Trump feiert Kolumbus – und die Debatte kehrt nach Spanien zurück

Trump nennt Kolumbus einen "Helden" und löst in Spanien eine neue Debatte aus: Wer finanzierte die Reise, warum wird Kastilien ausgeblendet, und warum ist der Tag in den USA ein italienisches Fest?

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Trump feiert Kolumbus – und die Debatte kehrt nach Spanien zurück
Trump feiert Kolumbus – und der Blick richtet sich wieder auf Spanien

Trump hat den Columbus Day erneut gefeiert und den Seefahrer ins Zentrum seiner Rede gestellt: "Er ist ein Held, das sage ich mit Stolz." Der Satz, der von spanischen Medien verbreitet wurde, hat eine Debatte wiedereröffnet, die weit über die Anekdote hinausgeht: Wer finanzierte die Expedition von 1492, welche Rolle spielten Kastilien und Aragón, und warum macht die US-amerikanische Erzählung aus dem 12. Oktober ein im Wesentlichen italienisches Fest? In Spanien ließ die Reaktion nicht lange auf sich warten. Manche bemängeln, dass weder das Weiße Haus noch die offiziellen Veranstaltungen Isabella I. von Kastilien erwähnen, die Monarchin, die die Reise unterstützte. Andere korrigieren den Rahmen gleich ganz: 1492 gab es Spanien als solches noch nicht, sondern Kastilien und Aragón.

Wer bezahlte Kolumbus' Reise wirklich

Der Ausgangspunkt ist eine historische Tatsache, die meist unter dem Pathos begraben liegt: Die Expedition wurde von der Krone von Kastilien finanziert, nicht von einem geeinten Spanien, das noch Jahrzehnte auf sich warten lassen sollte. Isabella I. erscheint in der Erzählung als Fürsprecherin des Projekts, und ihre Abwesenheit bei den US-amerikanischen Feierlichkeiten wird von einem Teil der spanischen Öffentlichkeit als bewusste Auslöschung gelesen. Die Beschwerde hat einen Unterton des Unrechts: Der Seefahrer wird gefeiert, wer das Geld gab, bleibt unerwähnt.

Die Diskussion wird komplizierter, wenn Aragón ins Spiel kommt. Manche behaupten, Kolumbus stamme aus einer katalanischen Familie und habe Einfluss an den Höfen von Barcelona Ferdinands des Katholischen gehabt, was erklären würde, warum ein Unternehmen dieses Ausmaßes nicht aus einem einzigen Hof allein hätte hervorgehen können. Die genuesische These, in der herrschenden Geschichtsschreibung fest verankert, wird in ebendiesem Argument als "zu diesem Zeitpunkt lächerlich" bezeichnet. Das ist keine neue Position, aber sie taucht immer wieder auf, wenn die Figur zurück ins Rampenlicht rückt.

Warum der Columbus Day in den USA ein italienisches Fest ist

Der 12. Oktober funktioniert in den Vereinigten Staaten als Fest der italienisch-amerikanischen Gemeinschaft. Das ist der Rahmen, der erklärt, warum Trump von einem Helden spricht, ohne Kastilien zu erwähnen: Die Erzählung, die sich dort verbreitet und durchgesetzt hat, ist die des genuesischen Seefahrers, nicht die des von einer kastilischen Königin finanzierten Projekts. Für einen Teil der spanischen Öffentlichkeit ist diese Lesart ein Symptom eines Minderwertigkeitskomplexes: Lieber wird der Einzelne gefeiert, als die politische und wirtschaftliche Infrastruktur anzuerkennen, die die Überfahrt erst möglich machte.

Die New Yorker Feier ist das sichtbarste Beispiel. Jedes Jahr werden zur Erinnerung an das Datum Lichter am Empire State Building entzündet – eine Geste, die in Spanien mit einer Mischung aus Stolz und Groll aufgenommen wird. Die Anerkennung existiert, doch sie richtet sich nicht an diejenigen, die viele als den eigentlichen Motor betrachten.

Das Detail, das fast niemand bestreitet: Wer zuerst Land sah

Abgesehen von den Symbolen gibt es eine technische Tatsache, die sich in jedes Gespräch über die Reise einschleicht: Pinzón sichtete Land vor Kolumbus. Der Primat der Sichtung gebührt nicht dem Admiral, und diese Nuance zerstört das Bild des einsamen Genies, das mitunter gezeichnet wird. Es ist eine unbequeme Erinnerung für das Heldengemälde, aber sie entspricht der Realität einer kollektiven Expedition.

Nationaler Stolz und historische Korrektheit

Die spanische Reaktion schwankt zwischen Empörung und akademischer Präzision. Ein Teil der Öffentlichkeit fordert, den nationalen Stolz zurückzugewinnen, und beklagt, dass Spanien aus der eigenen Geschichte gestrichen wird. Der andere Teil bremst: Man könne kein Spanien beanspruchen, das 1492 als geeinigter Staat noch nicht existierte. Kastilien, Aragón, León und Navarra waren getrennte Königreiche, die tatsächliche Vereinigung kam später. Die Debatte dreht sich also nicht nur um Kolumbus: Es geht darum, was als Spanien verstanden wird – und seit wann.

Das Ende ist noch nicht geschrieben. Trump wird Kolumbus weiter einen Helden nennen, und in Spanien wird weiter darüber gestritten werden, ob das eine Ehrung oder eine Aneignung ist. Das Einzige, was sicher ist: Der 12. Oktober wird erneut zum schlachtfeld der Erzählungen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (16 Antworten).

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