Tajo-Hochwasser reißt alte Brücke von Talavera

Der Tajo erreichte in Talavera über 1.000 m³/s und zerstörte Bögen der alten, denkmalgeschützten Brücke.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Tajo-Hochwasser reißt alte Brücke von Talavera
Alte Brücke von Talavera stürzt bei Hochwasser des Tajo ein

Das Sturmtief Martinho benötigte nur eine Nacht, um das zu zerstören, was historische Überschwemmungen nicht geschafft hatten. Der Durchfluss des Tajo bei Talavera de la Reina überschritt 1.000 Kubikmeter pro Sekunde, woraufhin mehrere Bögen der alten Brücke, dem ältesten Bauwerk der Stadt, einstürzten. Bürgermeister José Julián Gregorio hatte die Straße Stunden zuvor gesperrt; anschließend versprach er den Wiederaufbau um jeden Preis. Einige Anwohner filmten das Geschehen mit ihren Handys. Das erschütternde Video ist nun alles, was von jenem Bogen übrig bleibt.

Denn das Wahrzeichen von Talavera, als Bien de Interés Cultural (kulturell bedeutsames Denkmal) eingestuft, zieht seit Längerem eine unbequeme Diskussion nach sich: Die Brücke ist nicht so römisch, wie die Gedenktafel suggeriert.

Eine Brücke im römischen Gewand, innen stark erneuert

Die offizielle Beschreibung spricht von einem römischen Ursprung, dessen Bau Ende des 15. Jahrhunderts unter der Leitung von Fray Pedro de los Molinos wieder aufgenommen wurde, mit dem heute bekannten Aussehen. Die letzte Restaurierung fand 2002 statt. So lautet die Erzählung der Tourismusbehörde, die weiterhin das Bild einer Jahrtausende alten Brücke vermarktet.

Die Details sind jedoch problematisch. Vom ursprünglichen römischen Bauwerk stammen bestenfalls Teile der Pfeiler; der Rest wurde in mittelalterlichen und modernen Schichten hinzugefügt, mit sukzessiven Eingriffen und Mörtel von zweifelhafter Haltbarkeit. Die Trasse ist zudem nicht gerade: Sie bildet mitten im Flussbett einen Winkel, was bei einer auf Gravitation basierenden Konstruktion kein Vorteil ist. Wenn gefragt wird, warum die Ponte Fabricio in Rom noch steht und diese nicht, beginnt die Antwort oft dort.

Warum sie fiel: Wassermenge, Treibgut und Vegetation im Flussbett

Bei 1.000 m³/s fließt der Tajo nicht sauber ab. Er führt Bäume, Äste und Sedimente mit sich. Die häufigste Hypothese gibt nicht nur dem Wasser die Schuld, sondern dem, was es mitreißt: Ein Flussbett, dessen Öffnungen durch Vegetation verstopft sind, staut das Wasser, erhöht den Druck auf die Bögen und lässt schließlich den schwächsten nachgeben. Erst nach dem Einsturz sucht man den Schuldigen in historischen Regenprotokollen.

Dass mitten in der Debatte über Dürre und Wüstenbildung eine Brücke durch Hochwasser einstürzt, hat seine Ironie. Die Confederación Hidrográfica del Tajo (Flussbeckenverwaltung) – sowie die Forstbeamten, die auf den Bildern kaum eingreifen – geraten ins Visier jener, die behaupten, die Reinigung der Flussbetten sei seit Jahren das Stiefkind des Haushalts. Es ist keine bewiesene These, aber sie hat eifrige Fürsprecher.

Eine Brücke, die bereits zwei Kriege überstand

Vor der Flut hatte diese Brücke schon Geschichte geschrieben. Im Jahr 1809 entging sie der Zerstörung in der Schlacht von Talavera, da sich beide Heere am Fluss Alberche auf der anderen Seite der Stadt gegenüberstanden. Im Jahr 1936, während des Spanischen Bürgerkriegs, legten die Republikaner ihre Verteidigungslinie direkt an den Tajo, und General Yagüe griff Talavera vom anderen Ufer aus an. Dass sie danach noch stand, war an sich schon eine kleine Anomalie.

Kalkulierten die Römer oder bauten sie nach Augenmaß?

Der Einsturz hat einen klassischen Streitpunkt neu entfacht: die vermeintliche Überlegenheit der antiken Ingenieurskunst. Manche behaupten, bis zur Entwicklung der strukturellen Berechnung vor etwa einem Jahrhundert sei nach Tabellen, Versuch und Irrtum und grob gebaut worden: ohne Budgets oder Vereinbarungen. Die Gegenargumentation verweist auf Aquädukte und Siphons, wo die Neigung millimetergenau stimmen musste, damit die Austrittskammer kein Wasser ansammelte und keine Luft in die Leitung gelangte. Dies sei reine Berechnung, argumentieren sie, und keine Hausmannskost.

Beide Positionen haben Recht. Was kaum diskutierbar ist: Von allem, was die Römer errichteten, steht nur ein Bruchteil noch, und die heute bewunderten Bauwerke sind jene, denen Glück, Material oder Geologie verschont blieben. Der Rest liegt seit Jahrhunderten auf dem Grund eines Flusses oder wurde zum Steinbruch für die nächste Kirche.

Wiederaufbau, und mit welchem Geld?

Politische Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Paco Núñez, Vorsitzender der PP in Kastilien-La Mancha, bekundete seine Unterstützung für den Bürgermeister und sprach von einem schmerzhaften Verlust für die Stadt und ihre Geschichte. Die Zentralregierung bot Zusammenarbeit beim Wiederaufbau an. Hilfeversprechen sind kostenlos; die Rechnung nicht.

Und genau hier hakt es. Der Wiederaufbau einer als BIC geschützten Brücke erfordert Maßnahmen, die mit dem Denkmalschutz vereinbar sind – teurer und langsamer als eine einfache neue Fahrbahn. Das Versprechen des Bürgermeisters kommt ohne konkrete Summe. Es bleibt abzuwarten, welcher Teil mit Originalstein ersetzt wird, welcher mit modernem Mörtel und welcher als besuchbare Ruine für Touristen und Fotografien erhalten bleibt. Noch hat niemand erklärt, wer die Differenz zwischen Versprochenem und Genehmigtem zahlt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (239 Antworten).

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