Spaniens Rentenkosten um 68 % gestiegen – und die Babyboomer sind noch nicht im Ruhestand

Die Sozialversicherung in Spanien zahlt monatlich 14.498 Millionen Euro an Beitragsrenten, 68 % mehr als 2016. Die Babyboomer sind noch nicht massenhaft in Rente gegangen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spaniens Rentenkosten um 68 % gestiegen – und die Babyboomer sind noch nicht im Ruhestand
Spaniens Rentenkosten sind in einem Jahrzehnt um 68 % gestiegen

Wie lange hält das System durch, bevor das Seil reißt? Die spanische Sozialversicherung gibt inzwischen 14.498 Millionen Euro pro Monat für Beitragsleistungen aus, 5.875 Millionen Euro mehr als 2016. Übersetzt: ein Anstieg von 68 % in zehn Jahren. Und das Beste steht noch bevor, denn die Babyboomer-Generation ist noch nicht massenhaft in Rente gegangen. Wenn sie es tut, wird die Rechnung jedes Makroszenario hinwegfegen.

Die Zahl, veröffentlicht von The Objective, hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Es ist keine isolierte Zahl: Es ist das Standbild eines Systems, das mehr Leuten länger mehr zahlt, während die Basis der Beitragszahler nicht im gleichen Tempo wächst. Die Frage ist nicht mehr, ob das System tragfähig ist, sondern wie viel Zeit bleibt, bis jemand die unpopuläre Entscheidung treffen muss.

Die Babyboomer, die den Schalter noch nicht erreicht haben

Das Argument, das in der Analyse am meisten wiegt, ist demografisch. Die Generation der Geburtenjahrgänge zwischen Ende der Fünfziger und Mitte der Siebziger hat den Ernstfall Renteneintritt noch nicht begonnen. Wenn sie es tut, trifft sie mit dem Ausgabengipfel zusammen: höhere Renten, längere Beitragszeiten und eine Lebenserwartung, die die Zahlungen über Jahrzehnte streckt.

Manche halten dafür, dass im nächsten Jahr eine Welle von Renteneintritten mit hohen Leistungen und an die Inflation gekoppelter Anpassung kommt. Die Kombination ist explosiv: automatische Erhöhungen der bestehenden Renten, der Zustrom neuer Premiumrenten und weniger Beitragszahler pro Empfänger. Das Seil, so heißt es, sei bereits gespannt und beginne zu auszufransen.

Wer bezahlt die Party, wenn die EU-Gelder ausgehen?

Ein Teil der Analyse deutet darauf hin, dass die EU-Gelder das Loch kurzfristig stopfen. Das heißt: Das System finanziert sich nicht allein aus Beiträgen; externe Transferzahlungen stützen das Gleichgewicht. Wenn dieser Hahn zugedreht wird, kehrt das Problem ungepuffert in den Vordergrund zurück.

Die härteste Richtung hält die Anpassung für unvermeidlich und erwartet sie von außen. Manche spekulieren über Kürzungen von 20 % bis 30 %, falls eine internationale Organisation eingreift. Andere rechnen damit, dass die in den Achtzigern und Neunzigern Geborenen, diebeitragen haben wie Reiche, Renten in Höhe eines Drittels der heutigen erhalten werden. Die komplette Rechnung, mit Szenarien bis 2045, ergibt eine Kürzung von bis zu 50 %, wenn vorher nichts unternommen wird.

Jetzt kürzen oder auf den Kollaps warten

Der unbequemste Konsens lautet: Eine schrittweise Anpassung heute wäre weniger schmerzhaft als eine brutale morgen. Eine Kürzung von 5 % bis 10 % jetzt, mit teilweiser Einfrierung künftiger Renten, würde die 50-%-Hiebe 2045 vermeiden. Niemand will es unterschreiben, denn der Wahlkalender regiert.

Der andere diskutierte Weg: zuerst den öffentlichen Sektor kürzen, dann die Renten. Die vorgeschlagene Reihenfolge: die Verwaltung verschlanken, die politischen Ausgaben überprüfen und nur, wenn weiterhin Geld fehlt, die Renten antasten. Das Problem: Diese Reihenfolge wird nie eingehalten. Gekürzt wird immer zuerst bei denen, die sich am wenigsten wehren.

Die stille Umverteilung: wer verliert und wer nicht

Die am häufigsten geäußerte Sorge ist, dass die Anpassung am Ende auf die niedrigen Renten und die Invalidenleistungen fällt, während die hohen bleiben. Es ist das klassische Paradox: Pauschalkürzungen treffen am härtesten, wer am wenigsten hat, aber strukturelle Kürzungen stoßen bei denen, die am meisten beziehen, immer auf Widerstand.

Währenddessen vermischt sich die Debatte darüber, wer Beiträge zahlt und wie viel, mit der Migrationsdebatte. Es wird argumentiert, dass mehr Beitragszahler nötig sind, um das System zu stützen, aber auch, dass der Zuzug neuer Arbeitnehmer das Grundproblem nicht löst, solange die Löhne niedrig und die Prekarität hoch bleiben. Der Ball liegt noch auf dem Dach. Und das Dach ist undicht.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (16 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver