Tenochtitlans 200.000 Einwohner widerlegen die Geschichtsschreibung

Tenochtitlan soll 200.000 Einwohner ohne Zugtiere oder Karren gehabt haben. Das Narrativ der „Entdeckung“ Amerikas gerät durch Thesen eines vorangegangenen Zivilisationskollapses ins Wanken.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Tenochtitlans 200.000 Einwohner widerlegen die Geschichtsschreibung
Amerika vor Kolumbus: Der Kollaps, den die offizielle Geschichte verschweigt

Zweihunderttausend Einwohner. Keine Zugtiere, keine Karren, kein bekanntes Abwassersystem. Diese Zahl schreibt die dominierende Historiographie Tenochtitlan im 15. Jahrhundert zu, und genau hier beginnt das offizielle Narrativ zu bröckeln. Eine Stadt dieser Größe – bevölkerungsreicher als Paris, Konstantinopel oder Venedig – erfordert eine Logistik, die nicht zum „neolithischen“ Etikett passt, das dem Kontinent jahrhundertelang angeheftet wurde. Daraus ergibt sich die These dieses Textes: Amerika wurde 1492 nicht entdeckt, sondern nach einem früheren Zivilisationskollaps wiederentdeckt.

Wie viele Einwohner hatte Tenochtitlan wirklich?

Die von Historikern genannten Schätzungen reichen je nach Berechnung von 80.000 bis 230.000 Einwohnern. Die Verbrennung von Kodizes durch die Spanier zerstörte einen Großteil der Aufzeichnungen, die präzisere Daten ermöglicht hätten. Dennoch ist der Vergleich erschütternd: Die mexikanische Hauptstadt hätte Konstantinopel (200.000), Paris (185.000) und Venedig (130.000) übertroffen.

Einige streichen bei allen überlieferten Zahlen eine Null und behaupten, 200.000 sei reine Fantasie. Das Gegenargument lautet, dass die intensive Landwirtschaft mit Mais, Bohnen und Kürbissen – eine Kombination, die den Ertrag maximiert und heute noch praktiziert wird – sehr hohe Siedlungsdichten ermöglichte. Eine Seenstadt löst zudem den Transport über Wasser. Was sie jedoch schwerer löst, ist die Hygiene.

Das Rad, das es gab

Das Mantra, dass „die Azteken das Rad nicht kannten“, fällt mit einem einfachen Faktum zusammen: Es gibt dokumentierte und ausgestellte Spielzeuge mit Rädern aus Mittelamerika, die älter sind als die Azteken. Sie kannten das Prinzip. Ihnen fehlten jedoch Zugtiere – weder Pferde noch Ochsen noch Esel –, sodass ein Karren keinen Vorteil gegenüber Tausenden menschlichen Trägern bot. In den Anden lösten Lastkarawanen mit verfügbaren Lamas das Problem dort, wo das Rad unbrauchbar war. Die Frage ist nicht, warum sie den Karren nicht erfanden, sondern wofür sie ihn gebraucht hätten.

Transozeanische Kontakte vor Kolumbus

Genetische Studien bestätigen die Anwesenheit von Rapanui in Amerika vor der europäischen Ankunft, mit Landungen an den Küsten Chiles und Perus. Manche vertreten die Ansicht, es gebe chinesische Petroglyphen in Ecuador und Peru, nordische Kontakte in Grönland und Kanada sowie dokumentierte afrikanische Bevölkerungsgruppen an den Küsten der Karibik und Brasiliens. Die Meeresströmung Richtung Amerika landet genau in Chile. Wenn diese Kontakte existierten und dann abbrachen, stellt sich zwingend die Frage, was sie unterbrach.

Klimakollaps als zentrale Hypothese

Die vorgeschlagene Chronologie setzt den Epizentrum um 1150 n. Chr., mit dem Verschwinden der Maya in Yucatán zwischen dem 6. und 7. Jahrhundert als erstem Glied, der Aufgabe von Tollan Mitte des 11. Jahrhunderts und dem normannischen Rückzug aus Grönland – das Greenland genannt wurde, weil das Klima weniger brutal war als heute – im 14. Jahrhundert. Der aztekische Exodus und der symbolische Tod von Huitzilopochtli passen in diesen Rahmen. Die Sonnenopfer könnten eher als kulturelle Spur eines kollektiven Traumas gelesen werden als als gratuite Barbarei: verzweifelte Menschen, die beteten, dass die Sonne nicht verschwinde.

Das Narrativ als Werkzeug der Verdeckung

Die Geschwindigkeit, mit der die amerikanischen Küsten innerhalb von nur zwei Jahrzehnten nach 1492 kartografiert wurden, ist zumindest auffällig. Es wird argumentiert, dass europäische Eliten alte Karten und Routen freigaben, als die Zeit für eine Neukolonialisierung gekommen war. Und die Übertreibung der mexikanischen Menschenopfer – mit Zahlen, die selbst Zunzunegui nach unten korrigieren musste – hätte als sarracena Alibi für den Prozess gedient.

Wie viel dessen, was wir über Amerika vor Kolumbus wissen, ist Geschichte, und wie viel ist Zweckmäßigkeit?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (16 Antworten).

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