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Genetik wartete nicht auf 711: DNA mischte Iberia schon vor dem Islam
2,4 % „amerikanische“ DNA in einer Probe von 280 v. Chr. und 15 % gegenüber 4 % nordafrikanischer Komponente: Die Durchmischung Iberias begann vor 711, doch die Methode…
Die DNA der Iberischen Halbinsel war schon Jahrhunderte vor 711 vielfältig
Ein Einwohner von Malaka aus dem Jahr 280 v. Chr. und ein weiterer aus dem westgotischen Granada von 550 n. Chr. dienen dazu, eine unbequeme These zu stützen: Die genetische Durchmischung Iberias begann nicht mit der muslimischen Invasion. Die vorliegenden Daten deuten auf einen viel früheren nordafrikanischen und mediterranen Beitrag hin sowie auf eine Steppenkomponente, die in der spatrömischen Stichprobe zunimmt. Die Diskussion bleibt jedoch genau dort hängen, wo es interessant wird: ob diese Prozentwerte überhaupt etwas bedeuten oder nur Laborrauschen sind.
Was die Prozentwerte der alten DNA wirklich sagen
Die erste Hürde ist methodischer Natur. Ein Mischungsmodell mit einer festen Anzahl von Komponenten verteilt Prozentwerte auf alle Felder, und 2,4 % oder 2,5 % scheinbar amerikanischer Abstammung in einer alten Probe fallen vollständig in den statistischen Bodenbereich des Systems. Das ist kein Signal. Es ist das Hintergrundrauschen, das der Algorithmus ausspuckt, wenn man ihn zwingt, Teile zusammenzusetzen, die nicht recht passen.
Die am häufigsten wiederholte technische Erklärung betrifft die ANE-Komponente, die in alten sibirischen Populationen vorkommt und über die Steppe auch bei allen Europäern. Je stärker das Steppengewicht einer Probe, desto mehr neigt sich die Anzeige Richtung „amerikanisch“. Derselbe Mechanismus erklärt, warum die westgotische Probe steppenständiger erscheint als die phönizische.
Malaka war nicht Spanien: das Problem kosmopolitischer Städte
Die zweite Hürde betrifft die Repräsentativität. Malaka war ein phönizisches Handelsemporium, und ein Handelshafen ist per Definition ein Vielfaltssammler. Daraus eine Schlussfolgerung über die Bevölkerung der Halbinsel zu ziehen, ist so, als würde man die Zusammensetzung eines ganzen Landes aus dem Einwohnerverzeichnis seiner Finanzmetropole ableiten. Reichtum zieht Menschen an, und Menschen vermischen sich dort, wo Geld ist, nicht dort, wo Weizenfelder sind.
Diese Nuance entschärft einen Großteil des starken Arguments. Dass in einer Küstenenklave mediterrane und nordafrikanische Abstammungslinien auftauchen, beweist nicht, dass das Landesinnere Iberias ein ständiger Schmelztiegel war. Es beweist, dass es Handelsrouten gab. Was, obwohl wahr, deutlich weniger explosiv ist.
15 % gegen 4 % und der fehlende Vergleich
Der quantitative Vergleich, der auf den Tisch kommt, sind 15 % gegenüber 4 % nordafrikanischer Komponente zwischen den beiden Proben. Der Sprung existiert, aber ohne eine französische und eine nordafrikanische Kontrollprobe schwebt die Zahl in der Luft. Ein Prozentwert ohne Referenz ist eine verwaiste Zahl: Wir wissen nicht, ob es viel ist, wenig oder das für Epoche und Breitengrad Erwartbare.
Dort liegt die Lücke, die niemand ganz schließt. Die Genetik alter Populationen schreitet über Referenzpanels voran, und die Panels verändern das Ergebnis. Mit einem anderen Vergleichssatz erzählt derselbe Mensch eine andere Geschichte.
Semiten, Phönizier und das Konzil von Elvira
Die Diskussion driftet zur jüdischen Präsenz und ihrem Alter. Der älteste harte Beleg ist das Konzil von Elvira, um 306, mit Kanones, die das gemeinsame Essen oder die Heirat mit Nnnn verbieten: In der spatrömischen Baetica war also bereits etwas vorhanden. Danach folgt der Brief des Severus von Menorca aus dem Jahr 418 mit der erzwungenen Bekehrung der jüdischen Gemeinde von Magona sowie die dreisprachige Inschrift von Tortosa, bereits aus westgotischer Zeit.
Davor: nur Erzählung, nichts weiter. Keine Synagogen, keine Epigraphik, keine Bestattungen, die die Hypothese einer von den Phöniziern gebrachten jüdischen Siedlung stützen. Semitisch ist eine Sprachfamilie, keine Blutgruppe, und von dort bis zur Annahme von Siedlern ist es ein weiter Weg.
Was bleibt
Zieht man das statistische Rauschen ab und korrigiert die Verzerrung durch den kosmopolitischen Hafen, bleibt eine vernünftige Idee: Iberia erhielt Jahrhunderte vor 711 mediterrane und nordafrikanische Beiträge. Wie viel, wo und mit welchem relativen Gewicht, bleibt unbeantwortet. Das Datum 711 markiert einen politischen und religiösen Wandel, nicht den Nullpunkt der genetischen Durchmischung. Und diese Unterscheidung, die offensichtlich erscheint, fällt immer noch schwerer, als sie sollte.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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