Nach Protesten: Versammlung im Viertel San Francisco abgesagt

Anwohner des Viertels San Francisco in Bilbao sagten ihre Versammlung ab, nachdem sie mit Plakaten von systemkritischen Gruppen attackiert wurden.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Nach Protesten: Versammlung im Viertel San Francisco abgesagt
Systemkritische Plakate verhindern Nachbarschaftsversammlung in San Francisco

Was passiert, wenn eine Gruppe von Anwohnern ein Treffen einberuft, um über Lärm, Müll und Drogenkonsum im Viertel zu sprechen, und wenige Tage später die Straßen mit Plakaten zugeklebt sind, die sie als Rassisten und Faschisten bezeichnen? Das Treffen fällt aus. Bewohner des Bilbaoer Stadtteils San Francisco haben die für Montag um 18 Uhr im Bürgerzentrum geplante Versammlung abgesagt. Grund war eine zeitgleich vor demselben Gebäude angekündigte Demonstration systemkritischer Gruppen, die ihnen Rassismus vorwarfen und die Unterstützung rechtsensrecht Parteien unterstellten. Die Ertzaintza (basische Polizei) und die Stadtpolizei mussten einen speziellen Sicherheitseinsatz in der Gegend einrichten. Die Organisatoren berufen sich auf Sicherheitsgründe: Viele ältere Anwohner hatten bereits ihre Angst geäußert, den Saal zu betreten.

Wer rief wen auf und warum wurde abgesagt?

Die Versammlung wurde von einer Gruppe einzelner Bewohner initiiert, ohne Parteizugehörigkeit oder Subventionen, wie aus ihrer eigenen Ankündigung hervorgeht, um alltägliche Probleme des Viertels anzusprechen: Lärm, Schmutz und Drogenkonsum. Wenige Tage nach der Verbreitung der Initiative in sozialen Medien klebten systemkritische Gruppen San Francisco und die Altstadt (Casco Viejo) mit Plakaten voll, die zu einer Gegenkundgebung gegen den angeblichen „Rassismus und Faschismus“ der Nachbarn aufriefen.

Der Gegenaufcall war nicht unterschrieben, zirkulierte aber in sozialen Netzwerken, verbreitet durch Azet Sindikatua, Kontseilu Sozialista Bilbao und das städtische Kulturzentrum Bilboko Zaharreko Kultur Etxea. Die Anwohner kritisieren, dass Gewerkschaften und Verbände, die vorgeben, die Bevölkerung zu schützen, Männer und Frauen einschüchtern und sabotieren, die Initiativen zur Verbesserung ihres Viertels organisieren, ohne von politischen Labels oder öffentlichen Hilfen abhängig zu sein.

Das materielle Detail, das die beiden Seiten unterscheidet, ist laut einem Kommentar fast ein unbeabsichtigter Witz: Die Plakate der Nachbarschaftsversammlung waren schwarz-weiße Fotokopien, handschriftlich verfasst; die des Gegenaufcalls waren farbig gedruckt. Mehr muss man dazu nicht sagen.

Vorfälle, die die Anwohner dokumentieren wollen

Die Organisatoren behaupten, sie würden als Rassisten bezeichnet, weil sie Videos über die soziale Realität des Viertels verbreiten, und zählen auf, was diese Videos zeigen: Messerstechereien, Müll auf den Gehwegen, Drogenhandel und transfeindliches Verhalten, wie Beleidigungen, denen eine Transgender-Frau täglich beim Überqueren der Straße Dos de Mayo ausgesetzt ist. Ihre Kritik ist doppelt: dass sie für die Dokumentation dieser Vorfälle stigmatisiert werden und dass keine der Gruppen, die sie beschuldigen, je demonstriert oder Maßnahmen ergriffen hat, um diese Missstände anzuprangern.

Manche gehen weiter und argumentieren, die baskische Gesellschaft sei vom Antirassismus „brainwashed“ und habe keine klar antiimmigrationspolitische Partei wie Katalonien. Dem steht die These gegenüber, dass Frustration existiere, aber niemand sie kanalisiert, und dass die jetzigen Einschüchterer als verlängerter Arm parteipolitischer Interessen fungieren. Beide Behauptungen entbehren jeglicher Beweisgrundlage im verfügbaren Material; sie lesen sich als Grabenkämpfe der Meinungen.

Demografische Daten mischen sich in die Diskussion

Die Debatte dreht sich schnell um Zahlen. Es werden Prozentsätze der in Afrika geborenen Bevölkerung in katalanischen und baskischen Gemeinden verglichen, wobei der Kontrast auffällig ist: Salt mit 26,71 %, Mollerussa mit 16,43 % oder Castelló d'Empúries mit 16,24 % gegenüber Eibar, das im Baskenland mit 5,87 % anführt. Die Schlussfolgerung aus dieser Diskrepanz lautet, dass die Nachbarschaftsspannungen im Baskenland entstehen, bevor demografische Phänomene katalanische Ausmaße erreichen.

Die vollständige Berechnung, Gemeinde für Gemeinde mit detaillierten Zahlen für in Afrika Geborene, würde eine Tabelle erfordern, die hier keinen Platz hat. Klar bleibt jedoch, dass die Diskussion über das Viertel zu einer Diskussion über das gesamte Land geworden ist.

Was geschah mit der Versammlung und was kommt danach?

Die Anwohner haben angekündigt, eine neue Kundgebung planen zu wollen und weiterhin auf die von ihnen beschriebene Unsicherheit und institutionelle Vernachlässigung des Viertels aufmerksam zu machen. Kein Datum. Keine unterschriebene Einladung. Die Montagsversammlung findet vorerst nicht statt.

Übrig bleiben der Polizeieinsatz für einen Nachmittag ohne Versammlung, die farbigen Plakate an den Wänden und eine unbeantwortete Frage: Wenn das Ziel war, Rassismus anzuprangern, was hat man erreicht, indem man verhindert hat, dass ältere Nachbarn über den Müll auf ihrem Gehweg sprechen?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (131 Antworten).

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