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Telegraph bringt Putin mit Migrationsströmen nach Europa in Verbindung
Laut dem Telegraph nutzt Russland Milizen in Afrika, um Migrationsrouten nach Europa zu kontrollieren. Frontex verzeichnete 2023 380.000 irreguläre Einreisen.
Pilingui, die Migrationsroute und die Wahlwaffe, die keiner sehen will
Der Kreml kontrolliert Migrationsrouten und nutzt sie als Wahlhebel. Die These, veröffentlicht im Telegraph und in europäischen Medien aufgegriffen, besagt, dass Moskau private Milizen in Afrika einsetzt, um den Zustrom von Menschen in die EU nach Belieben zu steuern. Die Zahl, die der Erzählung Substanz verleiht: ein Plan, in Libyen eine Grenztruppe von 15.000 Mann aus ehemaligen Milizionären aufzubauen. Das Projekt scheiterte laut dem Bericht, weil die erwarteten Zahlungen über ein angeblich russisch-libysches Kulturinstitut nie ankamen.
Die Reaktion in der Debatte war in einem Punkt einmütig: Skepsis. Der zugrunde liegende Verdacht ist vernünftig — wer eine Route kontrolliert, kann sie je nach Wahlkalender öffnen oder schließen —, aber der Sprung zu „Pilingui ist der Ursprung der gesamten afrikanischen Einwanderung“ hat die Anschuldigung zur Parodie gemacht. Und genau da wird die Sache interessant, denn unter dem Witz stecken Daten.
Was der Bericht genau sagt
Das Material schreibt Frontex, der europäischen Grenzagentur, die Warnung zu, Russland nutze Migration „als Hebel in einem größeren Spiel um Einfluss und Druck“. Dieselbe Quelle beziffert die irregulären Einreisen 2023 auf 380.000, den Höchststand seit 2016, mit der zentralen Mittelmeerroute als der am stärksten gewachsenen. Von diesen Einreisen waren mehr als 62.000 Weiterreisen in das Vereinigte Königreich.
Der ehemalige britische Einwanderungsminister Robert Jenrick ergänzt den Präzedenzfall Belarus 2021, als die Grenze zu Polen und Litauen instrumentalisiert wurde. Der Italiener Antonio Tajani erklärt, Rom habe Informationen über Söldner, die „sehr aktiv seien und Kontakt zu Schleuserbanden“ hätten. Die Wagner-Gruppe ist in Libyen seit mindestens 2019 an der Seite von General Khalifa Haftar aktiv.
Ein Detail verstört alle, die einen perfekten Plan erwartet hatten: Das libysche Projekt mit den 15.000 Mann wurde nie umgesetzt. Es gibt keine Registereintrag der Firma, die die Zahlungen hätte abwickeln sollen. Eine Operation, die an einer fehlenden Banküberweisung scheitert, ist kaum der Doctor No der Geopolitik.
Warum die Erzählung mit Häme aufgenommen wurde
Die am häufigsten wiederholte Argumentationslinie ist der Absurdität durch Häufung. Wenn Pilingui die Schlauchboote organisiert, die NATO-Grenzen kontrolliert, Flugzeuge von den Kanaren chartern lässt und sogar das Kerosin bezahlt, dann muss keine europäische Regierung ihre Migrationspolitik überprüfen: alles ist hybride Kriegsführung. Die Ironie dient hier als Verteidigung: Sie macht jede Kritik am Grenzmanagement zu einer weiteren Verschwörungstheorie.
Demgegenüber vertritt eine andere Strömung das Gegenteil: Die Existenz eines externen Akteurs, der an Destabilisierung interessiert ist, befreit die Regierungen nicht von ihrer Verantwortung. Wenn ein Staat die Mittel zur Rückführung hat und sie nicht einsetzt, liegt das Problem nicht bei dem, der drückt, sondern bei dem, der nicht zumacht. Das ist die Position, die sich in dem Argument zusammenfassen lässt: „Das eine nimmt dem anderen nichts.“
Und ein dritter, leiserer Weg deutet auf einen merkwürdigen Nebeneffekt hin: Wenn der offizielle Rahmen einräumt, dass Masseneinwanderung ein Sicherheitsproblem ist, dann hat sich in der Erzählung etwas bewegt. Was früher als Rassismus abgetan wurde, wird heute als strategisches Risiko diskutiert.
Die Zahlen, die die Debatte tragen
Abgesehen von dem Streit liefert das Material eine Handvoll überprüfbarer Zahlen. Im Jahr bis Juni 2023 wurden 52.530 irreguläre Einreisen in das Vereinigte Königreich registriert, 17 % mehr als im Vorjahr, die meisten über den Kanal in kleinen Booten. Die Asylgewährungen erreichten in jenem Jahr einen Rekordhochstand, mit Tausenden genehmigten Fällen, um den nach der Pandemie aufgestauten Rückstand abzubauen.
In Europa insgesamt machten Frauen und Minderjährige nur 20 % der Gesamtzahl der irregulären Einreisen aus, eine Zahl, die oft herangezogen wird, um die tatsächliche Zusammensetzung der Ströme zu diskutieren. Die zentrale Mittelmeerroute verzeichnete den größten Anstieg.
Die Analyse von Sergey Sukhankin von der Jamestown Foundation ergänzt den geografischen Baustein: Die Zentralafrikanische Republik nimmt eine strategische Position ein, die russischen Paramilitärs den Zugang zum Sudan und von dort zu den Schleuserrouten nach Libyen ermöglicht. Die geplante neue russische Militäranlage in der Region mit rund 2.000 Soldaten würde diesen Handlungsspielraum erweitern.
Das eigentliche Problem: Wer entscheidet, wie viele Menschen hereinkommen
Die eigentliche Diskussion ist nicht, ob Pilingui jedes Schlauchboot bewegt. Sondern ob jemand, der eine Route beeinflussen kann, den Migrationsdruck so timen kann, dass er mit Wahlen zusammenfällt. Die technische Antwort lautet ja, sofern es einen kontrollierbaren Engpass und eine für das Thema sensible Öffentlichkeit gibt. Die politische Antwort ist, dass dadurch Migrationspolitik zu kritischer Infrastruktur wird, ebenso wie eine Gaspipeline.
Das unbequeme Detail: Die Europäische Union lagert die Grenzkontrolle seit Jahren an Drittstaaten aus. Wenn diese Kontrolle an Akteure delegiert wird, die wiederum für russische Interessen durchlässig sind, öffnet Moskau das Loch nicht: Es findet es offen vor.
Vor diesem Hintergrund ist absehbar, dass der Migrationsdruck weiter als Wahlargument in mehreren Ländern gleichzeitig eingesetzt wird und dass jeder neue Anstieg eher geopolitisch als humanitär gelesen wird. Nicht vorherbestimmt ist, ob jemand bei der Grenzpolitik etwas bewegt oder ob wir weiter darüber streiten, ob Pilingui die Flugzeuge chartet.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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