Spaniens PSOE und der Tippfehler „gabritatorio“, der seinen Niedergang zeigen soll

Ein Tippfehler – „gabritatorio“ statt „gabinete“ – dient in der Debatte als Beleg für die angebliche innere Verwirrung der Partei und ihre Abhängigkeit von den Koalitionspartnern.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spaniens PSOE und der Tippfehler „gabritatorio“, der seinen Niedergang zeigen soll
Spaniens PSOE, gefangen zwischen einem Tippfehler und der Geschichte vom selbstverschuldeten Schaden

Ist der PSOE so verwirrt, dass er sich selbst schadet? Diese Frage beschäftigt derzeit einen Teil der linken Wählerschaft, und der Auslöser ist kein Skandal und keine Regierungskrise: Es ist ein Versprecher. Ein „gabritatorio“, geschrieben wo „gabinete“ (Kabinett) stehen sollte, genügte, damit viele darin die exakte Metapher des Moments sahen. Der Tippfehler ist winzig. Was man ihm anhängt, ist es nicht.

Was bedeutet der „gabritatorio“-Ausrutscher?

Nichts. Es ist ein Schreibfehler, den sein Verfasser selbst der Autokorrektur und einem Bildschirmschoner zuschrieb und der nichts über die politische Substanz aussagt. Etwas anderes ist es, was man ihn aussagen lässt. Sobald das Wort auftauchte, wurde es zur Chiffre für das angebliche innere Chaos: eine Partei, die schlecht schreibt, was sie noch schlechter macht. Über den Fehler streitet niemand; gestritten wird, ob er Symptom oder bloße Anekdote ist. Das ist die gesamte Substanz der Angelegenheit.

Eine Koalition, die in entgegengesetzte Richtungen zieht

Das Argument mit der größten Wirkung ist ein anderes, und es betrifft die Partner. Manche behaupten, der PSOE regiere getrieben von Minderheitsgruppen, die ihn bald hierhin, bald dorthin ziehen, sodass das Endergebnis nicht seinem eigenen Entwurf entspricht, sondern dem Kräftemessen seiner Stützen. Das verwendete Bild ist das eines Boliden, der statt zu verunglücken Schwung holt. Kein schmeichelhaftes Bild: Es suggeriert eine Regierung ohne echte Kontrolle über die eigene Agenda.

Diese Diagnose existiert neben einer anderen, die in die entgegengesetzte Richtung weist: Wenn die Partei verschleißt, so das Argument, dann nicht wegen ihrer Partner, sondern wegen linker Gruppen, die sich wie Gegner verhalten, während sie vom Handeln der Regierung profitieren. Daher die wiederkehrende Klage über Parteimitglieder, die Kritik und Demütigungen von denen ertragen müssen, die auf dem Papier eigentlich in dieselbe Richtung rudern sollten. Die Arroganz, so heißt es, zahle sich zu Hause ab, bevor sie sich an der Wahlurne rächt.

Acht Jahre regieren und trotzdem wie die Opposition klingen

Eine Strömung der Analyse besteht auf einer bestimmten Diskrepanz: acht Jahre in der Regierung und ein Diskurs, der weiter nach Opposition klingt. Dieser Ton, so heißt es, täusche nicht einmal mehr die eigenen Wähler, weshalb der Verschleiß weniger in Umfragen als in der internen Glaubwürdigkeit gemessen wird. Die offene Frage ist unbequem: Wer nach fast einem Jahrzehnt an der Regierung – gegen wen genau protestiert man da eigentlich?

Subventionen, Konten und die Geschichte vom leichten Geld

Wo der Ton wirklich steigt, ist im wirtschaftlichen Kapitel. Es wird behauptet, die Partei habe genug Geld in der Kasse – „caletas“, im Jargon der Region – und ein Funktionär, der gegangen sei, habe die Konten in einem schwierigen Zustand hinterlassen; außerdem werde Kritik mit einer Subvention abgegolten und es gebe Familien, die von öffentlichen Geldern getragen würden. Klar gesagt: Nichts davon ist durch ein einziges Dokument belegt. Es sind Stammtischbehauptungen, keine buchhalterischen Befunde. Und als Behauptungen bleiben sie es auch.

Gab es Wahlbetrug bei den Wahlen?

Dafür gibt es keine Belege. Es wird sogar behauptet, die Linke könne nur durch einen massiven Wahlbetrug gewinnen – eine schwere Anschuldigung, die durch keinerlei Beweis, Hinweis oder Gerichtsentscheid gestützt wird. So dahingeworfen dient sie dazu, jedes ungünstige Ergebnis im Voraus zu erklären und sich nebenbei zu ersparen zu analysieren, warum Wahlen verloren gehen. Es ist die Wahlversion des „Man hat mir die Brieftasche gestohlen“, bevor man in die eigene Tasche schaut.

Mit diesem Material – ein Tippfehler, der zur These wurde, ein Gerücht, das zur Bilanz wurde – ist das Seltsame nicht, dass der PSOE verwirrt wirkt. Das Seltsame ist, dass jemand daraus ableiten will, wie er künftig regieren wird. Man muss wohl warten, bis jemand die Konten findet ... oder zumindest die Autokorrektur.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (16 Antworten).

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