Rückgang der LGBTQ+-Identifikation bei US-Jugendlichen

Die Selbstidentifikation als bisexuell unter neuntklassigen Mädchen in den USA fiel von 26% (2021) auf 13% (2025), was Debatten über Trends und Stigmata auslöst.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Rückgang der LGBTQ+-Identifikation bei US-Jugendlichen
Rückgang der LGBTQ+-Identifikation bei US-Jugendlichen

Die Zahl der amerikanischen Teenager, die sich als lesbisch, schwul oder bisensbi identifizieren, ist in den letzten Jahren stark eingebrochen. Der Rückgang ist besonders steil bei Mädchen der neunten Klasse: Während sich 2021 noch 26% als bisensbi bezeichneten, tun dies 2025 nur noch 13%, also die Hälfte. Die Psychologin Jean Twenge veröffentlichte diese Erkenntnisse auf ihrem Substack „Generation Tech“ basierend auf Daten der Centers for Disease Control and Prevention (CDC). „Es sieht wirklich nach einem freien Fall aus“, räumt die Autorin ein, für die es keine klare Erklärung des Phänomens gibt. Diese Daten kommen mitten in der Nachwehe des Proge-Zyklus und eröffnen eine unbequeme Debatte: Ändert sich die sens Orientierung junger Menschen, oder ändert sich nur das, was sie laut sagen?

Was die CDC-Daten zeigen

Die Entwicklungskurve ist auffällig. Twenge stellte fest, dass der Abfall bereits während der Präsidentschaft von Joe Biden begann, was die einfache Lesart widerlegt, ein Regierungswechsel in Washington habe den Umschwung verursacht. Die Daten erklären nicht, warum eine Altersgruppe sinkt, während andere stabil bleiben. Der Großteil des Einbruchs geht auf das Etikett „bisensbi“ zurück, die elastischste Kategorie und diejenige, die in der Ära der Buchstaben-Suppe am stärksten wuchs. Die Identifikation als schwul oder lesbisch bleibt hingegen generationenübergreifend viel stabiler, wie einige Teilnehmer der Debatte argumentieren.

Ist es ein aussterbender Trend oder Rückkehr in den Schrank?

Hier spaltet sich die Analyse. Eine Strömung behauptet, die 26% Bisensbi seien eine statistische Anomalie gewesen, ein Artefakt des sozialen Drucks der Zeit: Jugendliche, die es ausprobierten, weil es Mode war, und mit dem Erwachsenwerden merkten, dass es nicht zu ihnen passte. Das Etikett leerte sich von oben, nicht von unten. Die Gegenposition verweist auf den Schrank: Wer es nicht sagt, ist es nicht unbedingt nicht; er hört einfach auf, es zu deklarieren, wenn das Umfeld es nicht mehr belohnt. Und es gibt einen dritten, zynischeren Weg: Wenn das Geschäft mit der Opferrolle keine Zuschüsse und keine Neuigkeit mehr bringt, verschwindet der Anreiz, mitzumachen. Regression zum Mittelwert, nennen sie es.

Die 10%, die nicht stimmen

Der klassische Satz von 10% Homosenshomo wurde jahrzehntelang als Dogma verwendet. Das Problem ist, dass er nicht aus Tausenden Studien stammt, sondern nur aus einer: dem Kinsey-Bericht von 1948, der 10% weißer Männer mit überwiegend homosenshomo Erfahrungen über mindestens drei Jahre zählte, nicht lebenslang. Lebenslang ausschließlich Homosenshomo waren nur 4%. Und die Stichprobe hinkte: Ein großer Teil waren Gefängnisinsassen. Große aktuelle Umfragen zeigen ein anderes Bild: Schwule und Lesben liegen bei jeweils 1–2%, plus 5,3% Bisensbi, insgesamt 9% der Erwachsenen, die sich nicht als heterosenshetero bezeichnen, und 23% unter 30-Jährigen. Die Kluft zwischen Deklaration und Praxis ist der Kern der Sache.

Prono als Thermometer für Stigma

Man kann prüfen, ob Angst Suchverhalten versteckt. Wenn Scham dazu führte, dass Schwule weniger Spuren hinterließen, müssten die Suchanfragen nach Lgtb-Prono in Mississippi deutlich niedriger sein als in Rhode Island oder Kalifornien, wo das Stigma viel geringer ist. Sind sie aber nicht: Sie liegen überall bei etwa 5%. Was sich von Bundesstaat zu Bundesstaat stark unterscheidet, ist, wie viele sich als schwul outen. Stigma zeigt sich im Gesagten, nicht im Gesuchten. Dennoch können jene, die sich selbst verleugnen, nach dem suchen, was sie sich nicht zugestehen wollen, um zu prüfen, dass es sie nicht betrifft; daher sind die Zahlen eine Untergrenze, keine Obergrenze.

Homophobe, die durch das Erregt werden, was sie hassen

Der Zusammenhang zwischen Homophobie und unterdrücktem Verlangen hat sogar ein Experiment hinter sich. 1996 maßen Adams, Wright und Lohr die körperliche Erregung von 64 heterosenshetero Männern beim Anschauen von Videos. Nur jene mit hoher Homophobie zeigten Erregung bei Videoinhalten mit zwei Männern. Die Stichprobe war klein und das Ergebnis wurde später relativiert, aber der Befund nährt einen alten Verdacht: Die lauteste Ablehnung verbirgt oft das, was man sich selbst nicht erlaubt. Zudem hat Homophobie laut einem Teilnehmer keine universelle biologische Basis: Im klassischen Griechenland wurde Sens mit Knaben akzeptiert, während Gaiität zwischen Erwachsenen abgelehnt wurde; im mittelalterlichen Japan wurden Beziehungen zwischen erwachsenen Männern sogar geheiligt.

Was passiert mit denen, die sich nicht mehr outen?

Die Debatte dreht sich um die Kosten des Experiments. Manche behaupten, viele Jugendliche seien gedrängt worden, sich zu etikettieren, bevor sie Urteilsvermögen hatten, und ziehen nun ihre Aussagen zurück. Andere sehen im Rückgang keine gute Nachricht, sondern ein Zeichen dafür, dass der Schrank durch sozialen Druck wieder schließt. Und eine härtere Linie verweist auf Fälle von Minderjährigen, die während des Höhepunkts der Identitätsfieberei mit Blockern und Hormonen behandelt wurden: War die Diagnose ein Modetrend-Artefakt, zahlen Körper die Rechnung, die nicht rückgängig gemacht werden können. Mit diesen Bausteinen ist es vernünftig, davon auszugehen, dass die CDC-Reihe noch ein bis zwei Jahre weiter sinkt und sich dann nahe den Niveaus vor dem Höhepunkt stabilisiert. Angesichts der Dynamik sozialer Zyklen würde ich jedoch nicht meinen Lohn darauf verwetten, dass die Kurve sich exakt so verhält, wie die Theorie es vorhersagt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (222 Antworten).

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