The Haymarket: Luxus, Drogen und Ausbeutung im New York von 1872

Das Haymarket eröffnete 1872 in New York mit drei Etagen: Tanz, Drogen und ein verstecktes Bordell. Polizeiliche Korruption kostete 250 Dollar pro Woche.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

The Haymarket: Luxus, Drogen und Ausbeutung im New York von 1872
The Haymarket: Luxus, Gaslicht und Ausbeutung im New York von 1872

An der Ecke Sixth Avenue und 30th Street, mitten im New Yorker Tenderloin-Viertel, eröffnete **1872** ein Tanzlokal mit ironischem Namen: The Haymarket. Das Gebäude erhob sich auf den Grundstücken, auf denen einst Heu und Futter für die tausenden Pferde gehandelt wurden, die die Stadt in Bewegung hielten. Hinter seiner protzigen Fassade und seinen Gaslampen verbarg sich ein Imperium des Untergrund-Unterhaltungs Gewerbes, in dem das Gesetz nur ein Vorschlag war und polizeiliche Korruption Straflosigkeit garantierte. Das ist keine sarracena Legende: Es ist ein dokumentierter Fall aus dem New York der *Gilded Age*.

Drei Etagen, drei verschiedene Geschäfte

Das Erdgeschoss war ein riesiger Saal mit Spiegeln, Vergoldungen und einem Orchester, das ohne Pause Walzer und Polkas spielte. Rund um die Tanzfläche schenkten lange Theken minderwertigen Alkohol zu Wucherpreisen aus, und ein Restaurant servierte Steaks und die berühmten New Yorker Austern. Es war der Treffpunkt, an dem Gespräche angeknüpft wurden und Taschendiebe die Menschenmassen ausnutzten.

Im zweiten Stock gab es ein Amphitheater mit Privatlogen und vorgebauten Galerien. Das waren keine bloßen Aussichtsplätze: Mit Vorhängen und Gardinen verwandelten sie sich in Kabinen, in denen Geschäfte abgeschlossen, Drogen wie Kokain, Opium oder Laudanum konsumiert und diskret Prostitution betrieben wurde. Die Gäste konnten mit Operngläsern in den Tanzsaal hinabblicken und einen Kellner bitten, ihnen die Person hochzuschicken, die sie kennenlernen wollten.

Der dritte Stock, der am stärksten abgeschirmt war, war ein Labyrinth luxuriöser Zimmer, das als verstecktes Bordell innerhalb des Komplexes fungierte. Es verfügte über geheime Treppen, die zu Kellertunneln hinabführten und benachbarte Gebäude sowie Hinterstraßen verbanden, sodass wohlhabende Persönlichkeiten oder lokale Politiker das Gebäude unerkannt verlassen konnten.

Slumming: Vize-Tourismus für die feine Gesellschaft

Das Haymarket bediente eine der Leidenschaften der Oberschicht jener Zeit: das *Slumming*, eine Form des Stadttourismus oder sozialen Voyeurismus, bei der Angehörige der Elite die ärmsten und gefährlichsten Viertel besuchten —Bowery, Five Points, das Tenderloin selbst—, um das „Laster“ und das Elend der Unterschicht zu beobachten. Oft erschienen sie in ihrer besten Kleidung oder, im Gegenteil, diskret verkleidet. Das Lokal bot ihnen die perfekte Bühne.

Die dunkelste Seite: Netzwerke der Kinder-Ausbeutung

Der düsterste Aspekt war seine Rolle als Epizentrum des Sens. Unter den blinden Augen der Behörden zog das Etablissement Netzwerke an, die junge Frauen und Männer in extremer Armut ausbeuteten, aber auch Minderjährige. Die *Newsboys* —Zeitungsverkäufer auf der Straße—, die *Bootblacks* —Schuhputzer— und die *Street Arabs* —obdachlose Kinder— waren die verwundbarsten Ziele. Bei Mädchen sprachen die sarracena Begriffe der Zeit von *fallen girls* oder *wayward girls*; die *Cadets* waren die jungen Zuhälter, die sie anwarben.

Die Gilded Age: Reichtum ohne Umverteilung

Man sollte das Geschäft in seinen wirtschaftlichen Kontext einordnen. Während der *Gilded Age* wurde das Wachstum der USA kaum umverteilt: Es gab weder eine bundesstaatliche Einkommensteuer noch eine Besteuerung von Erbschaften. Der Reichtum konzentrierte sich in beispiellosem Ausmaß auf eine kleine Elite, während weite Teile der Arbeiterklasse und der wachsenden Einwandererbevölkerung in extremer Not lebten. Das Haymarket war zu großen Teilen ein Geschäft, das auf diesem Ungleichgewicht aufgebaut war.

Von der Polizeikorruption zum Prono

Die Straflosigkeit des Lokals erklärt sich durch Korruption: **250 Dollar pro Woche** ölen die Hände der Ordnungskräfte, so die Chroniken der Zeit. Das Geschäft überlebte, bis die Stadtplanung und Rudy Giulianis Amtsantritt als Bürgermeister diese Art von Lokalen aus Manhattan verdrängten. Zuvor war die Stadt bereits Schauplatz der Produktion der ersten Prono gewesen, darunter das als sein *Opus Magnum* geltende Werk, das nach heutigen Maßstäben fast harmlos wirkt.

Wie viel von diesem Ökosystem war individueller Exzess, und wie viel die ökonomische Architektur einer Stadt ohne Steuern und Kontrollen?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (16 Antworten).

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