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Türkische Börse auf Tiefstständen von 2008: Schnäppchen oder Falle?
Die Lira verliert 13 %, doch drei türkische Aktien bringen im Schnitt 37 % Rendite in Euro. Tiefstände von 2008, ein KGV von 5 und das Gespenst der Kapitalverkehrskontrollen.
Türkische Börse erreicht Tiefststände von 2008 – manche sehen schon ein Schnäppchen
Die türkische Lira hat um 13 % an Wert verloren, und der Aktienmarkt des Landes notiert auf Niveaus der globalen Finanzkrise. Für einen Anleger, der vor neun Monaten eingestiegen ist, beträgt das Ergebnis durchschnittlich 37,30 % Rendite in Euro, Währungseffekte bereits eingerechnet. Drei konkrete Namen: Soda Sanayi, 36,65 %; Ege Endustri, 54,54 %; Borusan Mannesmann, 20,73 %. Der S&P 500 brachte es im selben Zeitraum auf gerade einmal 3,66 % in Dollar. Je nachdem, wen man fragt, ist der Coup voll aufgegangen.
Das Grundargument folgt dem Lehrbuch: ein schnell wachsendes Land, mit einer Zollunion mit der EU, einem Leistungsbilanzdefizit von 4–5 % des BIP, Staatsschulden von 28 % und Reserven von 140 Milliarden. Ein Putschversuch 2016 zerstörte das Vertrauen und löste eine Kapitalflucht aus, die sich 2018 beschleunigte. Das Ergebnis ist ein Markt, in dem nach dieser Analyse alle Aktien gefallen sind, ohne gute von schlechten zu unterscheiden. Ein KGV von 5 oder 6 bei Unternehmen, die 2017 zwischen 15 % und 20 % verdienten.
Der Währungseffekt auf die Gewinne
Die zentrale These lautet: Eine schwache Lira nützt den Exporteuren. Wer in Dollar verkauft und in Lira produziert, sieht seine realen Kosten sinken, während die Einnahmen stabil bleiben. Das Beispiel, das herangezogen wird: Ein Unternehmen mit 100 Millionen Dollar Umsatz fakturierte 2017 in 360 Millionen Lira und käme bei gleichem Geschäftsvolumen auf 470 Millionen. Der Gewinn in Lira explodiert. Die Reallöhne sinken, die Ausgaben werden billiger, die Marge wächst.
Nicht alle kaufen die Geschichte. Der stärkste Einwand: Die Gleichung hat zwei Seiten. Importiert das Unternehmen Rohstoffe, Energie oder Investitionsgüter, verdoppeln sich die Kosten, und aus den 100 Millionen Gewinn kann null werden. Oder ein Verlust – mit Fremdkapital erst recht. Auch die Fremdwährungsschuld wiegt schwer: Sie wird teurer, wenn man sie mit einer abgewerteten Währung zurückzahlt.
Das mexikanische Präzedenzfall und das fallende Messer
Der Vergleich wird mit der Tequila-Krise von 1994 gezogen: explodierende Staatsausgaben vor einer Wahl, der Zusammenbruch kurz danach, und ein Außensektor, der die Sache rettete, weil die Exporte um 30 % pro Jahr wuchsen, während der Rest der Wirtschaft einbrach. Der Unterschied liege beim Wechselkurs: Mexiko hatte ein festes Regime, die Lira ist flexibel und preist die Anpassung schon seit Langem ein.
Der Skeptizismus hat seine eigene Schule. Der türkische Aktienmarkt reagiert empfindlich auf globale Abwärtsbewegungen, und wenn die Industrieländer abstürzen, verstärken die Schwellenländer die Bewegung. Der klassische Rat – kein fallendes Messer auffangen – kollidiert frontal mit dem Value Investing. Und manche erinnern daran, dass die Börse von Tokio ihr Hoch von 1990 bis heute nicht wieder erreicht hat.
Was man in der Türkei kaufen sollte
Die Auswahl entscheidet. Empfohlen werden Unternehmen, die in Euro oder Dollar abrechnen: Ford Otosan, das Fahrzeuge für Europa herstellt, oder TAV Havalimanlari, ein Flughafenbetreiber in der Türkei, im Nahen Osten und in Zentralasien. Umgekehrt würde ein Telekom-Unternehmen mit Fokus auf dem Binnenmarkt unter dem Einbruch des Konsums leiden. Das Bauunternehmen Enka Insaat taucht als weiterer Kandidat zur Analyse auf.
Die Politik sorgt für zusätzliches Rauschen. Erdogan will niedrige Zinsen, was die Währung theoretisch abwertet, aber das Wachstum beschleunigt. Der Wirtschaftsminister ist sein Schwager. Und über allem schwebt das Gespenst der Kapitalverkehrskontrollen – in Griechenland haben sie die Börse in den freien Fall geschickt.
Mit der Lira auf historischen Tiefstständen gegenüber Dollar und Euro lautet die Frage nicht, ob die Türkei billig ist, sondern wie viel von dieser Billigkeit Rabatt und wie viel Warnung ist. Die Antwort gibt vorläufig der Markt – jeden Morgen aufs Neue.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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