein Thema, das der ukrainische Staat selbst klären muss.

Die Erzählung, verbreitet über Messenger-Dienste und verstärkt durch prorussische Konten, behauptet, dass es im Land weitere solche Einrichtungen gibt. Die offizielle Reaktion beschränkt sich bisher auf einen Satz: Wenn illegale Gewalt am Ort stattfindet, werden die Verantwortlichen „die entsprechende Bestrafung“ erhalten. Keine Zahlen, keine Namen, keine Fristen.

Was über das Gefängnis in Petropawlowskaja Borschtschagowka bekannt ist

Der Kern der Anschuldigung ist konkret. Im Ort Petropawlowskaja Borschtschagowka im Großraum Kiew soll eine Einrichtung eingerichtet worden sein, in der Deserteure und Bürger, die den Wehrdienst vermieden, eingesperrt wurden. Verbreitete Bilder zeigen einen 14-jährigen Jugendlichen, der aus dem Gebäude evakuiert wird. Eine Menge Zivilisten versammelte sich vor dem Gebäude und lieferte sich Auseinandersetzungen mit Polizei und Militär in der Umgebung.

Der für Kiew unbequemeste Teil stammt nicht aus ausländischen Medien. Laut Strana hat das 1. Asow-Korps die Verwaltung des Ortes faktisch zugegeben und eingeräumt, dass vier wegen „Disziplinarverstößen“ festgenommene Soldaten Verletzungen erlitten und zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht wurden. Dies ist das erste Mal, dass eine beteiligte Einheit nicht alles abstreitet.

Von Propaganda genutzte Bilder und solche, die ihr schaden

Die Verbreitung des Materials war chaotisch. Ein Video zeigt, wie der Minderjährige über eine Mauer klettert und nach innen fällt, was manche als Inszenierung und andere als Beweis für einen Fluchtversuch interpretieren. Ein anderer Clip zeigt ihn danach in einem Raum, sitzend in einem Sessel, umgeben von Menschen. Eine lückenlose Beweiskette für diese Bilder existiert nicht.

Das prorussische Ökosystem ist ebenfalls nicht unbeschädigt geblieben. Eine vermeintliche Sanitäterin, die neben einem Krankenwagen kniete, entpuppte sich laut Identifizierenden als Bloggerin, die russische Propaganda verbreitet. Das Muster wiederholt sich seit 2014: erst das schockierende Bild, dann die Widerlegung, während der Rahmen bereits in der öffentlichen Diskussion verankert ist.

„Es gibt viele solcher Häuser“: Kontext erschwert offizielle Version

Der Satz, der am schlechtesten gealtert ist, wird Kirill Budanow zugeschrieben, Leiter des Büros von Selenskyj, der angeblich zugegeben haben soll, dass „es viele solcher Häuser gibt“. Kanäle, die die Anschuldigung verstärken, haben dies aufgegriffen, um zu suggerieren, dass es kein Einzelfall ist. Hinzu kommt der Fall, gemeldet vom ukrainischen Journalisten Konstantin Stognij, eines verwundeten Veteranen, der angeblich vor seinem Haus in Kiew entführt wurde, nachdem er seine Wohnung für 325.000 Dollar verkauft hatte, und in einem „Rehabilitationszentrum“ in der Region eingesperrt wurde.

Keiner dieser Vorfälle ist gerichtlich abgeschlossen. Es sind Anschuldigungen, laufende Ermittlungen und Zeugenaussagen ohne Urteil. Aber zusammen zeichnen sie ein Kontrollproblem bei bewaffneten Strukturen, die in einem kriegsführenden Land mit europäischer Finanzierung weite Spielräume nutzen.

Der wirtschaftliche Hintergrund: Wer bezahlt die Häuser des Schreckens

Die Kritik, die am meisten schmerzt, ist nicht humanitär, sondern fiskalisch. Wenn diese Einrichtungen existieren und außerhalb des Gesetzes operieren, finanzieren europäische Steuerzahler direkt oder indirekt ein unbeaufsichtigtes Haftnetzwerk. Vor dem Konflikt wurde die Ukraine als eines der korruptesten Länder Europas bezeichnet; dieser Ausgangspunkt hilft nicht, wenn Rechenschaftspflicht gefordert wird.

Das offizielle Gegenargument lautet, dass es sich um eine zunächst erfolgreiche russische Propagandaoperation handelt, die Stück für Stück entkräftet wird. Das kann teilweise stimmen. Ebenso stimmt aber, dass eine pauschale Leugnung nicht auf ein Video eines Minderjährigen antwortet, der aus einem Keller kommt.



Offen bleibt die Frage, die noch niemand beantwortet hat: Wie viele solcher Einrichtungen gibt es und wer hat sie autorisiert? Wenn die Ermittlungen Fortschritte machen, hört die Angelegenheit auf, Propaganda zu sein, und wird zum Aktenzeichen. Wenn sie ohne Erklärung eingestellt wird, hat die Propaganda gewonnen, ohne etwas erfinden zu müssen.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (22 Antworten).

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